MedizinUrologieAktuelles Urologie
Aktuelles
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fortgeschrittenes Harnblasenkarzinom: Erhaltungstherapie mit Avelumab ist neuer Standard

Dienstag, 2. Juni 2020

/Judith, stock.adobe.com

Alexandria – Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem urothe­lialem Harnblasenkarzinom ist bei einem Ansprechen auf eine Chemotherapie eine Erhaltungstherapie mit dem Checkpointinhibitor Avelumab eine neue Option. Die Erhal­tungstherapie mit dem Anti-PD-L1-Antikörper verlängert das mediane Gesamtüberleben um median circa 7 Monate gegenüber Best Supportive Care alleine.

Diese Differenz beim Überleben wurde bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) als „klinisch relevant“ bewertet. Es sei damit die bislang stärkste Lebensverlängerung bei dieser Gruppe von Patienten erreicht worden, begründete die Fachgesellschaft die Auswahl der Präsentation als Late Breaking Abstract (J Clin Oncol 38: 2020 (suppl; abstr LBA1); DOI: 10.1200/JCO.2020.38.18_suppl.LBA1). Die Erhaltungstherapie mit Avelumab nach Erstlinienchemotherapie könne ein neuer Standard sein.

Invasive Harnblasenkarzinome sind schwere Erkrankungen. Überwiegend sind es Urothelkarzinome (> 90 %), erkannt bei circa einem Drittel der Patienten erst in fortgeschrittenen oder metastasierten Stadien. Als systemische Therapien haben sich platinasierte Kombinationen etabliert. Obwohl die meisten Patienten initial darauf ansprechen, bilden sich häufig Resistenzen aus. Die Prognose ist dann im Allgemeinen ungünstig mit kurzen, medianen Überlebenszeiten.

Checkpointhemmer sind ein Standard in der Zweitlinie bei einem Progress der Erkrankung unter platinbasierter Erstlinienchemotherapie. „Allerdings werden sie zurückhaltend angewandt in der Zweitlinie, und nur bei wenigen Patienten gibt es einen dauerhaften klinischen Effekt“, erläuterte Thomas Powles, Professor für Onkologie und urogenitale Tumoren und Direktor des Barts Cancer Centre der Queen Mary University in London, bei der Präsentation der Studiendaten.

Powles ist Erstautor einer Interimanalyse der prospektiv randomisierten Phase-3-Studie JAVELIN Bladder100. Darin wird Avelumab als Erhaltungstherapie bei nicht operablen lokal fortgeschrittenen oder bei metastasierten Harnblasenkarzinomen untersucht, wenn Patienten unter platinbasierter Erstlinienchemotherapie nicht progredient geworden sind.

700 Patienten, die mindestens eine stabile Erkrankung unter 4-6 Zyklen der Kombination Carbo- oder Cisplatin plus Gemcitabin erreicht und ein 4-10-wöchiges therapiefreies Intervall ohne Progress hinter sich hatten, wurden 1 : 1 in zwei Studienarme randomisiert: Erhaltungstherapie mit Avelumab (10 mg/kg i.v. alle 2 Wochen) bis zum Progress oder inakzeptabler Toxizität und zusätzlich Best Supportive Care (BSC; n = 350) oder nur BSC (n = 350).

Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben, ermittelt in zwei Studienuntergruppen: allen randomisierten Patienten und solchen mit PD-L1-Expression im Tumor. Zu den sekundären Endpunkten gehörten das progressionsfreie Überleben (PFS) und die Sicherheit.

Das Follow-up betrug in den beiden Studienarmen median 19,6 und 19,2 Monate. Insgesamt hatten 51 % der Patienten PD-L1+ Tumore (n = 358). Bei der Erhaltungstherapie mit Avelumab plus BSC betrug das Gesamtüberleben median 21,4 Monate und im Vergleichsarm mit BSC alleine median 14,3 Monate (Δ 7,1 Monate; Hazard Ratio [HR]: 0,69; p = 0,0005), unabhängig von der PD-L1-Expression. In der Untergruppe der Patienten mit PD-L1+ Tumoren war das mediane Gesamtüberleben im Avelumabarm während der Beobachtungszeit noch nicht erreicht, bei BSC alleine betrug es 17,1 Monate - auch dies ein hoch signifikanter Unterschied (HR: 0,56; p = 0,0003).

Progressionsfrei blieben Patienten mit Avelumab plus BSC für median 3,7 Monate und im Studienarm mit BSC alleine für median 2,0 Monate (HR: 0,62; p < 0,001). Unerwünschte Effekte von mindestens Grad 3 gab es bei 47,4 % in der Avelumabgruppe und bei 25,2 % im Vergleichsarm, vor allem Harnwegsinfektionen (4,4 % vs. 2,6 %), Anämie (3,8 % vs. 2,9 %) Hämaturie (1,7 % vs. 1,4 %) und Fatigue (1,7 % vs. 0,6 %).

Kongress-Highlights

Alle Berichte vom ASCO auf www.aerzteblatt.de/asco2020

„Bei Patienten mit fortgeschrittenen Harnblasenkarzinomen, die nach einer platinbasierten Erstlinienchemotherapie progressionsfrei sind, verlängert eine Erhaltungstherapie mit Avelumab das Gesamtüberleben signifikant“, so Powles bei der Präsentation der Daten. Dies gelte sowohl für Patienten mit, als auch ohne PD-L1-Expression im Tumor. Es sei klinisch sinnvoll, eine wirksame Chemotherapie durch eine anschließende Behandlung mit Avelumab zu konsolidieren und mit der Checkpoinhibition nicht erst solange zu warten, bis der Tumor progrediert, so Powles. Das Nebenwirkungsprofil von Avelumab entspreche dem aus früheren Studien und sei in dieser Untersuchung handhabbar gewesen. © nsi/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Stellenangebote

    NEWSLETTER