DÄ plusForenKommentare NewsAsozial - brutal - raffgierig - verantwortungslos - zynisch

Kommentare News

Kommentare News

Alle Kommentare zu Online-News

Avatar #99598
am Mittwoch, 5. Januar 2011 um 10:03

Asozial - brutal - raffgierig - verantwortungslos - zynisch

Kommentar zur Nachricht
FDP-Politiker will Einschränkung der Lohnfortzahlung bei Krankheit
vom Dienstag, 4. Januar 2011
Da schaffen die Herren aus Wirtschaft und Politik im Rahmen ihres neoliberalen Denken und Handeln eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen durch Stress, Leistungsdruck und Angst krank werden. (siehe dazu auch www.psychosoziale-lage.de oder die Berichte der Diakonie und Gewerkschaften)
Da werden gezielt durch Niedrigstlöhne und Leiharbeit prekäre Beschäftigungsverhältnisse geschaffen (über 1,2 Mio Kinder in Deutschland wachsen in Armut auf) und die Arbeitslosen werden als Drohkulisse missbruacht gegen die, die noch Arbeit haben.
Und ausgerechnet die Verursacher dieser Verhältnisse werfen den solchermaßen misshandelten Menschen vor, unter diesen Verhältnissen vermehrt krank zu werden und wollen ihnen die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall streitig machen.

Jetzt ist erst von 1 oder 2 "Karenztagen" die Rede. Wir hatten schon mal Zeiten mit 3 Karenztagen für Angestellte. Wenn erst mal 1 oder 2 Tage durchgesetzt sind, könnten sicher auch mal per Salami-Taktik 5 daraus werden.

Und was sind Karenztage überhaupt? Es bedeutet nichts weiter, als die Unterstellung, dass die Menschen "blau" machen auf Kosten des Arbeitgebers. Eine bürokratisch verbalisierte verharmlosende Wortschöpfung.

Mit welcher Wortschöpfung müsste man demgegenüber das asoziale Verhalten von Wirtschaft und Politik bezeichnen, die an den Folgen der asozialen Zustände erkrankten Menschen auch noch für ihre in Konsequenz aufgetretenen Erkrankungen zu bestrafen?

Clemens M. Hürten, gesSso - Rottweil
Avatar #108377
am Mittwoch, 5. Januar 2011 um 11:45

Wintermärchen

Seit Jahren sind die AU-Tage im Sinken begriffen und nur weil momentan aufgrund der wirtschaftlichen Erholung etwas Entspannung eingetreten ist und manch einer vielleicht nicht mehr ganz soviel Angst um seinen Arbeitsplatz hat oder weil er richtig ranklotzen mußte jetzt in den Seilen hängt und dann vorübergehend die AU-Tage ansteigen, kommen gleich wieder solche unsinngen Vorschläge auf den Tisch. Bedenklich auch, daß diese Forderung u.a. von einem Arzt kommt, der eigentlich besser wissen müßte, wie Menschen denken und handeln. Von einem Herrn Ohoven ist nichts anderes zu erwarten, was man einem Unternehmer in dieser Debatte auch nicht wirklich übel nehmen kann, da fehlen einfach Grundkenntnisse.
Wenn jemand blaumachen will, wird er mit so einer Regelung eher mehr Tage fehlen, als weniger, da er sich sagt: Wenn ich schon ein oder zwei Tage selbst bezahlen muß, dann mach´ ich eben länger blau. Gerade Gefälligkeitsatteste (wenn die denn wirklich so häufig sind!) dürften eher noch zunehmen, nach dem Motto: Jetzt erst recht.
Die Menschen, die aufgrund einer akuten Erkrankung oder Unwohlsein mit einem Fehltag die Erkrankung abfangen können, werden dann wohl eher in die Arbeit gehen, in der Folge dann richtig krank werden und noch länger ausfallen. D.h. mit so einer Regelung treffe ich eher die Menschen, die sich redlich bemühen, die anderen finden ihre Schlupflöcher.
Wenn Unternehmer endlich verstehen lernen ihre Mitarbeiter zu motivieren und zur Eigenverantwortlichkeit zu erziehen anstatt diese zu bevormunden, wären wir schon ein ganzes Stück weiter.

Grüße, Doxx
Avatar #104249
am Montag, 10. Januar 2011 um 18:46

Immer das selbe von allen Seiten...

Man hat das Gefühl, als ob alle Politiker - egal welcher Richtung, selten zum wirklichen Wohl für alle im Lande, fast immer aber ausschließlich nach ihrer eigenen "Ideologie" und vor allem für ihre eigenen "Klientel" handeln.

Das eine Lager der linken Parteien (SPD und Linke kann man da kaum noch unterscheiden) will stets seinen "demokratischen Sozialismus" durchsetzen. Das gilt auch für die SPD, die seit Ihrem Hamburger Parteitag unter Kurt Beck genau diesen Begriff wieder als neue (alte) programmatische Strategie angenommen hat. Und das läuft dann letztlich immer auf die drei gleichen Ziele hinaus: Hohe Staatsquote, Abbau von Leistungsanreizen und Umschichtung von oben nach unten. Und die Grünen unterscheiden sich (abgesehen von ihren ehrenhaften ökologischen Zielen) in volkswirtschaftlicher Hinsicht davon auch kaum noch.

Und das konservative Lager ? Auch keine gesunde Mischung. Die CSU ist in ihrer christlichen Soziallehre so verstrickt, dass Sie über das Motto "Kinder, Küche, Kirche" und über Besitzstandswahrung der bayrischen Verhältnisse kaum noch hinausguckt. Das bewirkt, dass man immer wieder gerne von unten nach oben umschichtet und die ökonomischen Bedürfnisse des "Kleinen Mannes" auf Sicherheits- und Ausländerpolitik umlenkt und ansonsten blockiert. Und staatlicher Dirigismus liegt dieser Partei dann auch nicht mehr fern.

Und der zweite Teil des konservativen Lagers, d.h. große Teile der CDU und viele in der FDP wollen Mißstände immer nur durch einen "lupenreinen Liberalismus" abbauen (d.h. geringstmögliche Staatsquote, alles privatisieren, alles mit Gebühren versehen etc.). Ich bin zwar der Ansicht, dass vieles im Lande etwas liberaler gehandhabt werden könnte (z.B. die Gesundheitspolitk), aber solche wie die oben im Artikel genannten FDP-Ideen schießen dann schon wieder über das Ziel hinaus.

Und in keinem der beiden Lager hat noch irgendwer in Erinngerung, dass keine dieser beiden gegensätzlichen Ideologien (Sozialismus und Liberalismus) jemals ein Land wirklich voran gebracht haben. Entweder ist man mit dem Sozialismus pleite gegangen (der Ostblock hat es gezeigt) oder es gibt in sehr liberalen Gesellschaften schreiende Ungerechtigkeiten (siehe USA).

Ich empfehle allen Linken wie auch allen reinen Liberalen die Lektüre der Lehren des ersten deutschen Nachkriegs-Wirtschaftsministers Ludwig Erhard (bevor er in die CDU eintrat). Und zwar über seine Vorstellungen zur sozialen Marktwirtschaft als "drittem Weg" zwischen Liberalismus und Sozialismus.

Und ich empfehle die Webseite der INSM ("Initiative neue soziale Marktwirtschaft"). Die Gelder zu dieser Bewegung kommen zwar vom Arbeitgeberverband, aber es sind gute Leute dabei und das Ganze ist erstaunlich wenig "ideologisch verbrämt". Man kann nur hoffen, dass mal eine Partei draus wird.

Hier der Web-Tip zum Thema soziale Marktwirtschaft:

http://www.insm.de/insm/Themen/Soziale-Marktwirtschaft/Verwirklicht-die-Freiheit-in-allen-Lebensbereichen.html

Und hier ein Tip zum Kran­ken­ver­siche­rungssytem in Deutschland, ebenfalls von der INSM:

http://www.insm.de/insm/Aktionen/INSM-Studien/10-Professoren-Panel-Wie-wird-das-Kran­ken­ver­siche­rungssystem-wieder-zukunftssicher.html

Viele Grüße
S.

Letzte Beiträge zu diesem Thema

Zusatzinfos