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Medizin

Rückgang schwerer Infektionen macht Screening von Schwangeren weniger sinnvoll

Donnerstag, 26. September 2019

/adobe.stock.com
Washington–Die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF), die für die Regierung Empfehlungen zur Krankheitsprävention erarbeitet, hält in ihren jüngsten Empfehlungen im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 322: 1188-1194) am Bak­teriurie-Screening von Schwangeren fest, senkt allerdings den Empfehlungsgrad von A auf B. Als Grund wird die stark zurückgegangene Zahl von Pyelonephritiden genannt, denen durch das Screening und die anschließende Antibiotika-Behandlung vorgebeugt werden soll.

Das Screening von Schwangeren auf Bakterien im Urin hat eine längere Tradition. Die Tests wurden eingeführt, weil eine Bakteriurie in der Schwangerschaft häufig ist. Bei bis zu 10 % der Schwangeren sind Bakterien im Urin nachweisbar. Früher kam es infolge aufsteigender Infektionen häufiger zu einer Pyelonephritis, zu deren Komplikationen Septikämie, Atemnot, niedriges Geburtsgewicht und eine spontane Frühgeburt gehören.

Eine rechtzeitige Antibiotika-Behandlung kann dies verhindern. Die USPSTF verweist in ihrem Evidenzreport auf 12Studien, in denen die Früherkennung und Behandlung von asymptomatischen Bakteriurien während der Schwangerschaft die Häufigkeit von Pyelonephritiden um 76 % gesenkt hat (Risk Ratio 0,24; 95-%-Konfidenzintervall 0,14-0,40). In 7Studien wurde auch das Risiko auf ein niedriges Geburtsgewicht um 36 % gesenkt (Risk Ratio 0,64; 0,46-0,90).

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Unklarer Rückgang derPyelonephritis

Bis auf 2wurden alle Studien in den 1960er oder 1970er Jahren veröffentlicht. Damals war die Pyelonephritis deutlich häufiger als heute. In 2der älteren Studien erkrankten 33 % und 36 % der Frauen in den Kontrollgruppen. In den beiden jüngsten Studien aus den Jahren 1987 (Irland) und 2015 (Niederlande) lag die Erkrankungshäufigkeit in den Kontrollgruppen nur noch bei 2,2 und 2,5 %. Die Gründe für den Rückgang sind nicht klar. Der Gesund­heitszustand der Bevölkerung könnte sich verbessert haben, die Diagnosekriterien könnten strikter sein. Es ist auch denkbar, dass sich die Pathogenität der Erreger verändert hat.

Die niedrigere Hintergrund-Rate bedeutet, dass der Nutzen einer prophylaktischen Antibiotika-Behandlung geringer geworden ist. Die USPSTF trägt dem Rechnung, indem sie die Empfehlung vom Grad A (substanzieller Nutzen) auf Grad B (mäßiger Nutzen) zurückstuft.

Auf die Kritik am Screening geht die USPSTF nicht ein. Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Gründen für den Einsatz von Antibiotika, der für die Ausbreitung von Resistenzen mit verantwortlich gemacht wird. Eine prophylaktische Behandlung von Schwangeren ohne Krankheitszeichen wird deshalb nicht mehr für opportun gehalten. Dass die Therapie der asymptomatischen Bakteriurie den Frauen schadet, dafür hat das Team um Jillian Henderson vom Center for Health Research des Versicherers Kaiser Permanente Northwest in Portland jedoch in den vorliegenden Studien keine Hinweise gefunden, weshalb es bei der Empfehlung zum Screening bleibt.

S3-Leitlinie empfiehlt Screening von Risikopatientinnen

In Deutschland hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen im Jahre 2015 den Nutzen des Bak­teriurie-Screenings bezweifelt. Eine interdisziplinäre S3 Leitlinie der ärztlichen Fachgesellschaften hält ein Screening von Risikopatientinnen (Zustand nach Frühgeburt oder Fehlgeburt) für sinnvoll. Bei Schwangeren mit einer Niedrig-Risiko-Schwangerschaft sollte eine asymptomatische Bakteriurie dagegen nicht behandelt werden. © rme/aerzteblatt.de

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