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Medizin

Behandlungskonzept bei lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom

Mittwoch, 17. März 2021

Pankreaskarzinom /Kateryna_Kon stock.adobe.com

Würzburg – Ein neues Vorgehen bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs haben Ärzte um Volker Kunzmann und Christoph Germer vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) nach einer klinischen Studie entwickelt: Sie konnten darin klären, mit welchem Chemotherapieschema die Patienten behandelt werden sollten, um den Tumor auf ein operables Maß zu verkleinern. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift The Lancet Gastroenterology & Hepatology erschienen (DOI: 10.1016/S2468-1253(20)30330-7).

Das Pankreaskarzinom gehört zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose. Als einzige Therapieoption mit Heilungsaussichten gilt bislang die komplette chirurgische Entfernung des Tumors. Da die Krankheit in frühen Stadien kaum Symptome verursacht, ist das Karzinom bei der Erstdiagnose dafür allerdings häufig schon zu weit fortgeschritten.

„Es kann daher sinnvoll sein, zunächst eine möglichst effektive medikamentöse Vorbehandlung in Form einer Chemotherapie anzuwenden, die den Tumor verkleinert, um ihn dann zu einem späteren Zeitpunkt doch noch chirurgisch entfernen zu können“, berichtet Kunzmann, Leiter des Schwerpunkts Medizinische Onkologie an der Medizinischen Klinik II des UKW.

Bislang war aber noch nicht klar, welche der zur Verfügung stehenden Chemotherapeutika – beziehungs­weise welche Kombination aus diesen – die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Operation schafft.

Die Wissenschaftler initiierten daher die sogenannte NEOLAP-Studie. Sie dauerte von November 2014 bis April 2018, insgesamt 28 Krebszentren in Deutschland beteiligten sich daran.

In der Studie erhielten 165 Patienten mit unbehandeltem, nichtoperablen Pankreaskarzinom zunächst 2 Monate eine Chemotherapiekombination bestehend aus Gemcitabin und nab-Paclitaxel. Blieben Pro­gress oder Unverträglichkeit aus, spaltete sich die weitere Behandlung randomisiert in 2 unterschiedliche Arme auf: Eine Patientengruppe erhielt 2 weitere Monate lang Gemcitabin und nab-Paclitaxel, die andere 2 Monate ein Schema namens „Folfirinox“.

Folfirinox ist ein intensives Chemotherapieschema, das 3 Wirkstoffe kombiniert: 5-Fluorouracil, Irinotecan und Oxaliplatin.

Anschließend wurden alle Patienten operiert – auch dies ein Novum: Ob ein solcher Tumor entfernbar ist oder nicht, entschieden die Chirurgen bislang anhand von bildgebenden Verfahren. Im Rahmen der Studie wurden aber systematisch auch Patienten operiert, die unter Umständen nur minimal auf die Chemotherapie angesprochen hatten und bei denen die Bildbefunde nach wie vor nicht für eine chirur­gische Entfernung des Tumors sprachen.

„Während der Operation zeigte sich, dass bei vielen dieser vorbehandelten Patienten der jeweilige Tumor soweit geschrumpft oder in Narbengewebe umgewandelt war, dass er sicher von den lebensnotwen­digen Gefäßen gelöst und komplett entfernt werden konnte“, berichtet Germer.

Im Arm der mit Gemcitabin und nab-Paclitaxel vorbehandelten Patienten war bei 36 % der Patienten eine vollständige Resektion des Tumors möglich, im sequentiellen Folfirinox-Arm bei 44 %. Bei den anderen Patienten wurde der Eingriff als inoperabel frühzeitig beendet.

„Zusammenfassend bedeutet das, dass wir rund 1/3 der Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreas­karzinom eine kurative Behandlungsoption anbieten konnten, die ansonsten nur noch palliativ therapiert worden wären“, so Kunzmann. Die Chemotherapieschemata der beiden Armen zeigten bei der Wirksam­keit für die Vorbereitung der Operation dabei keine signifikanten Unterschiede.

„Die behandelnden Ärzte können sich also in Abhängigkeit von der individuellen Verträglichkeit für den Patienten für einen der vorgeschlagenen Vorbehandlungswege entscheiden“, sagte er. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #822673
schuerch
am Montag, 5. April 2021, 06:59

Interessante Studie - falsch Zusammengefasst

"Anschließend wurden alle Patienten operiert" Nein. Eine chirurgische Exploration erfolgte in 63% bzw. 64% der Patienten. "Surgical exploration after completed induction chemotherapy was done in 40 (63%) of 64 patients in the nab- paclitaxel plus gemcitabine group and 42 (64%) of 66 patients in the sequential FOLFIRINOX group." Ich empfehle, die Studie (oder zumindest das Abstract) etwas genauer zu lesen.
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