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Pneumologen empfehlen Dexamethason für COVID-19-Patienten mit respiratorischer Insuffizienz

Dienstag, 4. August 2020

/picture alliance, Oliver Berg

Berlin – In Reaktion auf die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der RECOVERY-Studie hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin ihre Empfeh­lun­gen zur Therapie mit Dexamethason bei Patienten mit COVID-19 aktualisiert. Die große rando­misierte Studie aus Großbritannien hatte gezeigt, dass COVID-19-Patienten mit res­piratorischer Insuffizienz unter Dexamethason einen Überlebensvorteil haben.

In ihrem aktualisierten Positionspapier empfehlen die Pneumologen in Analogie zu den Daten der RECOVERY-Studie den Einsatz von Dexamethason bei Patienten mit COVID-19 und manifester schwerer respiratorischer Insuffizienz mit der Indikation zur Sauerstoff­ga­be oder zur Beatmung, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Behandelt werden soll mit einer Dosierung von 6 mg am Tag, entweder peroral oder intravenös, für bis zu 10 Tage.

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Unter der Therapie mit Dexamethason müssen den Autoren des Positionspapiers zufolge Blutglukose und Serumnatrium engmaschig kontrolliert und eingestellt werden. Sie wei­sen außerdem auf das Risiko von Superinfektionen und gastrointestinalen Blutungen hin.

Bei ambulanten COVID-19-Patienten oder hospitalisierten Patienten ohne eine Indikation für eine Sauerstoffgabe und ohne andere klinische Indikation raten die Pneumologen da­gegen vom Einsatz von Dexamethason ab. Eine Übersterblichkeit könne bei diesen Pa­tien­ten nicht ausgeschlossen werden, schreiben sie.

Bei COVID-19-Patienten mit nicht klar definierter respiratorischer Insuffizienz (in Recove­ry SpO2 < 92-94 %) erlaube die zum jetzigen Zeitpunkt vorliegende Evidenz keine Em­pfeh­lung für oder gegen eine Dexamethasongabe, heißt es in dem Positions­papier weiter.

Die Entscheidung, eine Steroidtherapie zu initiieren, müsse hier individuell basierend auf Faktoren wie zum Beispiel der Atemfrequenz, dem Ausmaß der CT-Verschat­tungen, be­reits etablierten prognostischen Parameter, dem kurzfristigen Verlauf und Komorbiditäten getroffen werden.

Unberührt von der Aktualisierung bleibt die weiterhin bestehende Indikation zur Steroid­therapie bei COVID-19-Patienten, die zusätzlich eine exazerbierte obstruktive Atemwegs­erkrankung aufweisen oder einen therapierefraktären septischen Schock entwickeln.

Vor Kurzem hatten auch schon die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensiv­medi­zin und Notfallmedizin (DGIIN) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Inten­siv- und Notfallmedizin (DIVI) ihre Leitlinie zur intensivmedizinischen Therapie von Pa­tien­ten von COVID-19 geändert, um den neuen Erkenntnissen Rechnung zu tragen.

Auch sie empfiehlt nun den Einsatz von Dexamethason (6 mg/Tag über 10 Tage) bei beatmungspflichtigen Patienten mit COVID-19. © nec/aerzteblatt.de

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