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Blasenkrebs: Postoperative intravesikale Instillation reduziert Rezidivrisiko

Dienstag, 15. Mai 2018

Blasenkrebs/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com
/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Ann Arbor – Das Spülen der Blase mit einem Chemotherapeutikum unmittelbar nach der Operation reduziert das Rezidivrisiko für Blasenkrebs. Zu diesem Ergebnis kommt eine Phase-III-Studie, die Forscher um Edward Messing vom nationalen Krebsinstitut SWOG in JAMA publiziert haben (2018; doi: 10.1001/jama.2018.4657). Frühere Studien stehen diesem Outcome entgegen.

Das SWOG-Team führte die randomisierte, doppelblinde klinische Studie mit 406 Blasenkrebspatienten in 23 Krebszentren durch. Chirurgen entfernten das Krebs­gewebe mittels transurethraler Resektion (TURBT). Die Hälfte der Patienten erhielt das Chemotherapeutikum Gemcitabin (2 g), gemischt mit 100 ml Kochsalzlösung, das innerhalb von drei Stunden nach der Operation per Katheter in den Blasenbereich verabreicht wurde (intravesikale Instillation). Die zweite Hälfte der Patienten erhielt die Kochsalzlösung ohne Chemotherapeutikum.

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In der Gemcitabin-Gruppe erlitten 67 von 201 Patienten innerhalb von 4 Jahren ein Rezidiv (35 %), in der Kontrollgruppe waren es 91 von 205 Patienten (47 %) (Hazard Ratio, 0,66; 95% CI 0,48-0,90; P <0,001). Noch deutlicher war das Ergebnis für die Untergruppe mit wenig aggressivem, nichtmuskelinvasivem Urothelkarzinom (low grade, n = 215). Von 102 Patienten hatten 34 % in der Gemcitabin-Gruppe und 54 % in der Kochsalzlösung-Gruppe ein Krebsrezidiv (Hazard Ratio, 0,53; 95% CI, 0,35-0,81; P = 0,001). Zur Muskelinvasion kam es innerhalb von 4 Jahren nach TURBT bei 15 Patienten – 5 in der Gemcitabin-Gruppe und 10 in der Kontrollgruppe (P = 0,22).

Schon frühere randomisierte Studien haben gezeigt, dass eine einzige postoperative intravesikale Instillation mit verschiedenen Chemotherapeutika, einschließlich Mitomycin C und Epirubicin, das Risiko eines erneuten Auftretens von niedriggradigen nichtmuskelinvasiven Urothelkarzinomen nach TURBT reduziert. Die Autoren der Studie kritisieren jedoch, dass diese adjuvante Therapie trotz überzeugender klinischer Studien und Leitlinienempfehlungen, in den USA eher selten angewendet wird (Journal of Urology 2012).

„Wir haben jetzt ein leicht verfügbares und preiswertes Medikament, das gut verträglich und wirksam ist“, sagte Messing. Eines der größten Probleme bei Harnblasenkarzinomen sei die hohe Rezidivrate. Einige Patienten müssten sich vier Operationen pro Jahr unterziehen. In weiteren Studien müssen nun verschiedene Chemotherapeutika auf ihre Wirksamkeit verglichen werden.

Deutsche S3-Leitlinie gibt „Kann-Empfehlung“ für Frühinstillation

In Deutschland wurde bereits vor 10 Jahren eine vergleichbare Phase-III-Studie mit ähnlichen Patientenzahlen und gleicher Gemcitabine-Dosis durchgeführt. Hier konnten die Forscher keinen Vorteil für Gemcitabine gegenüber Kochsalz nachweisen (European Urology 2009).

Dennoch würde die Frühinstillation in Deutschland deutlich häufiger eingesetzt als in den USA, ist Christian Bolenz, Klinikdirektor Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Ulm überzeugt. „Von einem inkonsequenten Einsatz kann meiner Wahrnehmung nach nicht gesprochen werden. Wir verwenden fast ausschließlich Mitomycin C als intrakavitäres Chemotherapeutikum in der Harnblase“, sagte der Experte der Deutschen Gesellschaft für Urologie dem Deutschen Ärzteblatt.

Es sollte innerhalb von 24 Stunden nach der transurethralen Resektion eines Harnblasenkarzinoms instilliert werden und könne nachweislich die Rezidivrate senken, in ähnlichem Ausmaß wie Gemcitabine in der aktuellen JAMA-Studie.

Die deutsche S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom empfiehlt die Frühinstillation als „Kann-Empfehlung“. „Es besteht jedoch ein starker Konsens darüber, dass die Frühinstillation wirksam ist, was sich auch in einem entsprechend hohem Evidenzlevel der verfügbaren Studien zeigt“, sagte Bolenz. © gie/aerzteblatt.de

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