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Avatar #107798
am Donnerstag, 9. Dezember 2010 um 12:08

Von der Theorie zur praktischen Umsetzung: Betriebswirtschaftlicher Nutzen

Kommentar zur Nachricht
Rösler will betriebliches Gesundheitsmanagement fördern
vom Mittwoch, 8. Dezember 2010
Mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen und begrüße die Initiative des Herrn Dr. Rößler. Insbesondere finde ich die Erörterung eines "Präventionsgesetzes" interessant. Denn als originärer Wirtschaftswissenschaftler, der sehr genau weiß, dass die Investition in eine betriebliche Gesundheitsförderung primär eine Managemententscheidung auf Basis einer Nutzenerörterung (Business Case) ist, stelle ich in meiner Rolle als Anbieter nachhaltiger Präventionsmaßnahmen doch häufig fest, dass - Studien hin oder her - den nachhaltigen Gesundheitseffekten wie der Fehlzeitensenkung schlichtweg kein Glauben geschenkt wird. Im Ergebnis werden entgegen der wissenschaftlichen Nachweise Präventionsprogramme leider noch häufig als unnötiges Luxusangebot mit unnötigen Kosten bewertet. So lange dies der Fall ist, sehe ich eine flächendeckende Implementierung von BGF eher skeptisch.

Es muss klar deutlich und nachhaltig kommuniziert werden, das BGF langfristig gesehen ein hochattraktives Investment ist. Denn hinter der Fehlzeitensenkung stehen Zahlen, die im Ergebnis eine durchschnittliche jährliche Rendite von 25% und mehr auf die Investitionen versprechen. Wenn DAS in den Köpfen der Arbeitgeber und Budgetverantwortlichen angekommen ist, steht der Umsetzung auch kaum noch etwas im Wege. Denn unsere Erfahrung zeigt, das es von der Entscheidung unserer Kunden bis zur operativen Umsetzung der Gesundheitsmaßnahmen nur noch ein winziger Schritt ist.

Vor diesem Hintergrund kann man durchaus diskutieren, die vielfach noch mangelhafte Einsicht in den Nutzen von BGF durch ein entsprechendes Gesetz zu begleiten, um das Thema ein wenig zu forcieren - um zum Nutzen aller Beteiligten die Abwägung kurzfristiger Gewinnmaximierung vs. langfristig attraktiver Investitionen in das Humankapital positv zu begleiten.

Wünschenswert wäre hier eine Förderungsregelung, die deutlich über die Restriktionen des häufig proklamierten Präventionsleitfadens hinausgeht, denn - mit Verlaub - greift ein Unternehmen aus Kostengründen nur auf die Krankenkassenkurse zurück, ist dies ein Tropfen auf dem heißen Stein und gleicht einem "Läufer", der im Frühjahr 10 Wochen trainiert und im Herbst beim Marathon startet.

Professionelle und nachhaltige Prävention sieht anders aus:
Nur durch regelmäßige und dauerhafte Präventionsmaßnahmen können auch die nachhaltigen Senkungen der Krankenfehlzeiten erreicht werden.
Avatar #99598
am Freitag, 10. Dezember 2010 um 10:29

Typisch Politik: Realitätsfern und einfach lächerlich

Die Profitgier der meisten Unternehmen lässt ein ehrliches Engagement zu Gunsten der Gesundheit der Beschäftigten nicht zu. Daher dürfte diese Initiative eher dem Etikettenschwindel von Unternehmen dienen, die sich nach außen mit einem sozialen Mäntelchen tarnen möchten.
Mehr zu den tatsächlichen Zuständen in unserer Raubtiergesellschaft findet sich in den Kommentaren der Initiative zur psychosozialen Lage Deutschlands:
http://www.psychosoziale-lage.de

Viele Psychotherapeuten und andere im Gesundheitswesen aktive Menschen fragen sich mittlerweile, welchen Sinn ihre Tätigkeit macht, wenn sie letztlich Menschen gesund reparieren, damit sie um so besser in der Marktwirtschaft und den gesellschaftlichen Zuständen verschlissen und erneut krank gemacht werden können.

Was sagen Sie als Psychotherapeut einem 35-jährigen Ingenieur mit BurnOut-Syndrim, der bisher nur Praktikumsplätze oder befristete Arbeitsverhältnisse bekommen hat und daran gehindert wird, sich eine wirtschaftlich-finanzielle Grundlage aufzubauen, um verantwortungsbewusst eine Familie zu gründen?

Was sagen Sie als Psychotherapeut einem depressiven Jugendlichen eigentlich, nachdem er Ihnen erzählt hat, dass er nun zum vierten Mal kein Anstellungsverhältnis gefunden hat trotz bester Noten und guter Zeugnisse und trotz einwandfreiem Verhalten und Engagement? Vier mal Praktikum und das sogar ohne Entgelt!!! - Und dann heißt es, dass die Jugend unsere Zukunft sei. Wenn Jugendliche weiterhin so wenig Chancen bekommen, haben wir mit unserer Zukunft ebenfalls keine Chancen mehr!

Clemens M. Hürten, Rottweil
Avatar #98372
am Freitag, 10. Dezember 2010 um 16:12

Beim BGM wird manchmal auch Unsinn finanziert ....

.... sinnvolles sehe ich jedoch auch.
Avatar #104249
am Freitag, 10. Dezember 2010 um 20:44

Danke Fitarbeiter !

Ein wirklich sehr erhellender Beitrag. Sachlich und gut.
Den Beitrag von Clemens-X fand ich dagegen eher so realitätsfern, wie er selbst es der Regierung vorwirft.

Wenn ein Ingenieur bei dem aktuellen Fachkräftemangel keine dauerhafte Anstellung findet, liegt mit Sicherheit ein ganz anderes Problem als eine psychsoziale Schieflage der Gesellschaft vor.

Oder ist es nicht gut, dass die Arbeitslosenzahlen in den letzten Jahren von 5 auf 3 Mio gesunken sind. Und ist es nicht so, dass gerade Arbeitslose eine Risikogruppe für psychische Probleme sind ? Und ist es nicht eine Verbesserung, dass nun 2 Mio Leute weniger zu dieser Risikogruppe gehören ? Oder arbeiten diese 2 Mio jetzt nur aus psychosozialem Druck ?

Hier mal eine Idee aus der Sicht als Arbeitgeber: Wenn der Gesetzgeber z.B. den Kündigungsschutz etwas lockern würde, könnte man Arbeitnehmer, die ihre Arbeit nicht machen, etwas leichter loswerden. Da das aber derzeit kaum geht, stelle ich (offensichtliche Problemfälle) dann doch lieber nur auf Zeit oder als Praktikant ein. Um sie mir länger als in einer Probezeit üblich anzusehen und ihnen eine Chance auf Bewährung im Job zu gebeb. Aber so manche Leute kriegen auch dann eben keine Dauerstellung, warum auch immer. Staatliche Eingriffe sind ja oft gut gemeint, aber so kehrt sich staatliche Regulierungswut in das Gegenteil dessen um, was man eigentlich erreichen wollte. Ich denke, da liegt das Problem.

Weniger Regulierung wäre angebracht: Weniger wäre da mehr. Der o.g. Ingenieur hätte dann z.B. auch eine Chance auf so eine normale Arbeit (wie all die anderen sie derzeit zweifellos haben). Und auch seine Psyche könnte etwas entspannter sein und man müßte kein gesellschaftlches Phänomen draus machen.

Viele Grüße
S.
Avatar #99598
am Freitag, 10. Dezember 2010 um 22:02

Erstaunlich...

...finde ich Ihren kommentar, Senbuddy!
Sind Sie dem von mir angegebenen Link http:www.psychosziale-lage.de nicht gefolgt?
Wenn Ihre Meinung die reale Lage am Arbeitsmarkt realistisch wieder geben würde, dann müssten alle Unterzeichner der Resolution sowie alle Ärzte, Therapeuten und sonstige Kommentatoren dort ebenso realitätsfern sein, wie Sie es mir zugedenken.
Zudem widerspricht Ihre Darstellung meiner praktischen eigenen Lebenserfahrung sowie der Erfahrung, die ich bisher mit damaligen Mitpatienten sowie mit den bei mir heute Hilfesuchenden alltäglich mache.

Ich habe niemanden bisher dort erlebt, der sich auf die faule Haut oder in die "soziale Hängematte" legen wollte. Alle hatten mehr geleistet und gegeben, als für ihre Gesundheit gut war.

Ich befürworte nirgends eine weitergehende Regulierung am Arbeitsmarkt, wie Sie darstellen. Aber ich weiß genau, dass der von Ihnen als Beispiel benannte Ingenieur von Unternehmen schamlos in befristeten Arbeitsverträgen und sogar in Praktikantenstellen ausgenutzt wird. Solche "Fälle" wurden bereits mehrfach auch im öffentlich rechtlichen TV dargestellt und als Skandal für die Herren Unternehmer angeprangert. - Sind das Ihrer Meinung nach also ebenfalls Falschdarstellungen?

Beste Grüße
Clemens M. Hürten, Rottweil

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