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Pränatale Vitamin-D-Gabe kann Asthmaerkrankungen des Kindes nicht verhindern

Montag, 10. Februar 2020

/dpa

Rochester/New York – Eine Vitamin D-Substitution von Schwangeren hat in einer rando­misierten Studie zwar die Häufigkeit von asthmaartigen Beschwerden in den 1. Lebens­jahren gesenkt. Ein günstiger Einfluss auf Asthmaerkrankungen war im Alter der Kinder von 6 Jahren jedoch nicht erkennbar, wie die jetzt im New England Journal of Medicine (2020; 382: 525-33) publizierten Ergebnisse zeigen.

Schwangere haben – wie die meisten anderen Menschen in mittleren Breiten auch – Vitamin D-Defizite. Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass ein pränataler Vita­min D-Mangel die Entwicklung der Lungen stören kann. Beobachtungsstudien wiesen auf eine erhöhte Rate von Asthmaerkrankungen hin. In der VDAART-Studie („Vitamin D Ante­natal Asthma Reduction Trial“) wurde deshalb untersucht, ob eine Vitamin D-Behandlung die Startchancen der Kinder verbessern kann.

An der Studie nahmen 881 Schwangere teil, deren werdendes Kind ein erhöhtes Risiko auf eine Asthmaerkrankung hatte, weil Mutter oder Vater eine allergische Erkrankung in der Vorgeschichte aufwiesen. Die Hälfte der Schwangeren wurde gebeten, täglich eine Tablette mit 4.000 IE Vitamin D einzunehmen. Die andere Hälfte erhielt Placebos. Zusätz­lich nahmen die Frauen in beiden Gruppen ein Multivitamin-Präparat ein, das unter anderem 400 IE Vitamin D enthielt. Die Behandlung wurde zwischen der 10. und 18. Schwangerschafts­woche begonnen.

Der primäre Endpunkt war das Auftreten von Asthma oder asthmaartigen Beschwerden („wheezing“) in den ersten 3 Lebensjahren. Die Ergebnisse waren vor 3 Jahren im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 315: 362-370) vorgestellt worden. Augusto Litonjua vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter berichteten damals, dass die Kinder der mit Vitamin D behandelten Mütter tatsächlich seltener erkrankten.

Asthma oder asthmaartige Beschwerden hatten in der Verumgruppe 98 von 405 Mütter bei ihren Kindern beobachtet (24,3 %). In der Placebogruppe waren die Beschwerden bei 120 von 401 Kindern aufgetreten (30,4 %). Die Differenz von 6,1 %punkten hatte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 18 bis 30-%-punkten das Signifikanzniveau jedoch verfehlt, obwohl der Vitamin D-Mangel bei den Schwangeren signifikant häufiger ausgeglichen wurde.

In einer gemeinsamen Auswertung mit der „ABCvitaminD“-Studie aus Dänemark war jedoch eine präventive Wirkung erkennbar (PLoS One 2017; doi: 10.1371/journal.pone.0186657). Es bestand deshalb die Hoffnung, dass langfristig die Rate von Asthmaerkrankungen sinken könnte. Die Studie wurde deshalb um 3 Jahre verlängert.

Wie Augusto Litonjua, inzwischen am Golisano Children’s Hospital in Rochester/New York tätig, berichtet, sind in der Vitamin D-Gruppe im Alter von 6 Jahren 74 von 361 Kindern an einem ärztlich bestätigten Asthma erkrankt (20,5 %) gegenüber 59 von 346 Kindern (17,1 %) in der Kontrollgruppe. Von einer protektiven Wirkung kann deshalb keine Rede mehr sein, auch wenn die Häufigkeit von „Wheezing“ ohne Asthmadiagnose mit 11,1 % gegenüber 15,9 % niedriger war.

Auch in der „ABCvitaminD“-Studie haben sich die Erwartungen nicht erfüllt. Nach den im letzten Jahr im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321: 1003-1005) von Hans Bisgaard von der Universitätsklinik in Gentofte bei Kopenhagen mitgeteilten Ergebnissen sind in der Gruppe, deren Mütter täglich 2.400 IE Vitamin D eingenommen hatten, inzwischen 23 von 274 Kindern (8 %) an Asthma erkrankt gegenüber 18 von 268 Kindern (7 %) in der Placebo-Gruppe. Auch dies spricht nicht dafür, dass Vitamin D in der Schwangerschaft, die Kinder vor einer Asthmaerkrankung schützen kann. © rme/aerzteblatt.de

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