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Studie: Luftverschmutzung kann Knochenmasse junger Erwachsener vermindern

Montag, 6. Januar 2020

Mganasui Horam beim Kochen in ihrer Küche im indischen Dorf Mapao. Die Verwendung von Biomasse als Brennstoff führt zu höherer Feinstaubkonzentration. /picture alliance

Barcelona – Die hohen Feinstaub- und Black Carbon-Werte waren in periurbanen Regionen einer indischen Großstadt bereits bei jungen Erwachsenen mit einer niedrigen Knochenmasse assoziiert. Die in JAMA Open Network (2020; 3: e1918504) publizierten Daten bestätigen die mögliche Schwächung des Knochens durch Luftschadstoffe.

Frühere Studien aus den USA hatten gezeigt, dass höhere Feinstaubwerte (PM 2,5) bei Medicare-Begünstigten, also Senioren im Alter von über 65 Jahren, mit einem erhöhten Frakturrisiko verbunden sind, was damals mit einem niedrigeren Parathormon-Spiegel erklärt wurde.

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Im Vergleich zu den US-Senioren sind die Einwohner in den Vororten der südindischen Stadt Hyderabad wesentlich höheren Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt. Die mittlere geschätzte Exposition der 3.717 erwachsenen Teilnehmer der „Andhra Pradesh Children and Parents Study“ (APCAPS) betrug 32,8 µg/m3. Das ist mehr als das 3-fache des Grenzwertes der Welt­gesund­heits­organi­sation, die eine Konzentration von unter 10 µg/m3 PM 2,5 empfiehlt. Der Grund ist weniger im Straßenverkehr als in der Verwendung von Biomasse als Brennstoff für den häuslichen Herd zu suchen. Die getrockneten Exkremente setzen bei der Erhitzung neben PM 2,5 auch Black-Carbon frei, das sind feinste Kohlenstoffpartikel, die ebenso schädlich eingestuft werden wie Feinstaub.

Die Studienteilnehmer waren im Durchschnitt 35,7 Jahre alt. Sie waren damit noch Jahrzehnte von dem Alter entfernt, in dem es infolge einer Osteoporose zu Knochenbrüchen kommt. Otavio Ranzani vom Barcelona Institute for Global Health, der die Daten der Knochendichtemessung mit der Luftverschmutzung in Beziehung gesetzt hat, befürchtet aber, dass viele Teilnehmer der Studie im Alter vermehrt durch Knochenbrüche gefährdet sind.

Die Analyse ergab, dass jede zusätzlichen 3 µg/m3 PM 2,5 die Knochenmineraldichte von Männern und Frauen in der Wirbelsäule um 0,011 g/cm2 und in den Hüftknochen um 0,004 g/cm2 senkt. Ähnliche Assoziationen wurden auch für die Exposition mit Black Carbon gefunden. Die Berechnungen berücksichtigen eine Reihe von Störfaktoren („confounder“) wie Körperzusammensetzung (Fettgewebe/Muskulatur), Rauchen, körperliche Bewegung, aber auch Ernährung und sozioökonomische Stellung, die alle für sich die Knochenmasse beeinflussen.

Den Beweis, dass Feinstaub und Black Carbon für die niedrige Knochenmasse verant­wortlich sind, muss Ranzani jedoch schuldig bleiben. Es ist möglich, dass andere Schadstoffe, die die Bewohner über die Küchendämpfe einatmen, für die niedrige Knochendichte verantwortlich sind.

Zu den Schwächen der Studie gehört, dass sie nur zu einem Zeitpunkt Luftverschmutzung und Knochenmasse in Beziehung setzen. Überzeugender als eine Querschnittuntersuchung wäre eine prospektive Beobachtungsstudie. Zum anderen gibt es in Indien erst wenige Messstationen, so dass die Forscher von den Angaben zum Kochverhalten auf die Exposition schließen mussten. © rme/aerzteblatt.de

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