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Orale Antibiotika könnten Nierensteine auslösen

Montag, 14. Mai 2018

/decade3d, stockadobecom

Philadelphia – Ist die häufige Verordnung von Antibiotika in der Pädiatrie verant­wortlich für die Zunahme von Nierensteinen bei Teenagern? Eine Fall-Kontroll-Studie im Journal of the American Society of Nephrology (JASN 2018; doi: 10.2215/ASN.2017111213) findet für 5 häufig eingesetzte Antibiotikaklassen erhöhte Odds Ratios.

Nierensteine, die in der Vergangenheit eine Erkrankung im mittleren Lebensalter waren, werden zunehmend auch bei Teenagern und sogar bei Kindern diagnostiziert. Laut einer aktuellen Studie aus Island ist die Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen seit 1995 von 3,7 auf 11,0 pro 100.000 gestiegen, bei den weiblichen Teenagern sogar von 9,8 auf 39,2 pro 100.000 (Pediatric Nephrology 2018; doi: 10.1007/s00467-018-3947-x).

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Die Ursache hierfür ist bisher nicht bekannt. Der Urologe Gregory Tasian von der Kinderklinik in Philadelphia vermutet, dass die häufige Verordnung von oralen Antibiotika eine Rolle spielen könnte. Orale Antibiotika werden in der Pädiatrie zur Behandlung von Atemwegserkrankungen eingesetzt. Die Verordnung erfolgt häufig empirisch ohne den Nachweis einer bakteriellen Genese. Dies wird von Mikrobiologen seit Längerem kritisiert, weil es die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen fördern könnte.

Nierensteine könnten eine weitere Konsequenz sein. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass der häufige Einsatz von Antibiotika zu einer Veränderung der Darmflora führt. Dabei kommt es unter anderem zu einem Rückgang von Oxalobacter formigenes, einem erst 1985 im Darm entdeckten Bakterium, das Oxalsäure abbaut. Nach der Einnahme von Antibiotika könnte es zu einer vermehrten Resorption von Oxalsäure kommen, das Bestandteil von Kalziumoxalat ist, aus dem die meisten Nierensteine beim Menschen bestehen.

Tasian kann seine Hypothese jetzt durch eine Auswertung des Health Improvement Network (HTN) erhärten. Das HTN speicherte in den Jahren 1994 bis 2015 die elektronischen Krankenakten von mehr als 13 Millionen britischen Hausarztpatienten. Darunter waren auch 25.891 Patienten mit einer Nierensteinen. Tasian stellte sie 259.797 Kontrollen gleichen Alters und Geschlechts gegenüber, die an denselben Arztpraxen behandelt wurden. Mit statistischen Methoden wurde auch die Häufigkeit von Arztbesuchen, Komorbiditäten, Harnwegsinfektionen sowie die Verwendung von Thiazid- und Schleifendiuretika, Protonenpumpenhemmern und Statinen berück­sichtigt.

Ergebnis: 3 bis 12 Monate nach der Verordnung von 5 verschiedenen Antibiotika­klassen kam es deutlich häufiger zu Nierensteinen. Tasian ermittelt eine Odds Ratio von 2,33 (95-%-Konfidenzintervall 2,19 bis 2,48) für orale Sulfonamide, von 1,88 (1,75–2,01) für Cephalosporine, von 1,67 (1,54–1,81) für Fluorchinolone, von 1,70 (1,55–1,88) für Nitrofurantoin/Methenamin und von 1,27 (1,18–1,36) für Breitspektrumpenicilline.

Die Zahlen beziehen sich auf alle Altersgruppen. Das relative Risiko war jedoch bei Kindern am höchsten. Es nahm mit zunehmenden Abstand von der Verordnung langsam ab, es war jedoch noch 3 bis 5 Jahre später erhöht.

Die Ergebnisse der Studie sind nicht beweisend. Die zeitliche Assoziation ist jedoch ein Indiz dafür, dass die Störung der Darmflora nach der Behandlung mit oralen Antibiotika die Bildung von Nierensteinen fördern könnte. Wie immer muss dieses Risiko mit dem Nutzen und häufig auch der Notwendigkeit einer Antibiotikabehandlung abgewogen werden. Für Tasian ist die Assoziation jedoch ein (weiteres) Argument dafür, auf den unkritischen Einsatz von Antibiotika bei Kindern zu verzichten. © rme/aerzteblatt.de

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