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Medizin

Fournier-Gangrän: Potenziell tödliche Genitalinfektion unter Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren

Dienstag, 7. Mai 2019

/sima, stockadobecom

Silver Spring/Maryland – Der zuckersüße Harn, den Diabetiker nach der Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren ausscheiden, lockt Bakterien an. Eine wenn auch seltene Folge ist eine Fournier-Gangrän, wie die Auswertung von Einzelfällen an die US-Arzneimittelbehörde FDA in den Annals of Internal Medicine (2019; doi: 10.7326/M19-0085) zeigt.

Die Gewebsnekrose, die nach dem französischen Dermatologen Jean Alfred Fournier (1832-1915) benannt ist, entsteht im Bereich des Perineums. Die Bakterien dringen vermutlich über kleine Verletzungen in die Weichteile ein, wo sie sich begünstigt durch die verminderte Abwehrlage bei Diabetikern rasch in Richtung Enddarm, äußerem Genital oder Beine ausbreiten.

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Von den 55 Fällen, die dem FAERS-Portal („FDA Adverse Event Reporting System“) gemeldet wurden und die durch FDA-Mitarbeiter bestätigt werden konnten, endeten 3 Infektionen tödlich. Bei 8 Patienten kam es zu einer diabetischen Ketoazidose, bei 9 Patienten zu einem septischen Schock, bei 8 zu einer akuten Nierenschädigung.

Bei 8 Patienten musste ein künstlicher Darmausgang gelegt werden, 2 Patienten musste ein Bein amputiert werden, weil die nekrotisierende Fasziitis anders nicht mehr zu beherrschen war. Ein weiterer Patient erhielt einen Gefäßbypass, nachdem einzelne Zehen abgestorben waren.

Die FDA-Mitarbeiter sind sicher, dass die Infektion durch die Einnahme von SGLT2-Inhibitoren begünstigt wurde. Die Mittel senken den Blutzucker, indem sie die Nierenschwelle für Glukose herabsetzen. Der Zucker wird über den Harn ausgeschieden, was die Proliferation von Bakterien fördert.

Eine Fournier-Gangrän wurde in der Vergangenheit auch mit anderen Antidiabetika in Verbindung gebracht. Das Risiko scheint jedoch deutlich geringer zu sein. Der FDA wurden zwischen 1984 und 2019 nur insgesamt 19 Fälle gemeldet. Das ist deutlich weniger als mit SGLT2-Inhibitoren, deren Anteil an den Verordnungen derzeit noch gering ist. Klinische Studien haben jedoch gezeigt, dass SGLT2-Inhibitoren das kardiovaskuläre Sterberisiko senken und vermutlich auch das Fortschreiten eines Nierenversagens verzögern. Dieser Zusatznutzen dürfte in Zukunft zu einem Anstieg der Verordnungen von SGLT2-Inhibitoren führen. Damit könnte auch die Zahl der schweren Komplikationen steigen.

© rme/aerzteblatt.de

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