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Avatar #99598
am Dienstag, 7. Dezember 2010 um 19:50

Uralte Kamellen - aber dafür schlecht verpackt!

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Depression: Buddhistische Meditation kann Rezidiven vorbeugen
vom Dienstag, 7. Dezember 2010
Seit Professor Jon Kabat-Zinn die »Praxis der Achtsamkeit« im klinischen Maßstab eingeführt hat, hat sich diese Methode international bewährt, auch bei Depressionen.
Bis jetzt hat aber niemand behauptet, dass die »Praxis der Achtsamkeit« als alleinige therapeutische Methode angewendet werden kann und alle andere Maßnahmen ersetzen könnte. In dem Artikel sieht es so aus, als hätte dies nun "endlich" jemand versucht - und musste natürlich scheitern.
Ich habe selbst an mir und meinen Mitpatienten in der Psychosomatischen Klinik Bad Grönenbach erlebt, dass die »Praxis der Achtsamkeit« als Ergänzung zur Psychotherapie hervorragend wirksam war.

Es geht dabei nicht um das, was im Artikel beschrieben wurde, sondern darum, dass es bedrückende Lebensumstände im Sinne von "Sachzwängen" gibt, die man nicht ändern kann und daher hinnehmen muss. Ein depressiver Mensch neigt dazu, diese Sachzwänge zu einer depressiven Beweisführung zu benutzen und sich auf diese destruktiv zu fokussieren. Das Prinzip der »Praxis der Achtsamkeit« wirkt dagegen, indem man erlernt, eine beobachtende und nicht wertende Grundhaltung einzunehmen und so den nötigen Abstand zu gewinnen für eine objektive Betrachtung der Dinge. Es ähnelt also ein wenig der kognitiven Verhaltenstherapie nach Aaron Beck. Wirklich seriöse Information dazu findet man hier: http://www.arbor-verlag.de/der-achtsame-weg-durch-die-depression

»Praxis der Achtsamkeit« als Alternativ-Methode zu allen anderen Therapieformen bei Depression einzusetzen, halte ich für absurd. Sie als Alternative zur medikamentösen "Behandlung" einzusetzen, halte ich für völlig fragwürdig, weil bereits der Einsatz von Psychopharmaka zur Behandlung von Depressionen nachweisbar fragwürdig ist: http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0505_c.php3
Und wer es gerne aktuell haben möchte, beachte auch die Studie des IQWIG: 2009 Nr. 68 »Bupropion, Mirtazapin, Reboxetin bei der Behandlung von Depression«. Wer genau in den 717 Seiten nachliest, findet dass gegenüber Placebos keine eindeutigen Wirkungsvorteile bestehen!

Hierzu möchte ich noch anmerken:
Nur die stets hoch-interessierte Pharma-Industrie und die Psychiatrie bleibt felsenfest bei ihrer Meinung, wonach Depressionen angeblich durch gestörte Gleichgewichte bei den Neurotransmittern / Botenstoffen entstehen. Niemand hat dies bisher nachgewiesen, denn genau so gut gilt die Behauptung, dass diese gestörten Gleichgewichte erst durch die Depression hervorgerufen werden.
Dennoch wird bei offensichtlich unzureichendem Nutzeffekt akzeptiert, dass die extremen Nebenwirkungen der Antidepressiva Menschen dauerhaft schädigen oder sogar töten!
Leider hat weder unser Gesundheitswesen Interesse daran, den Einsatz zu stoppen oder zu verringern, weil Medikamente helfen, Psychotherapie zu verdrängen und so Einsparungen ermöglichen und weil die Pfründe der Pharma-Industrie heilig sind.

Eine seriöse Anwendung von hilfreichen ergänzenden Methoden, wie die »Praxis der Achtsamkeit« böte hingegen wirkliches Einsparungspotenzial und würde den Patienten Nebenwirkungen ersparen. Zudem ist die »Praxis der Achtsamkeit« nachweisbar zum Stressabbau geeignet und für viele Menschen wirksamer, als die progressive Muskelrelaktion nach Jakobsen oder das Autogene Training (wird aber dennoch nicht von den Krankenkassen im Rahmen der Vorsorge nach SGB V gefördert).

Clemens M. Hürten, Rottweil
Avatar #99598
am Dienstag, 7. Dezember 2010 um 20:04

Hab noch einen Link vergessen...

Da es hier durchaus auch um Antidepressiva geht, sei mir gestattet, noch folgenden Link aus neuster Zeit hinzuzufügen:
http://www.newsweek.com/2010/01/28/the-depressing-news-about-antidepressants.html
Umso absurder liest sich der in dem Artikel vorgenommene Vergleich der Wirksamkeit von »Praxis der Achtsamkeit« contra Antidepressiva!

Clemens M. Hürten, Rottweil
Avatar #34227
am Mittwoch, 8. Dezember 2010 um 09:13

Achtsamkeit in der Psychoonkologie

Angst und depressive Reaktionen treten desöfteren im Zusammenhang mit Krebsdiagnosen auf, die nicht in jedem Fall krankheitswertig sind, jedoch ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen bergen.
Auch ich habe in meinem Therapiealltag die Erfahrung gemacht, daß Aufmerksamkeits- und Achtsamkeitsübungen mit den Patienten nachhaltiger und häufig effektiver als Entspannungsverfahren sind. Im Zusammenhang mit Krebserkrankungen, die häufig mit einer erheblichen Verunsicherung des eigenen Körperbildes und der Zuverlässigkeit in den eigenen Organismus verbunden sind, eröffnet sich für die Patienten die Möglichkeit, ihren Körper und dessen Wahrnehmung wertfrei neu zu erkunden und nach und nach wieder Zuverlässigkeit zu erfahren und Selbstsicherheit zu gewinnen. Die Betonung liegt dabei in der wertfreien Wahrnehmung, was in einer nahezu alles bewertenden Gesellschaft gar nicht so leicht ist und die eigene Wahrnehmung innerhalb der Sozialisation oft wertend geprägt wurde.
Durch unbewusste wertende Betrachtungen können Ängste und depressive Entwicklungen wesentlich gefördert werden. Die eigene Wahrnehmung auf wertende Betrachtungsweisen hin zu prüfen, kann Depressions- und Angstrisiken bewusst und veränderbar machen. Darin liegt m. E. der große Wert der Achtsamkeits- und Akzeptanzübungen und deren Überlegenheit gegenüber Entspannungsübungen jeglicher Form.

Dem Beitrag von Clemens-X stimme ich vollinhaltlich zu.

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