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Politik

Hodenkrebs: Keine Empfehlung für Screening ab 16 Jahren

Montag, 6. Juli 2020

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Köln – Die Studienlage liefert im Augenblick keinen Anhaltspunkt dafür, dass regelmäßi­ge Hodenkrebs-Früherkennungsuntersuchungen für asymptomatische Männer ab 16 Jah­ren zu besseren Behandlungsergebnissen führen könnten.

Auch zur Kosteneffektivität eines solchen Screenings und zu einem möglichen höheren Schaden des Screenings für die Zielgruppe liegen keine Studien vor. Das berichten Wiss­en­schaftler der Privatuniversität UMIT Tirol in einem neuen sogenannten ThemenCheck Medizin.

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Auftraggeber dieser Gutachten („Heath Technology Assessment“, HTA), die auf Bürgervor­schläge zurückgehen, ist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheits­we­sen (IQWiG).

Die Tiroler Sachverständigen ziehen sich in ihrem Gutachten aber nicht nur auf die For­mel „Keine Studien vorhanden, also keine Empfehlung möglich“ zurück. In einer ergän­zen­den Darstellung untersuchen sie vielmehr auch den theoretischen maximalen Nutzen eines solchen Screenings. Dieser sei im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen „eher gering ausgeprägt“.

„Hodenkrebs ist selten und wird auch ohne regelmäßige Früherkennungsuntersuch­ungen in den meisten Fällen in einem relativ frühen Stadium entdeckt und kann dann mit entsprechend guten Heilungschancen behandelt werden“, argumentieren sie.

Sie meinen daher, dass „aufwendige, methodisch hochwertige randomisierte Interventi­ons­­studien an Männern mit durchschnittlichem Hodenkrebsrisiko kaum angemessen er­scheinen, um die fehlende Evidenz zu generieren“.

Regelmäßige Maßnahmen zur Früherkennung von Hodenkrebs bei Männern ab 16 Jahren können den Wissenschaftlern zufolge nicht empfohlen werden. Dies treffe auf die Tastei­gen­untersuchung als auch auf die ärztliche Tast- beziehungsweise Ultraschall­unter­su­chung zu.

„Die ärztliche Tast- und Ultraschalluntersuchung zu Früherkennungszwecken sollte des­halb weder als Regelleistung der GKV noch als individuelle Gesundheitsleistung angebo­ten werden“, folgern sie.

Empfehlenswert sei aber, im Rahmen der üblichen Gesundheitserziehung Männern zu ra­ten, bei Auffälligkeiten am Hoden zeitnah eine ärztliche Untersuchung zur diagnosti­schen Abklärung in Anspruch zu nehmen.

Seit 2016 ist es für Bürger möglich, über den ThemenCheck Medizin wissenschaftlich fun­dierte Antworten auf bestimmte medizinische Fragen zu erhalten. Die Themen wer­den in einem mehrstufigen Verfahren ausgewählt. © hil/aerzteblatt.de

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