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Medizin

Prostatakarzinom: Antiandrogen verlängert Leben nach Versagen der Androgendeprivation

Mittwoch, 30. September 2020

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Paris – Das Antiandrogen Darolutamid kann bei Patienten mit einem nicht-metasta­siertem Prostatakarzinom, bei denen es unter einer Hormontherapie (Androgen­deprivation) zu einem erneuten Anstieg des PSA-Wertes gekommen ist, die Entwicklung klinischer Metastasen verlangsamen, was in einer Nachbeobachtung der Zulassungs­studie zu einer Verminderung des Sterberisikos geführt hat, wie die im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2001342) publizierten Ergebnisse zeigen.

Wenn es nach einer Prostatektomie oder einer Radiotherapie zu einem Rezidiv gekom­men ist, wird bei den meisten Patienten eine Androgendeprivation mit Medikamenten durchgeführt, die die Produktion von Testosteron und anderen Androgenen im Hoden blockieren. Früher oder später kommt es allerdings zu einem erneuten Anstieg des PSA-Werts.

In dieser Situation kann eine Behandlung mit einem Antiandrogen häufig das Tumor­wachstum noch einmal stoppen. Die Mittel verhindern, dass die Androgene in den Tumorzellen an den Rezeptoren binden und dadurch das Krebswachstum fördern.

Zu den Antiandrogenen gehört Darolutamid. Es ist seit Mai diesen Jahres zugelassen zur Behandlung von Männern mit nicht-metastasiertem „kastrationsresistentem“ Prostata­karzinom, die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen haben.

Ausschlaggebend für die Zulassung waren die im letzten Jahr publizierten Ergebnisse der ARAMIS-Studie. An der Studie hatten in 36 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 1.509 Patienten teilgenommen, bei denen es unter der Hormontherapie zu einem erneuten Anstieg des PSA-Wertes gekommen war.

Wie das Team um Karim Fizazi vom Institut Gustave Roussy in Villejuif bei Paris im letzten Jahr berichtete, hat Darolutamid das mediane metastasenfreie Überleben auf 40,4 Monate gegenüber 18,4 Monaten in der Placebogruppe signifikant verlängert (was ausschlaggebend für die Zulassung war). Ein Überlebensvorteil konnte noch nicht nachgewiesen werden, weil das Prostatakarzinom extrem langsam wächst und von der Diagnose bis zum Tod viele Jahre vergehen können.

Um dennoch einen Einfluss auf das Sterberisiko nachzuweisen, haben Fizazi und Mitar­beiter die Patienten nach dem Ende der Studie weiter beobachtet. Obwohl mittlerweile auch die Patienten aus der früheren Placebogruppe mit Darolutamid behandelt werden (was den Unterschied zwischen den beiden Gruppen mit der Zeit verwischt), ist jetzt auch ein Vorteil im Gesamtüberleben nachweisbar.

Seit Beginn der Behandlung sind mittlerweile 29,0 Monate vergangen. Inzwischen sind 254 der 1.509 Teilnehmern gestorben. In der Darolutamidgruppe gab es unter 955 Patienten 148 Todesfälle (15 %) gegenüber 106 von 554 Patienten (19 %) In der (ehemaligen) in der Placebogruppe.

Fizazi ermittelt eine 3-Jahres-Überlebensrate von 83 % (95-%-Konfidenzintervall 80 bis 86 %) in der Darolutamidgruppe und von 77 % (72 bis 81 %) in der Placebogruppe. Das ergibt ein um 31 % signifikant vermindertes Sterberisiko (Hazard Ratio 0,69; 0,53 bis 0,88).

Auch in den sekundären Endpunkten waren Vorteile durch die Behandlung mit Daroluta­mid erkennbar. So verlängerte sich die Zeit bis zur Verschlechterung der Schmerzen von 25,4 auf 40,3 Monate (Hazard Ratio 0,65; 0,53 bis 0,79). Der Anteil der Patienten, die noch keine Chemotherapie benötigten, war mit 83 % gegenüber 75 % höher (Hazard Ratio für die Zeit bis zur Chemotherapie 0,58; 0,44 bis 0,76). Darolutamid hat auch die Zeit bis zum Auftreten von Knochenmetastasen verlängert (Hazard Ratio 0,48; 0,29 bis 0,82).

Die Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen, die häufig mit Antiandrogenen verbunden sind, einschließlich Stürzen, Anfällen, kognitiven Störungen und ein Anstieg des Blut­ducks, war laut Fizazi in beiden Gruppen ähnlich. Nur die Frakturrate war mit 3,4 gegenüber 3,2 pro 100 Patientenjahre in der Darolutamid etwas höher. © rme/aerzteblatt.de

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