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Ärzteschaft

Wie die Coronapandemie die urologische Versorgung verändert hat

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Die COVID-19-Pandemie hat Spuren in der Urologie hinterlassen. Das zeigen vier Studien, die beim Kongress der DGU in Stuttgart vorgestellt wurden. /Africa Studio, stockadobecom

Stuttgart – Die COVID-19-Pandemie hat weltweit die klinische Versorgung in der Urologie beeinflusst. Zu diesem Schluss kommt eine weltweite Umfrage, die Forschende von der Universitätsmedizin Mainz beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) vom 15. bis 18. September 2021 in Stuttgart präsentiert haben.

Weitere Kongress-Abstracts zeigten (DOI: 10.1007/s00120-021-01626-1): Auch andere Bereiche der Uro­logie haben sich durch SARS-CoV-2 verändert, wie etwa das Urolithiasismanagement, die Versorgung von Patienten mit metastasierter uro-onkologischer Erkrankung sowie die Ausbildung uro­logischer Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung.

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Von 235 befragten Urologen aus 44 Nationen – 23 aus Deutschland – gaben 93 % an, dass sich die klini­sche Versorgung auf Grund der Pandemie verändert hätte. In vielen Fällen wurden Operationen storniert: 44 % primäre, 23 % sekundäre und 20 % tertiäre (4-Stufiges-Eskalationsschema).

13 % führten nur noch Notfalleingriffe durch. Geringere Stornierungsraten hatten Operateure in der On­ko­logie zu verzeichnen. Hingegen verzichteten mehr als die Hälfte aufgrund der Pandemie auf (Neo)ad­juvante oder palliative Behandlungen.

Die Befragung führte das Mainzer Team über die Plattform www.surveymonkey.com durch. Twitter und Facebook dienten der Verbreitung. Eine Rücklaufquote ist daher nicht bekannt.

Weniger Fälle von Urolithiasis während des Lockdowns

Am Klinikum Nürnberg untersuchte ein Team um Jascha Ell und Sascha Pahernik die Versorgungssitua­tion von Patienten mit Harnsteinen vor und nach der Pandemie.

Die absolute Zahl der Patienten mit Ver­dacht auf eine symptomatische Urolithiasis sank während des Lockdowns (November 2020 bis Januar 2021) verglichen mit den beiden Monaten im Vorjahr: 314 versus 391 Patienten – stationär aufgenom­men wurden nur noch 63, während es in den Prä-Pandemiemonaten 86 Patienten waren.

Das mittlere Alter der Patienten sowie der Case-Mix-Index waren unverändert. Patienten mit Harnsteinen blieben am Klinikum Nürnberg während des Lockdowns jedoch länger auf der Station: 2,29 +/-2,3 Tage versus 3,1 +/-6,1 Tage.

Die Forschenden mussten zudem beobachten, dass ein signifikant höherer Patien­tenanteil länger als einen Tag stationär aufgenommen wurde und mehr Patienten lange Liegedauern hatten. Daraus schluss­folgern sie, dass es zwar weniger symptomatische Urolithiasis-Fälle gab, diese aber einen schwereren Verlauf hatten.

Operationen an Mund, Nase und Ohren stark zurückgegangen

Hannover – 2020 erfolgten in den Krankenhäusern in Deutschland zwölf Prozent weniger stationäre Operationen als im Vorjahr. Das berichtet die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) nach einer Auswertung von Versichertendaten. Am stärksten zurückgegangen sind danach Zahn- und Mandel-OPs (minus 27,6 Prozent), gefolgt von Eingriffen an Nase und Ohren (minus 26,5 beziehungsweise 24,7 Prozent). Den

Beeinträchtigte Versorgung bisher ohne Auswirkung auf Krebstherapie

In einem weiteren DGU-Abstract untersuchte ein Team um Julian Struck vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck in einer Multizenterstudie die Versorgungsrealität von Patienten mit me­tas­tasierter urologischer Erkrankung unter systemischer Krebstherapie.

Insgesamt wurden die Daten von 161 Uro-onkologischen Patienten an 5 Universitätskliniken ausgewer­tet. Bei etwa jedem 4. Patienten verschob sich die Laboruntersuchung, bei jedem 3. beeinträchtigte die Coronapandemie die Nachsorge. Am stärksten waren Patienten mit Urothelkarzinomen betroffen. Die on­kologische Therapie hätte sich dadurch jedoch bisher nicht relevant verändert, schlussfolgern die Auto­ren des Abstracts.

Die Auswirkungen der Pandemie in der urologischen Weiterbildung war Thema eines weiteren Kongress-Abstracts. Im Mai 2020 initiierte der Assistenzarzt Cem Aksoy vom Universitätsklinikum Dresden deutsch­landweit eien Onlineumfrage unter 50 Assistenzärztinnen und -ärzten in Weiterbildung. Etwa die Hälfte fühlte sich während der Coronapandemie in der Ausbildung deutlich eingeschränkt. Als Ursache dafür gaben sie beispielsweise weniger OP-Einsätze oder abgesagte Kongresse an.

Stärkster Rückgang bei Eingriffen an Mund, Nase und Ohren

Stärker von der Pandemie betroffen als urologische Eingriffe wa­ren jedoch andere Fachgebiete. Das zeigt eine Datenerhebung der KKH Kaufmännische Krankenkasse – eine der größten bundeswei­ten Krankenkassen mit mehr als 1,6 Millionen Versicherten: Die Zahl stationärer Operationen nahm bei Versicherten im ersten Coronajahr im Vergleich zu 2019 um 12 % ab.

Gestoppt wurden in der Regel Eingriffe, die verschiebbar waren. So gab es den stärksten Rückgang von 2019 auf 2020 bei Zahn- und Mandel-OPs (minus 27,6 %), gefolgt von Eingriffen an Nase und Ohren (minus 26,5 bzw. 24,7 %). Stationäre Operationen an Harn­or­ganen verzeichneten einen Rückgang um 7,8 %. Häufiger betroffen waren hingegen Eingriffe bei männ­lichen Geschlechtsorganen mit 17,6 %. © gie/aerzteblatt.de

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