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Mukoviszidose: Eltern und andere Genträger haben eine erhöhte Morbidität

Freitag, 10. Januar 2020

/Köpenicker, stock.adobe.com

Iowa City – An einer Mukoviszidose erkranken nur Menschen, bei denen beide CFTR-Allele ausgefallen oder zumindest vermindert aktiv sind. Doch die Eltern und andere heterozygote CFTR-Carrier, bei denen nur ein Allel defekt ist, sind deshalb nicht unbedingt gesund. Eine Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2019; DOI: /10.1073/pnas.1914912117) ermittelt ein erhöhtes Risiko auf 57 von 59 Gesund­heitsstörungen, die mit der Mukoviszidose verbunden sind.

Die Mukoviszidose ist Folge von Mutationen im Gen für den „cystic fibrosis transmembrane conductance regulator“ (CFTR), der einen Membrankanal für den Transport von Chlorid und Bikarbonat kodiert. Die autosomal rezessive Erkrankung tritt nur auf, wenn beide Allele defekt sind: Beide Elternteile und ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Bevölkerung haben den genetischen Defekt auf einer der beiden Genkopien (Allele). Dies bedeutet, dass die Expression des Chlorid-Kanals um bis zu 50 % vermindert ist. Lange gingen die Forscher davon aus, dass dies keine gesundheitlichen Auswirkungen hat, auch wenn in einigen Studien ein erhöhtes Risiko auf Pankreatitis, Asthma, männliche Infertilität, Sinusitiden und Asthma gefunden wurde.

Die jetzt von einem Team um Philip Polgreen vom Carver College of Medicine in Iowa City vorgestellten Ergebnisse zeigen jedoch, dass dies nur die Spitze eines Eisbergs ist. Die Forscher haben die Daten von Krankenversicherten in den USA analysiert, bei denen ein Carrier-Status auf eine Mukoviszidose festgestellt worden war. Dies sind nicht nur die Eltern, die jeweils ein defektes Gen an die Kinder weitergegeben haben. Mutationen von CFTR-Genen sind sehr häufig. In Deutschland haben etwa 4 % der Bevölkerung ein defektes CFTR-Gen.

Um herauszufinden, ob diese Carrier gesundheitliche Risiken haben, wurden 19.802 Carrier jeweils 5 Versicherten gegenübergestellt, bei denen beide CFTR-Allele intakt waren. Dann schauten die Forscher, ob die Carrier häufiger an insgesamt 59 Gesundheitsstörungen erkrankt sind, die im Rahmen einer Mukoviszidose auftreten können.

Bei 57 der 59 Störungen fanden die Forscher eine signifikante Assoziation. Darunter waren die bereits bekannten Gesundheitsstörungen, wie männliche Unfruchtbarkeit (Odds Ratio 5,09), chronische Pankreatitis (Odds Ratio 6,76), Bronchiektasien (Odds Ratio 5,62) und Infektionen mit nicht-tuberkulösen Mykobakterien (Odds Ratio 2,75).

Es wurden jedoch auch zahlreiche Assoziationen mit Störungen gefunden, die bei den Genträgern bisher nicht vermutet wurden. Darunter waren Obstipation (Odds Ratio 1,32), Typ 1-Diabetes oder sekundärer Diabetes (Odds Ratio 1,49), Gallensteine (Odds Ratio 1,14), Gedeihstörungen (Odds Ratio 2,78), Kleinwuchs (Odds Ratio 2,41), Gelbsucht (Odds Ratio 1,66) und Skoliose (Odds Ratio 1,24).

Viele CFTR-Carrier hatten mehrere Störungen. Polgreen ermittelt eine Odds Ratio von 1,91 auf 10 oder mehr Gesundheitsstörungen und eine Odds Ratio von 1,48 auf Störungen in mehr als 4 Organsystemen.

Zu bedenken ist, dass die meisten der Störungen mit den höchsten Odds Ratios, etwa Pankreatitis, Bronchiektasien oder Infektionen mit nicht-tuberkulösen Mykobakterien in der Allgemeinbevölkerung selten sind. Das absolute Erkrankungsrisiko für die CFTR-Carrier ist deshalb gering und die meisten dürften trotz der Vielzahl der möglichen Störungen gesund sein. Bezogen auf die Bevölkerung könnten die CFTR-Carrier jedoch für eine erhebliche Krankheitslast verantwortlich sein. © rme/aerzteblatt.de

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