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Warum der TB-Impfstoff die Empfänger auch für andere Infektionen unempfindlicher macht

Dienstag, 4. August 2020

/picture alliance, BSIP

Bonn/Nijmwegen – Der sogenannte Bacillus-Calmette-Guérin (BCG)-Impfstoff gegen Tuberkulose (Tb) macht Geimpfte auch für andere Infektionen unempfindlicher. Dieser Effekt ist lange bekannt, nicht jedoch, wodurch er verursacht wird.

Eine internationale Arbeitsgruppe von Wissenschaftler der Universitäten Nijmegen und Bonn haben nun mit Forschern aus Australien und Dänemark eine mögliche Antwort vorgelegt. Ihre Arbeit ist im Fachmagazin Cell Host & Microbe erschienen (DOI: 10.1016/j.chom.2020.05.014).

Der BCG-Impfstoff zeigte seit seiner ersten medizinischen Verwendung im Jahr 1921 eine unerwartete Begleiterscheinung: „Geimpfte erkrankten nicht nur weitaus seltener an Tuberkulose, sondern auch an anderen Infektionen“, berichten die Forscher. Ein ähnlicher Effekt wurde inzwischen auch bei anderen Impfstoffen beobachtet – fast ausschließlich solchen, deren Basis lebendige Erreger bilden. Weitgehend unbekannt ist laut den Wissenschaftlern, warum dieser sogenannte Trainings-Effekt über Jahre fortbestehen kann.

„Wir haben 15 Freiwillige mit dem BCG-Vakzin geimpft und zum Vergleich 5 weiteren Personen ein Placebo verabreicht. Dann haben wir den Betroffenen 3 Monate später Blut und Knochenmark entnommen“, erklärt Mihai Netea vom Radboud University Medical Center in Nijmegen das Vorgehen der Forscher.

Sie fanden, dass die Immunzellen im Blut von Geimpften deutlich mehr Entzündungs­boten­stoffe ausschütten, als die Immunzellen der Kontrollgruppe. Diese Botenstoffe – Zytokine – verstärken die Schlagkraft der Immunabwehr, beispielsweise rufen sie andere Abwehrzellen zur Hilfe und dirigieren sie an den Ort der Infektion.

Außerdem waren in den Immunzellen von Geimpften andere Gene aktiv als in der Placebo-Gruppe – vor allem solche, die für die Zytokin-Produktion benötigt werden. Die Wissenschaftler ermittelten zudem, dass sich in den hämatopoetischen Stammzellen im Knochenmark das genetische Programm veränderte.

„Wir haben festgestellt, dass nach der Impfung bestimmte Erbanlagen leichter zugänglich werden und dadurch von den Zellen öfter abgelesen werden können“, erklärt Andreas Schlitzer vom LIMES-Institut der Universität Bonn. Dazu zählen unter anderem solche, die für eine vermehrte Zytokin-Produktion benötigt werden. „Das erklärt, warum die Vakzinierung langfristig zu einer verstärkten Immunantwort führt“, folgert Netea.

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Forschung auch in der aktuellen COVID-19-Pandemie von Interesse ist – weil sich eine BCG-Impfung möglicherweise positiv auf die Erkrankung auswirken könnte. Das trainierte Immunsystem könne zwar die Ansteckung mit dem Virus vermutlich nicht verhindern, aber möglicherweise das Risiko eines schweren Verlaufs reduzieren, so ihre These.

International gingen mehrere groß angelegte Studien dieser Frage nach, darunter 2 am Radboud University Medical Center Nijmegen und eine andere an der Universität Melbourne, die ebenfalls Partner des aktuellen Projekts ist.

Die Forscher weisen aber daraufhin, dass die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO im Augenblick keine Massenimpfungen mit dem BCG-Vakzin empfiehlt, bis die Ergebnisse von Studien vorliegen. © hil/aerzteblatt.de

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