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COPD: Dysanapsis erklärt, warum auch Nichtraucher erkranken

Freitag, 26. Juni 2020

/magicmine, stock.adobe.com

Montreal – Menschen mit im Vergleich zur Gesamtlunge kleinen Atemwegen, was von Pulmologen auch als Dysanapsis bezeichnet wird, haben ein erhöhtes Risiko, im höheren Alter eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zu entwickeln.

Dies kam in einer Studie heraus, die jetzt im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; 323: 2268-2280) veröffentlicht wurde. Der neue Risikofaktor könnte erklären, warum auch Nichtraucher an einer COPD erkranken können.

Die COPD ist die klassische Folge des langjährigen Tabakrauchens. Die Patienten entwickeln zunächst eine chronische Bronchitis („Raucherhusten“). Später kommt es zu einem chro­nischen Emphysem, die eine ausreichende Sauerstoffaufnahme verhindert. Ein Drittel aller COPD-Patienten gibt jedoch an, niemals geraucht zu haben.

Dänische Untersucher hatten vor einigen Jahren herausgefunden, dass ein Teil der Nichtraucher, die im späteren Alter an einer COPD erkranken, bereits im jungen Alter eine schlechtere Lungenfunktion (FEV1) haben als Nichtraucher, die später nicht an einer COPD erkrankten. Dies deutet darauf hin, dass eine Veranlagung oder eine gestörte Entwicklung der Atemwege im Kindesalter ein Risikofaktor für die COPD ist.

Die Analyse von 2 Beobachtungsstudien (MESA, CanCOLD) und einer Fall-Kontrollstudie (SPIROMICS) bestätigen jetzt diese Vermutung. An der „Multi-Ethnic Study of Athero­sclerosis“ (MESA) hatten Erwachsene aus 6 US-Großstädten teilgenommen.

Bei 2.531 Teilnehmern war im Alter von 69 Jahren eine CT-Untersuchung des Brustkorbs durchgeführt worden. Eine CT-Untersuchung war auch bei 1.272 Teilnehmern der CanCOLD-Studie („Canadian Chronic Obstructive Lung Disease“) im Alter von durch­schnittlich 67 Jahren durchgeführt worden. Die „Subpopulations and Intermediate Outcome Measures in COPD Study“ (SPIROMICS) hatte 2.726 starke Raucher (20 oder mehr Packungsjahre) im Alter von durchschnittlich 63 Jahren ebenfalls im CT untersucht.

Auf den CT-Aufnahmen lassen sich die Hohlräume der Bronchien gut vom umgebenden Lungengewebe abgrenzen. Benjamin Smith von der McGill University in Montreal und Mitarbeiter ließen die Weite der Bronchien an den 19 anatomischen Regionen ausmessen und mit dem Gesamtvolumen der Lunge in Beziehung setzen. Eine niedrige „airway to lung ratio“ war das Maß für die Dysanapsis.

Von den 2.294 Teilnehmern der MESA-Studie, die zu Beginn noch keine COPD hatten, erkrankten 98 (4,3 %) im Verlauf von median 6,2 Jahren neu an einer COPD. Bei den Teilnehmern mit Dysanapsis (definiert als unteres Viertel der „airway to lung ratio“) betrug die Inzidenz 9,8 pro 1.000 Personenjahre.

Im oberen Viertel der „airway to lung ratio“, die die weiteren Atemwege hatten, erkrank­ten dagegen nur 1,2 auf 1.000 Personenjahre an einer COPD. Smith ermittelt eine Rate Ratio von 8,12, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,81 bis 17,27 statistisch signifikant war. Die Lungenfunktion hatte sich in beiden Gruppen über die Nachbeobach­tungszeit gleich stark verschlechtert.

In der CanCOLD-Studie entwickelten die Teilnehmer mit den kleineren Atemwegen ebenfalls viel häufiger eine COPD als Teilnehmer mit größeren Atemwegen im Verhältnis zur Lungengröße. Die Inzidenzen betrugen hier 80,6 versus 24,2 pro 1.000 Personenjahre. Dies ergab eine Risk Ratio von 3,33 (1,89 bis 5,85).

Die Forscher verglichen dann die 652 Teilnehmer der CanCOLD-Studie, die nie geraucht hatten, mit den 1.206 Teilnehmern der SPIROMICS-Studie, die alle starke Raucher waren. Die Nichtraucher der CanCOLD-Studie, die an COPD erkrankten, hatten deutlich kleinere Atemwege, als die Teilnehmer der SPIROMICS-Studie, die trotz ihres hohen Tabakkon­sums nicht an COPD erkrankt waren.

Smith schließt aus den Untersuchungen, dass die Dysanapsis ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung der COPD ist, der einen großen Anteil der Erkrankungen bei Nichtrauchern erklären könnte. © rme/aerzteblatt.de

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