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Immuntherapie mit PD-L1-Hemmer bei Blasenkrebs erfolgreich

Freitag, 28. November 2014

London – Das Urothelkarzinom der Blase scheint auf die Immuntherapie mit sogenannten PD-L1-Antagonisten ausgesprochen gut anzusprechen. In einer Phase 1-Studie in Nature (2014; 515: 558–562) wurden bei austherapierten Patienten mit dem experi­mentellen Wirkstoff MPDL3280A langdauernde Remissionen erzielt – sofern der Tumor das Merkmal PD-L1 trug. Nachdem die US-Arzneibehörde FDA dem Wirkstoff eine „Breakthrough Therapy Designation“ zugeschrieben hat, hofft der Hersteller auf eine baldige Zulassung.

Dass Urothelkarzinome für eine Immuntherapie geeignet sind, zeigen die guten Erfahrungen, die in den letzten Jahrzehnten mit der BCG-Behandlung gemacht wurden. Die Instillation des abgeschwächten Tuberkulose-Erregers Bacillus Calmette-Guérin (BCG), der ursprünglich als Impfstoff eingeführt wurde, löst eine relativ unspezifische Immunantwort gegen den Tumor aus, die die Wirkung der Chemotherapie unterstützt.

Wesentlich spezifischer – und auch raffinierter – ist der Angriff von PD-L1-Antagonisten. Bei PD-L1 (für: Programed Death Ligand-1) handelt es sich vermutlich um einen Selbst­schutz des Körpers gegen Autoimmunreaktionen. Die Liganden, die sich normalerweise auf Antigen-präsentierenden Zellen befinden, sollen gezielt T-Zellen ausschalten, die körpereigenen Zellen gefährlich werden könnten. Studien haben gezeigt, dass auch einige Krebstumore diese Möglichkeit nutzen. Sie exprimieren PD-L1 und verhindern dadurch eine Vernichtung durch die Immunabwehr. Der Wirkstoff MPDL3280A, den die zum Roche-Konzern gehörende Firma Genentech entwickelt hat, soll dies verhindern.

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Ein Team um Tom Powles vom Barts Cancer Institute in London hat MPDL3280A in einer multizentrischen Phase 1-Studie an 68 Patienten mit Urothelkarzinom der Blase erprobt. Alle Patienten litten an fortgeschrittenem Blasenkrebs, und bei allen hatten (teilweise mehrere) Chemotherapien versagt. Vor Therapiebeginn mit MPDL3280A wurden Gewebe­proben des Tumors auf die Bildung von PD-L1 untersucht.

30 Patienten wurde aufgrund eines  immunhistochemischen Tests als PD-L1-positiv eingestuft. Von diesen 30 Patienten erzielten 13 (43 Prozent) unter der Therapie mit MPDL3280A, die alle drei Wochen wiederholt wurde, eine Remission. Bei zwei Patienten (7 Prozent) war die Remission sogar komplett. Unter den Patienten, deren Tumor PD-L1 nicht bildete, erzielten nur 4 von 35 (11 Prozent) eine Teilremission. Median vergingen 42 Tage bis zum Ansprechen des Tumors auf die Therapie. Die Remissionen hielten bis zu 30 Wochen an.

Die Verträglichkeit scheint gut zu sein: Mit 39 von 86 Patienten klagte zwar jeder zweite über die eine oder andere Nebenwirkung. Am häufigsten waren verminderter Appetit (12 Prozent), Müdigkeit (12 Prozent), Übelkeit (12 Prozent), Fieber (9 Prozent) und eine körperliche Schwäche (Asthenie, 7 Prozent). Ein Schweregrad 3 oder 4 trat jedoch nur in drei Fällen auf: Dies waren jeweils einmal eine allgemeine Schwäche (Asthenie), eine Thrombozytopenie oder eine Hypophosphatämie.

Auch wenn die Aussagekraft einer Phase 1-Studie sicherlich begrenzt ist, sieht Powles in der Studie einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer neuen Behandlungsmöglichkeit beim fortgeschrittenen Blasenkrebs, bei dem eine chirurgische Therapie wegen der Folgen auf die Lebensqualität des Patienten häufig vermieden wird und die Chemo­therapie seit Jahrzehnten nur begrenzte Erfolge zu verzeichnen hat. Der Hersteller prüft MPDL3280A derzeit auch bei anderen Krebserkrankungen. © rme/aerzteblatt.de

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