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Medizin

Prostatahyperplasie: Dutasterid und Finasterid erhöhen Diabetesrisiko

Montag, 15. April 2019

/yodiyim, stockadobecom

Edinburgh – Männer, die zur Behandlung einer benignen Prostatahyperplasie regelmäßig einen 5alpha-Reduktasehemmer (Dutasterid oder Finasterid) einnehmen, erkranken häufiger an einem Typ-2-Diabetes. Dies machen 2 Kohortenstudien aus Großbritannien und Taiwan deutlich, die im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 365: l1204) veröffentlicht wurden.

Der Verdacht, dass Dutasterid und Finasterid das Diabetesrisiko erhöhen, beruht auf endokrinologischen Überlegungen und Befunden: Die 5alpha-Reduktase verwandelt nämlich nicht nur Testosteron in seinen aktiven Metaboliten 5alpha-Dihydrotestosteron, der bei Männern im Alter die Prostata vergrößert. Das Enzym greift auch an anderer Stelle in den Stoffwechsel von Steroiden ein mit möglichen Auswirkungen auf die Insulinsensitivität – grob gesehen in Richtung Sinne eines Steroiddiabetes.

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Um die Auswirkungen von Dutasterid oder Finasterid auf das Diabetesrisiko zu klären, hat ein Team um Ruth Andrew von der Universität Edinburgh 2 Datenbanken aus weit auseinander liegenden Regionen ausgewertet.

Der „UK Clinical Practice Research Datalink“ hat Zugriff auf die Daten von 4,4 Millionen Hausarztpatienten in Großbritannien. Darunter waren knapp 70.000 Männer, die wegen einer benignen Prostatahyperplasie mit Dutasterid und Finasterid oder dem Alphablocker Tamsulosin behandelt wurden.

Tamsulosin blockiert die Bindungsstelle von Adrenalin/Noradrenalin in der glatten Muskulatur der Prostata und der Harnröhre. Es greift damit nicht in den Stoffwechsel der Steroide ein und gilt hinsichtlich des Glukosestoffwechsels als neutral. Die Männer, die mit Tamsulosin behandelt wurden, bildeten deshalb in der Studie die Kontrollgruppe.

Die Analyse auf der Basis von etwa 2.100 Erkrankungen in 5,2 Jahren ergab, dass tatsächlich mehr Männer, denen Dutasterid oder Finasterid verordnet wurde, an einem Typ-2-Diabetes erkrankten als Männer, die Tamsulosin eingenommen hatten. Die Inzidenzen betrugen 76,2 pro 10.000 Personenjahre für Dutasterid, 76,6 pro 10.000 Personenjahre für Finasterid und 60,3 pro 10.000 Personenjahre für Tamsulosin.

Andrew ermittelte eine Hazard Ratio von 1,32 für Dutasterid im Vergleich zu Tamsulosin, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,08 bis 1,61 statistisch signifikant war. Die Hazard Ratio für Finasterid betrug 1,26 (1,10 bis 1,45).

Die Untersuchung der „Taiwanese National Health Insurance Research Database", die die Daten aller Einwohner des Inselstaates verwaltet, bestätigte das Ergebnis. Die adjustierten Hazard-Ratios betrugen 1,34 (1,17-1,54) für Dutasterid und 1,49 (1,38-1,61) für Finasterid , wieder im Vergleich zu Tamsulosin.

Die nahezu identischen Ergebnisse aus 2 Ländern auf verschiedenen Kontinenten mit einer ethnisch unterschiedlichen Bevölkerung (Europäer, Han-Chinesen) sprechen dafür, dass den statistischen Assoziationen eine Kausalität zugrunde liegt.

Dutasterid und Finasterid reihen sich damit in eine längere Liste von Medikamenten ein, die das Diabetesrisiko erhöhen. Dazu gehören Hochdruckmedikamente (Betablocker), Lipid­senker (Statine), Psychopharmaka (typische und atypische Neuroleptika) antiretrovirale Wirkstoffe (Calcineurin-Inhibitoren) und natürlich auch Kortikoide.

Das absolute Risiko ist gering. Andrew schätzt, dass von 500 Männern, die über 20 Jahre mit Dutasterid oder Finasterid behandelt werden, 16 zusätzlich an einen Typ-2-Diabetes erkranken werden. Der Effekt liegt damit im Bereich der Statine, für die der Zusammenhang aber durch randomisierte klinische Studien besser belegt ist. © rme/aerzteblatt.de

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