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Medizin

Nicht jede sportliche Aktivität verbessert die Spermienqualität

Dienstag, 6. Dezember 2016

/ Thommy Weiss pixelio.de

Urmia – Bewegungsarme Männer können Anzahl und Beweglichkeit ihrer Spermien verbessern, indem sie sich regelmäßig sportlich betätigen. Aber nicht jede körperliche Betätigung wirkt gleich gut. Am besten hilft moderates kontinuierliches Training (MICT), etwas schlechter intensives kontinuierliches Training (HICT) und am wenigsten geeignet scheint intensives Intervalltraining (HIIT). Zu diesem Ergebnis kommen Forscher aus dem Iran in einer Studie, die heute in Reproduction erschienen ist (2016, DOI: 10.1530/REP-16-0318).

Training über 24 Wochen

  • Moderate intensity continuous training (MICT)
    30 bis 55 Min. Laufband an 3 bis 4 Tagen pro Woche /45–55% of VO2max
  • High intensity continuous training (HICT)
    1:30 h Laufband (10 Minuten schnelles Joggen/70–75% of VO2max) abwechselnd mit 3 Min leichtes Joggen/50–60% of VO2max) an 3 bis 4 Tagen pro Woche
  • High intensity interval training (HIIT)
    1 Min Sprint auf dem Laufband/75–85% of VO2max, 1 Min Erholung/45–50% of VO2max, das Ganze 10 bis 15 mal wiederholen
  • Non exercise (Non-Ex)

Frühere Studien konnten bereits zeigen, dass intensiver Ausdauersport die Spermienqualität verschlechtert. Dieses Resultat bestätigt die aktuelle Studie nicht. Die Spermienqualität verbesserte sich in allen drei Sportgruppen im Vergleich zur Kontrollgruppe, die keinerlei Sport trieb. Insgesamt haben die Forscher um Behzad Hajizadeh Maleki von der Urmia University 261 Männer untersucht, die sie zuvor randomisiert in drei Gruppen aufgeteilt hatten: 1) MICT 2) HICT 3) HIIT (siehe Kasten).

Am deutlichsten verbesserte sich die Spermienqualität der Männer, die sich moderat sportlich betätigt hatten (MICT) im Vergleich zur Kontrollgruppe:

  • 8,3% höheres Volumen der Spermienflüssigkeit
  • 12,4% höhere Spermienbeweglichkeit
  • 17,1% bessere Morphologie
  • 14,1% höhere Sperminkonzentration pro Milliliter

Schon eine Woche nachdem die Teilnehmer das regelmäßige Training eingestellt hatten, sank auch die Spermienkonzentration wieder auf ihren Ausgangswert. Etwas länger, 30 Tage, blieb die Beweglichkeit erhalten.

Alle Teilnehmer waren zwischen 25 und 40 Jahren alt, verheiratet, hatten in den letzten sechs Monaten weder geraucht noch Alkohol konsumiert und waren rund um gesund. Ihre Spermienqualität entsprach der Norm, was nach dem Standard der Weltgesund­heit­sorganisation folgendes bedeutet: Erst ab einer Spermienkonzentration von 15.000.000 Spermien/ml gelten die Zellen als unzureichend, die Spermienbeweglichkeit beträgt mindestens 32 % und die Spermienmorphologie mindestens 4 %. Männer, die in ihrem Alltag bereits mehrmals die Woche mindestens 25 Minuten aktiv waren, wurden ebenfalls von der Studie ausgeschlossen. In einem nächsten Schritt wollen die Forscher aus dem Iran untersuchen, ob das Training auch die Fruchtbarkeit verbessert.

Jedem dritten Paar bereitet der Kinderwunsch aufgrund geringer Spermienqualität Schwierigkeiten. Auch bei einer In-Vitro-Fertilisation erhöhen diese Spermien das Risiko einer Fehlgeburt, Geburtsschäden oder Krebs in jungen Jahren. „Zwar können nicht alle Männer Fruchtbarkeitsproblemen mit einem angepassten Lebensstil begegnen”, räumt Hajizadeh Maleki ein.

Dennoch sei körperliches moderates Training eine einfache und günstige Strategie, die einigen bewegungsarmen Männern helfen könne. Die Autoren sind sogar der Ansicht, dass MICT sich noch mehr als die Gewichtsabnahme, auf die Spermienqualität auswirkt. Denn die Keimdrüsen waren weniger Entzündungsfaktoren und oxidativen Stress ausgesetzt. © gie/aerzteblatt.de

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