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NSCLC: Checkpoint-­Inhibition mit Chemotherapie wirksamer als alleine

Freitag, 18. Juni 2021

/Crystal light, stock.adobe.com

Alexandria – Immuncheckpoint-Inhibitoren kommen in immer größerer Zahl in die Klinik; beim metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) ist eine Anzahl von PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren alleine oder in Kombination mit einer Chemotherapie zugelassen. Insbesondere Patienten mit PD-L1-Werten zwischen 1 % und 49 % haben viele therapeutische Optionen, und bislang ist wenig darüber bekannt, inwiefern verschiedene Subgruppen unterschiedlich von verschiedenen Protokollen profitieren.

Mitarbeiter der US-amerikanischen Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) haben deshalb 8 große randomisierte Studien zusammengeworfen und gemeinsam ausgewertet, die zum Zweck der Zulassung von Checkpoint-Inhibitoren alleine oder in Kombination mit einer Chemotherapie für die Erstlinientherapie des NSCLC durchgeführt wurden. Oladimeji Akinboro, Silver Spring, Maryland, stellte die Ergebnisse der gepoolten Analyse beim virtuellen Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vor (JCO 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.9001)

Die Studien umfassten insgesamt beinahe 6.000 Patienten mit nicht palliativ vorbehandeltem NSCLC ohne EGFR-Mutationen oder ALK-Translokationen; für die Analysen ausgewählt wurden diejenigen, die eine Konzentration von PD-L1-exprimierenden Tumorzellen zwischen 1 % und 49 % aufgewiesen hatten und entweder mit Checkpoint-Inhibitoren alleine (Nivolumab mit oder ohne Ipilimumab, Pembrolizumab, Atezolizumab; insgesamt n = 529) oder in Kombination mit einer Chemotherapie (n = 639) behandelt worden waren. Bei diesen beiden Gruppen wurden mittels Kaplan-Meier-Statistik Gesamt- und progressionsfreies Überleben verglichen.

Das progressionsfreie Überleben war durch die Zugabe der Chemotherapie von median 4,2 auf 7,7 Monate beinahe verdoppelt worden (Hazard Ratio 0,60; 95 %-Konfidenzintervall 0,48–0,76); die Ergebnisse waren für alle untersuchten Subgruppen in Abhängigkeit von Alter, ECOG-Performance- und Raucherstatus vergleichbar mit Ausnahme der über 75-jährigen Patienten, wo eine Hazard Ratio von 0,85 mit einem sehr breiten Konfidenzintervall (0,42–1,71) einherging.

Ähnliches galt für das Gesamtüberleben, das durch die Chemotherapie von median 14,5 auf 21,4 Monate verlängert worden war (HR 0,68; 95 %-KI 0,52–0,90). Auch hier fielen die über 75-Jährigen aus der Reihe mit median 13,9 versus 10,3 Monaten und einer Hazard Ratio von 0,95 (95 %-KI 0,42–2,14).

Auffällig waren hier auch die Ergebnisse in der Subgruppe mit einem ECOG-Wert von 1, die zwar von der Chemotherapie profitierten (HR 0,68; 95 %-KI 0,50–0,94), aber auf einem wesentlich niedrigeren Niveau: Das Überleben verlängerte sich bei ihnen von median 11,0 auf 16,8 Monate, während es bei einem ECOG-Wert von 0 von 20,0 auf 25,2 Monate anstieg (HR 0,65; 95 %-KI 0,38–1,10).

Zu den Limitationen dieser Studie, so Akinboro, zählt die Tatsache, dass es sich lediglich um eine retrospektive exploratorische Analyse handelt, sodass die Ergebnisse nur als hypothesengenerierend anzusehen seien. Außerdem hatten 2 der Studien nur die Immuntherapie (im Vergleich mit der Chemotherapie) untersucht, während in den übrigen 6 auch die Kombination aus Immun- und Chemotherapie auf den Prüfstand gekommen war.

Dass Patientenpopulationen aus klinischen Studien nicht notwendig die Verhältnisse in der täglichen Praxis spiegeln, ist ein allgemeines Problem; außerdem wurden in dieser Analyse Sicherheit und Verträglichkeit der Therapien nicht berücksichtigt, und einen weiteren möglichen Störfaktor stellt die Tatsache dar, dass der PD-L1-Status in den verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Testsystemen bestimmt worden war.

Insgesamt erscheinen die Resultate aber recht robust und erlauben die Schlussfolgerung, dass die bislang zugelassenen Immun-Chemotherapie-Protokolle bei den meisten Patienten mit NSCLC und einer PD-L1-Expression auf 1–49 % der Tumorzellen tatsächlichen der alleinigen Immuntherapie überlegen sind.

Für über 75-jährige Patienten gibt es zumindest keine Hinweise darauf, dass die Chemotherapie ihnen schaden könnte. Die Autoren gehen so weit, die Verwendung einer alleinigen Immuntherapie als Kontrollarm in künftigen randomisierten kontrollierten Studien zur Erstlinientherapie des fortge­schrittenen NSCLC mit einer PD-L1-Expression zwischen 1 % und 49 % in Frage zu stellen. © jfg/aerzteblatt.de

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