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Atemwegsinfektionen durch saisonale Coronaviren können Verlauf von COVID-19 abschwächen

Freitag, 2. Juli 2021

/angellodeco, stockadobecom

Palo Alto/Kalifornien – Infektionen mit saisonalen Coronaviren, die für etwa ein Viertel der Erkältungs­erkrankungen bei Kindern verantwortlich sind, schützen zwar nicht vor einer Infektion mit SARS-CoV-2. Sie könnten jedoch erklären, warum Kinder seltener an COVID-19 erkranken.

Nachdem frühere Studien eine Kreuzreaktivität von Antikörpern nachgewiesen haben, zeigt eine aktuelle Studie in Science Immu­nology (2021; DOI: 10.1126/sciimmunol.abg5669), dass auch die T-Zell-Antwort durch frühere Infektio­nen geprägt werden kann.

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Die Antikörperreaktion auf eine Infektion lässt sich heute relativ einfach durch eine Blutuntersuchung überprüfen. Eine genauere Analyse ist in Labortests möglich, die zeigen, ob die Antikörper in der Lage sind, Viren von der Zerstörung von Zellkulturen abzuhalten.

Die T-Zell-Antwort, der zweite Arm der adaptiven Immunantwort, lässt sich nicht so einfach untersuchen, da sich die verantwortlichen Zellen nicht so leicht aufspüren lassen. Außerdem sind die Assays, die die Reaktionsfähigkeit überprüfen, kompliziert.

Ein Team um Mark Davis von der Standford Universität in Palo Alto hat jetzt einen Test entwickelt, mit dem sich zytotoxische T-Zellen identifizieren lassen. Diese Zellen, die auch als Killer-Zellen bezeichnet werden, zerstören menschliche Zellen, in denen gerade Viren produziert werden. Sie erkennen dies an bestimmten Veränderungen auf der Oberfläche der infizierten Zellen.

Die infizierten Zellen präsentieren Virus-Antigene mit Hilfe von MHC-Molekülen. Die T-Zellen erkennen sie mit ihren T-Zell-Rezeptoren. Die Forscher haben Ferritin-Moleküle mit 24 MHC-Molekülen bestückt, an die jeweils 1 Virus-Antigen gekoppelt ist. Die T-Zellen, die infizierte Zellen an diesem Virus-Antigen erkennen, bleiben an diesen „Spheromerer“ kleben und können auf diese Weise im Blut nachgewiesen werden.

Die Forscher haben aus aktuellem Anlass ihren neuen Test auch an Patienten erprobt, die an SARS-CoV-2 erkrankt waren. Bei den Patienten mit einem milden Verlauf fanden sich viele T-Zellen, die Antigene an­greifen, die SARS-CoV-2 mit den saisonalen Coronaviren gemeinsam haben.

Davis vermutet, dass es sich um T-Gedächtniszellen handelt, die nach früheren Erkältungen gebildet wer­den und im Fall einer SARS-CoV-2-Infektion aktiv werden. Sie könnten dann mit SARS-CoV-2 infizierte Zellen angreifen und durch deren Vernichtung den Verlauf der Erkrankung abschwächen.

Die neuen Ergebnisse bestätigen die Arbeit anderer Forschergruppen, die im Blut von Patienten mit mil­dem Verlauf von COVID-19 kreuzreaktive Antikörper nachgewiesen haben, die neben SARS-CoV-2 auch saisonale Coronaviren erkennen.

Die Studien erklären möglicherweise, warum Kinder selten an COVID-19 erkranken, obwohl ihr Infekti­onsrisiko nicht vermindert ist. Kinder durchleben in den ersten Lebensjahren mehrfach Coronainfektio­nen. Sie bauen dadurch eine Immunität auf, die sie am Ende auch vor COVID-19 schützen könnte. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #853023
L239486522
am Sonntag, 4. Juli 2021, 15:53

Re psych12 - Immunsystem Kinder +Delta

Siehe Lancet https://doi.org/10.1016/S2352-4642(20)30135-8 "The immune system of children: the key to understanding SARS-CoV-2 susceptibility?" mit dem Statement "Mit Alterung, Unterernährung, Immunsuppression und Begleiterkrankungen verliert unser Immunsystem die Fähigkeit, sich an Neues anzupassen."
Außerdem: "Eine zwischen April und Mai 2021 von Public Health England durchgeführte Studie ergab, dass der Impfstoff eine Wirksamkeitsrate von 88 % gegen die Delta-Variante (Linie B.1.617.2) und eine Wirksamkeit von 93 % gegen die Alpha-Variante aufwies." (siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Pfizer–BioNTech_COVID-19_vaccine) -- es darf langsam mal die Frage nach der Definition von "Sorgen" gestellt werden.
Avatar #801950
psych12
am Sonntag, 4. Juli 2021, 10:33

Kreuzimmunität

Na, das ist ja eine Überraschung! Nun stellt man doch fest das die Coronaviren ja schon seit 1960 bekannt seien und das eine vorhergehende Infektion eine dauerhaft Immunantwort erzeugt. Jedenfalls könnte dies eine Erklärung dafür sein warum Kinder und jugendliche von einen schweren Verlauf so gut wie überhaupt nicht betroffen sind. Dazu müsste man mal wissen, inwiefern das Immunsystem der Kinder und Jugendlichen aufgrund ihrer sportlichen Aktivitäten gestärkt oder geschwächt werden kann. Mangelde Bewegung = schwächeres Immunsystem?
Und wie verhält es sich mit dem Immunsystem wenn man dauerhaft unter Stress und Angst gesetzt wird.
In Israel gehen die Inzidenzen nun wieder durch die Delta Variante hoch und das obwohl 55% der Bevölkerung geimpft sind. Und es betrifft vorallem die geimpften. Für mich stellt sich langsam die Frage nach dem Sinn nach der Verabreichung des Therapeutikums. Letztlich soll der Schutz des Therapeutikums nur für sich selbst darstellen. Man sei auch als geimpfter weiterhin Infektiös und könne das Virus übertragen. Also war die Wirkung des Therapeutikums nur gegen die Ursprungs- Variante standhaft. Wieviel Varianten stehen noch aus? Wieviel mal muss noch nachjustiert werden? Wo ist hier ein Ende zu sehen ?Ich sehe keines mehr.Man spricht schon wieder von der vierten Welle obwohl es heißt, die Delta sei ansteckender aber nicht gefährlicher.
"Kassenarzt-Chef Gassen hält die Warnungen vor der Delta-Variante des Coronavirus für überzogen und warnt vor Panikmache. "
Was ist in unserem Land nur los. Geht es so weiter wie eingeübt?
Avatar #13
blatt
am Sonntag, 4. Juli 2021, 09:43

Die ersten Coronaviren wurden bereits Mitte der 1960er-Jahre beschrieben

https://de.wikipedia.org/wiki/Coronaviridae
Avatar #853023
L239486522
am Samstag, 3. Juli 2021, 17:54

Kinder

Diese Aussage „Kinder durchleben in den ersten Lebensjahren mehrfach Coronainfektio­nen.“ möchte ich mit Zahlen und Fakten belegt haben. Und speziell das „mehrfach“ ist echt grenzwertig. Seit wann genau ist es „normal“ (denn genau so liest es sich), dass Coronaviren sich bei den Kids herumtreiben, denn diese sind erst seit geraumer Zeit bekannt. Ich bin angeschnallt und bereit für die mehrfachen Fakten.
Avatar #801256
HFrank
am Samstag, 3. Juli 2021, 09:40

Wenn die Kinder allerdings...

...sich bei den Begegnungen ohne Maske zunächst oder simultan mit SARS-CoV-2 infizieren, haben sie Chancen auf schwere Verläufe. Also, auch wenn uns das in D sehr schwer fällt, ein Schritt nach dem anderen, wenn wir wieder 5 auf einmal nehmen wollen, fallen wir auch wieder hin! Selbstverständlich sollten gerade kleine Kinder sich relativ ungezwungen bewegen, Aber es müssen nicht zwingend Experimente à la 60.000 im Stadion sein, und vor allem nicht überall gleichzeitig. Wir haben in D sowieso einen notorischen Mangel an Kinderklinikbetten, da ist kein Platz für mehr.
Avatar #651910
thyriris
am Freitag, 2. Juli 2021, 19:12

Wenn die Kinder allerdings. . .

.. Gar keine Chance haben,sich mit harmlosen Coronaviren zu infizieren, nehmen die schweren Verläufe auch bei Kindern zu. Umso wichtiger ist es, dass Kinder sich ohne Masken begegnen können und Viren austauschen können und so ein stabiles Immunsystem aufbauen können.
LNS

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