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Medizin

Prostatakarzinom: 80 % der Patienten mit Fernmetastasen sterben an Krebs

Samstag, 4. September 2021

Prostatakarzinom, Mikroaufnahme Vergrößerung 160:1/ picture alliance, Dr.Gary Gaugler, OKAPIA

Houston - Die weit verbreitete Ansicht, dass die meisten Patienten mit Prostatakarzinom nicht an ihren Krebs sterben, mag für das Frühstadium der Erkrankung zutreffen. Wenn der Krebs erst einmal in andere Organe gestreut hat, sind die Überlebenszeiten auch für jüngere Patienten in der Regel kurz, wie eine Analyse des US-Krebsregisters SEER in JAMA Network Open (2021; 4: e2119568) zeigt.

Das Prostatakarzinom ist ein langsam wachsender Tumor, weshalb die Überlebenszeiten im Frühstadium ungewöhnlich lang sind. Eine kürzlich von den US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) veröffentlichte Analyse ergab, dass die 10-Jahres-Überlebensrate im Frühstadium praktisch bei 100 % liegt. Auch bei einer Ausbreitung in die regionären Lymphknoten überleben mehr als 90 % der Patienten 10 Jahre oder länger. Bei einem hochbetagten Mann stellt sich deshalb die Frage, ob der Tumor sofort behandelt werden sollte, oder ob eine abwartende Haltung die Lebensqualität des Patienten länger erhalten könnte.

Die vom CDC-Mitarbeiter David Siegel in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2020; 69; 1473-1480) veröffentlichten Zahlen zeigen jedoch, dass die Bildung von Fernmetastasen ein Wendepunkt in der Prognose der Patienten ist. Die 5-Jahres-Überlebensrate sinkt dann auf etwa 30 %, nach 10 Jahren lebt nur noch etwa jeder 5. Patient. Ein Team um Omar Alhalabi vom MD Anderson Cancer Center in Houston hat jetzt die Todesursachen von Patienten mit einem fernmetastasierten Prostatakarzinom analysiert. Grundlage bildeten die Daten des Krebsregisters SEER ("Surveillance, Epidemiology, and End Results“), das etwa ein Viertel aller Krebserkrankungen in den USA erfasst.

Die Ergebnisse bestätigen die Daten der CDC: Insgesamt 9.869 von 16.732 Patienten, also mehr als die Hälfte, starben innerhalb von 2 Jahren nach der Diagnose des metastasierten Prostatakarzinoms. Die Todesursache war bei 13.011 Patienten (77,8 %) der Prostatakrebs. Weitere 924 Patienten (5,5 %) starben an anderen Tumoren, was nicht ungewöhnlich ist, da Patienten mit Prostatakarzinom ein erhöhtes Risiko auf andere Krebserkrankungen haben wie Lungen-, Darm- oder auch Schilddrüsenkrebs. Ungewöhnlich häufig waren jedoch auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Für diese 3 Gruppen lag die Mortalität höher als bei gleichaltrigen Amerikanern ohne Prostatakarzinom. Alhalabi ermittelt eine standardisierte Mortalitätsrate (SMR) von 1,34 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, von 1,31 für zerebrovaskuläre Erkrankungen und von 1,19 für die COPD. Eine mögliche Erklärung sind die Nebenwirkungen der Hormontherapie, die heute beim metastasierten Prostatakarzinom zum Standard gehören. Am höchsten war die SMR mit 2,97 jedoch für Suizide. Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom nehmen sich fast 3 Mal so häufig das Leben wie andere Männer im gleichen Alter. Die Zahl der Suizide war mit 54 zwar insgesamt gering, sie zeigt jedoch, dass die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium den palliativen Bedürfnissen der Patienten nicht immer gerecht wird. © rme/aerzteblatt.de

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