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Mehrere Antibiotikaklassen bei Säuglingen könnten Allergien besonders stark begünstigen

Montag, 23. Dezember 2019

Prick-Test für Allergien /Andre, stock.adobe.com
/Andre, stock.adobe.com

Bethesda – Alle im Kleinkindalter häufig verschriebenen Antibiotika gehen mit einem erhöhten Risiko für eine spätere Allergiediagnose einher. Doch bei Säuglingen, die in den ersten 6 Lebensmonaten mit mehreren Antibiotikaklassen behandelt werden, ist dieses Risiko – speziell für Asthma und allergische Rhinitis – offenbar am höchsten. Dies zeigt eine retrospektive Kohortenstudie in JAMA Pediatrics (DOI: 10.1001/jamapediatrics.2019.4794)

Die Autoren um Sidney E. Zven von der F. Edward Hébert School of Medicine der Uniformed Services University of the Health Sciences in Bethesda/Maryland gehen davon aus, dass die Antibiotikagabe über eine Störung der Darmflora die Entwicklung von Allergien begünstigen könnte.

In einer früheren Auswertung der gleichen Studienkohorte hatten die Wissenschaftler bereits einen generellen Zusammenhang zwischen der frühen Behandlung mit Antibiotika und dem Allergierisiko bei Kindern zeigen können. „Die Exposition gegenüber multiplen Antibiotikaklassen könnte noch weitgehendere Diversitätsstörungen im Mikrobiom verursachen“, vermuten sie nun.

Unter 798.426 Kindern, für die Soldatenfamilien in den USA im ersten Lebensjahr Leistungen über die Tricare-Versicherung in Anspruch nahmen, gab es in den ersten 6 Lebensmonaten 162.605 Antibiotika-Verordnungen. Am häufigsten waren Verordnungen von Penicillin (59,5%), gefolgt von Makroliden (13,1%), Cephalosporinen (13,1%), Penicillin mit einem β-Laktamaseinhibitor (9,7%) und Sulfonamiden (3,8%).

664.710 der untersuchten Kinder erhielten keine Antibiotika. 109.341 Kindern (13,7%) wurde in den ersten 6 Lebensmonaten eine Antibiotikaklasse verschrieben. Bei 20.358 Kindern (2,5 %) waren es 2 Antibiotikaklassen. Verordnungen von 3 Antibiotikaklassen erhielten 3.543 Kinder (0,44 %). Und Rezepte für 4 oder mehr Antibiotikaklassen wurden für 474 Kindern (0,06 %) ausgestellt.

Die Nachbeobachtung lief im Schnitt über 4,6 Jahre. Wie – basierend auf den früheren Ergebnissen – zu erwarten, waren alle Antibiotikaklassen mit signifikant erhöhten adjustierten Hazard Ratios (aHR) für allergische Erkrankungen assoziiert.

Am wenigsten allergische Erkrankungen bei Sulfonamiden

Am wenigsten stark ausgeprägt war der Zusammenhang zwischen Sulfonamiden und allergischen Erkrankungen (aHR 1,06 [95%-KI 1,03-1,10]). Bei den restlichen Antibiotikaklassen reichte die aHR von 1,19 [95%-KI 1,17-1,21] für Cephalosporine bis 1,30 [95%-KI 1,28-1,31] für Penicillin.

Kinder, denen eine zusätzliche Antibiotikaklasse verschrieben wurde, hatten für jede Art von allergischer Erkrankung erhöhte aHRs (Nahrungsmittelallergien: 1,08 [95%-KI 1,05-1,11]; Anaphylaxie: 1,08 [95%-KI 1,02-1,15]; Asthma: 1,47 [95%-KI 1,45-1,49]; atopische Dermatitis: 1,13 [95%-KI 1,11-1,15]; allergische Rhinitis: 1,33 [95%-KI 1,32-1,34]; allergische Konjunktivitis: 1,18 [95%-KI 1,15-1,22]; Kontaktdermatitis: 1,11 [95%-KI 1,10-1,12]) – und dies selbst nach Adjustierung der Ergebnisse um die Anzahl der Behandlungstage.

Antibiotika sind als Ursache wahrscheinlich

Die Autoren räumen ein, dass die Studie keinen Beweis dafür liefern könne, dass Antibiotika Allergien verursachen. Im Extremfall könnte eine reverse Kausalität vorliegen, bei der Säuglinge, die per se ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Allergien haben, auch anfälliger für bakterielle Infektionen sind, und deshalb mit zusätzlichen Antibiotikaklassen behandelt werden.

Allerdings schätzen Zven und seine Koautoren diesen Bias als unwahrscheinlich ein, da die Daten um Kaiserschnittgeburt, Frühgeburt, Geschlecht, Exposition gegenüber Antazida (Protonenpumpeninhibitoren oder H2-Rezeptorantagonisten) und die Dauer der Behandlung mit Antibiotika adjustiert waren.

Offenbar, so schreiben sie, bringe die Exposition gegenüber mehreren Antibiotikaklassen das Mikrobiom noch stärker durcheinander als die Behandlung mit nur einer Antibiotikaklasse. Dies spreche dafür, dass Störungen des Mikrobioms ein Risikofaktor für die Entwicklung allergischer Erkrankungen seien. © nec/aerzteblatt.de

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