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Medizin

Neuer Cochrane-Report: Behandlungsansätze für Kinder mit Tages-Harn­inkontinenz

Montag, 11. November 2019

/Anchalee, stock.adobe.com

Freiburg – Viele Kinder leiden unter Harninkontinenz im Verlauf des Tages, auch nach­dem sie grundsätzlich trocken geworden sind. Dies könne zu emotionalem Stress, Schwie­rig­keiten beim Schulbesuch, schlechten Leistungen, Schwierigkeiten mit sozialen Aktivitäten und Freundschaften sowie Depressionen und Verhaltensproblemen führen, schreiben Autoren eines neuen Cochrane Reports zum Thema. Die Suche nach einer wirksamen Behandlung kann die Lebensqualität von Kindern und ihren Betreuern ver­bessern, berichtet die Arbeitsgruppe um Brian Buckley (DOI: 10.1002/14651858.CD012367.pub2).

In ihrem Bericht haben die Forscher die Ergebnisse von Studien zu nicht-medikamentö­sen und nicht-chirurgischen Behandlungsoptionen der Tages-Harninkontinenz bei Kin­dern zusammengetragen.

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Bei ihrer Recherche fanden die Forscher 27 Studien mit 1.803 Kindern. „Die meisten der für diese Überprüfung identifizierten Studien waren klein und viele waren schlecht kon­zipiert und nicht eindeutig berichtet. Die meisten Beweise wurden als sehr unsicher ein­gestuft, was bedeutet, dass wenig mit Sicherheit über die Wirksamkeit von Behandlungen gesagt werden kann“, schreiben sie.

Ergebnisse: Die schwache Studienlage führt laut den Autoren dazu, dass es wenig Evidenz zu nicht-medikamentösen und nicht-chirurgischen Behandlungsoptionen der Tages-Harnin­kon­tinenz bei Kindern gibt. Immerhin: „Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) kann effektiver sein als keine Behandlung zur Beendigung oder Reduzierung der Tagesbenetzung“, schreiben sie.

Bei vielen anderen Interventionen ist der Nutzen laut den Autoren aber unklar: „Wir sind unsicher, ob Beckenbodenmuskeltraining (PFMT) oder TENS effektiver sind als Anticho­linergika, also als Medikamente, die Signale aus dem Gehirn reduzieren können, die dazu führen, dass sich die Blase zusammenzieht und entleert“, schreiben sie.

Auch die Kombi­nation verschiedener Verfahren mit einer sogenannten Urotherapie werfe Fragen auf. Mit „Urotherapie“ sind Verhaltensprogramme gemeint, in denen Kindern und manchmal auch Betreuern die Funktionsweise der Blase, geplante Toilettengänge und Trinkverhalten vermittelt wird.

„Wir sind zudem unsicher, ob Feedback, das Kindern zeigt, wie ihre Muskeln arbeiten oder wie sich ihre Blase entleert, die Wirksamkeit von TENS mit Urotherapie im Vergleich zu PFMT plus Feedback und Urotherapie verbessert. Wir sind uns auch nicht sicher, ob PFMT und Urotherapie plus Feedback die Wirksamkeit der PFMT und Urotherapie allein verbes­sert“, so die Autoren.

„Es fehlt an qualitativ hochwertigen Forschungsergebnissen, die Kindern, ihren Betreuern sowie Ärzten und Krankenschwestern helfen können, Entscheidungen über Behandlungen zu treffen. Gut durchdachte Forschungen können dringend benötigte Erkenntnisse über die Wirksamkeit vielversprechender Interventionen bei Kindern mit tageszeitlicher Harninkon­tinenz liefern, wie TENS, PFMT und Timer auf Uhren (oder Mobiltelefonen), um Kinder an Toilettenpläne zu erinnern“, so die Cochrane-Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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