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Medizin

Weltweit erste Urogenital-Trans­plantation mit Penis und Skrotum

Dienstag, 24. April 2018

/Devon Stuart for Johns Hopkins Medicine

Baltimore – Ein Team aus 9 plastischen Chirurgen hat Ende März in einer 14-stündigen Operation einem US-Soldaten, der bei einem Sprengstoffattentat schwerste Verletzungen im Bereich des unteren Beckens erlitten hatte, mit einem urogenitalen Transplantat versorgt, das Penis und Skrotum umfasste. Es handelt sich um die erste Operation dieser Art.

Das Department of Plastic and Reconstructive Surgery an der Johns Hopkins University in Baltimore hat sich auf die Versorgung von Kriegsverletzungen spezialisiert, die durch unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtungen („improvised explosive device, IED) ausgelöst werden. Dabei kommt es nicht nur zum Verlust von Extremi­täten, sondern häufig auch zu Weichteilverletzungen im Abdomen. In den Kriegen in Afghanistan und im Irak sollen mehr als 1.300 männliche Soldaten urogenitale Verletzungen erlitten haben, bei jedem dritten auch mit Beteiligung des Penis.

Vor 5 Jahren gelang es dem Team um Andrew Lee von der Johns Hopkins University, einem 4-fach Amputierten aus dem Irakkrieg 2 Arme zu transplantieren. Vor etwas mehr als 5 Monaten erhielt ein weiterer Soldat, der nach einem Anschlag in Afghanistan beide Oberarme unterhalb der Schulter verloren hatte, 2 neue obere Extremitäten. 

Vor 5 Jahren begann ein Team von plastischen Chirurgen, Urologen, Transplantations­spezialisten, Psychologen und Bioethikern mit den Vorbereitungen für die jetzige Urogenital-Transplantation. Die Chirurgen führten zunächst anatomische Studien durch, um die Blutversorgung von Penis und Hodensack besser zu verstehen. Dann wurde die Operation geplant und zunächst an Verstorbenen geübt.

Ende März wagte das Team dann die Operation. Das Transplantat bestand aus einem Teil der unteren Abdominalwand einschließlich von Penis und Skrotum. Die Hoden wurden, wie es heißt, aus ethischen Gründen nicht transplantiert. Es sollte vermieden werden, dass der Empfänger des Transplantates Kinder mit den Spermien des verstorbenen Organspenders zeugen würde – ob dies biologisch möglich gewesen wäre, spielte bei der Entscheidung eine untergeordnete Rolle.

Die Operation fand am 26. März statt. Das vaskularisierte Allotransplantat bestand aus Teilen der unteren Abdominalwand mit Haut, Muskeln und Sehnen, Nerven, Knochen und Blutgefäßen. Die Chirurgen mussten 3 Arterien, 4 Venen und 2 Nerven unter dem Mikroskop verbinden, um Blutversorgung und Innervation sicherzustellen.

Während die Blutversorgung gleich nach der Operation sichergestellt ist, müssen die Axone der verbundenen Nerven neu in das Transplantat einwachsen, was bei einer Wachstumsgeschwindigkeit von etwa 1 Zoll pro Monat noch einige Zeit dauern wird. 

Der Patient, der aus verständlichen Gründen anonym bleiben will, soll sich auf dem Weg der Besserung befinden. Die Ärzte hoffen, dass sich neben der Harnwegskontinenz auch seine sexuellen Funktionen erholen werden. Der Patient wird, wie nach Allotransplantationen üblich, lebenslang Immunsuppressiva einnehmen müssen. Die Forscher haben jedoch ein „Immunmodulationsprotokoll“ entwickelt, dass die Behandlung auf die Einnahme eines einzelnen Immunsuppressivums beschränken soll. Der Patient erhielt dazu eine Woche nach der Transplantation eine Infusion mit dem Knochenmark des Spenders. © rme/aerzteblatt.de

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