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Avatar #110206
am Donnerstag, 22. März 2012 um 22:28

die Diskussion muß weitergehen!

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Deutscher Ethikrat: Diskussion über den Hirntod
vom Donnerstag, 22. März 2012

Kann man / darf man Transplantationen auf „fragwürdigen Todeskonzeptionen“ aufbauen weil man "mit Organspenden vielen Menschen helfen und viele Leben retten kann"?
Das Dilemma, welches Ralf Stoecker anspricht, steckt in dem Wort "weil".

Herr Stöcker hat recht, man käme tatsächlich gänzlich ohne Hirntodkonzept aus, wenn es nur darum geht, daß man transplantieren will. Die Lebendspende kommt schließlich auch ohne jede Form der Todfeststellung aus.

Dann aber frägt er, wie man mit Hirntoten "umgehen" soll.
In meinem Sprachverständnis "geht man" nur mit Lebenden "um". Das BGB (§ 1684) regelt beispielsweise den Umgang von Kindern mit ihren Eltern, nicht aber den von toten Kindern. Das die Frage gestellt wird, ist ein Beispiel einer Freud'schen Fehlleistung und zeigt das wahre Dilemma.

Dieses Dilemma offenbart sich auch bei Frau Förderreuther: "bei korrekter Durchführung der Hirntodfeststellung gebe es auch keine Fehldiagnosen". Dieser Satz beruhigt nicht, denn er impliziert eine inkorrekte Durchführung, was ganz selbstverständlich den allgemeinen Fehlerüberlegungen entspricht. Und Herrn Shewmans 170 Fälle sind ein möglicher Beleg für das echte Vorliegen von Fehlern.

Nonsens ist der Satz, der „Hirntod {sei ein} gutes Feststellungskriterium“. Vielmehr gibt es doch nur umgekehrt Kriterien für eine Hirntodfeststellung. Wofür auch sollte der Hirntod selbst ein Kriterium sein? Die Kriterien allerdings, die man bei der Hirntodfeststellung nutzt, sind umstritten, also keineswegs unwidersprochen gute Kriterien.

Birnbachers Vorschlag, "die Hirntoddebatte als eine pragmatische Aufforderung anzusehen, eine Grenze zu ziehen, von der ab Explantationen erlaubt sind" ist eines Philosophen eigentlich unwürdig. Wir wollen Organe entnehmen und beraten darüber, ob und ab wann wir das tun dürfen. Dann sagt einer, sobald das Gehirn tot sei, und sobald der das sagt, beschließen wir, die Debatte hat begonnen, folglich können wir jetzt beginnen – stellen Sie sich Kriegsminister vor, die den Einsatz von Atomwaffen überdenken, und einer sagt, sobald der Gegner darüber nachdenkt. Und mit Beginn dieser Debatte dürfen dann Atomwaffen eingesetzt werden.

Es entbindet uns keiner (kein Bundestag und keine Ärztekammer) und nichts (keine Hirntodfeststellung und kein Pragmatismus) davon, sorgfältig, und solange der Organismus noch lebt, darüber zu entscheiden, ob und wann wir einen Menschen zum Organspender machen.

Und diese Debatte wird weitergehen, bis hier endlich Ehrlichkeit herrscht.

Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
Avatar #92972
am Donnerstag, 22. März 2012 um 23:36

unsäglich !!! - diese Diskussionen

Je mehr Leute und Professionen mitlabern (so muss es heißen !), die von der Medizin nichts verstehen und nur immer neue pseudointellektuelle, -ethische, -religiöse und sonstige Aspekte ins Gespräch bringen, desto mehr Verwirrung wird gestiftet - und ganz sicher wird die Diskussion so NIE zu Ende gehen. Diese wirklich unsäglichen (!!!) Blödquatschereien ("man geht nur mit Lebenden um" - und ähnlicher Unsinn, völlig am Problem vorbei, sprachlich falsch und sowieso irrelevant) helfen doch nun wirklich niemandem weiter, nur dass sich noch ein paar weitere Dummschwätzer ermutigt fühlen, auch ihren Senf dazuzugeben.
"Die Lebendspende kommt auch ohne jede Form der Todfeststellung aus" - was für ein fulminanter Schwachsinn (oder sollte das ein kabarettistischer Beitirag sein, den ich irrtümlicherweise ernst genommen habe ? Also richtig jedenfalls: Die Lebendspende heißt "Lebend"-Spende, weil da keiner tot ist. Damit kommt aber nicht weit, wenn ein Herz benötigt wird - gelt ? Mal bißchen nachdenken vorm Loslabern würde schon helfen ...
Das Hirntodkonzept ist sachgerecht, sicher, praktikabel, erprobt und bewährt. Die grenzenlos erweiterten Dumm- und Pseudo-Diskussionen helfen sicher nicht, mehr Menschen als bisher zur Spende zu motivieren. Deshalb mein Votum: Schluss mit der Diskussion ! Vor allem in Presse, Funk, Fernsehen, Talkshows und ähnlichen Schwätzerplattformen.
Avatar #88255
am Freitag, 23. März 2012 um 09:15

Überflüssige Diskussion

Überflüssige Organisationen müssen alles tun, um sich ihre Daseinsberechtigung zu erhalten. Das gilt für den Deutschen Ethikrat wohl ebenso wie für die Bundesärztekammer und ihren Präsidenten. Mediko hat völlig recht mit seinem Kommentar: eine neue Diskussion über das Hirntodkonzept ist so überflüssig wie ein Kropf, denn es geht kein Weg an ihm vorbei. Ein funktionierendes Gehirn als biologische Basis des menschlichen „Ich“ ist in der Wissenschaft ebenso unbestritten wie das Ende dieses bewussten „Ich“ mit dem Sistieren aller zentralnervöser Aktivitäten. Transplantationsfähige Organe müssen nun mal vital sein. Das Hirntodkonzept in Frage zu stellen heißt, die Transplantationsmedizin in Frage stellen.
Avatar #110206
am Freitag, 23. März 2012 um 12:27

Die Hirntodfeststellung gehört ohne Zweifel in den Ethikrat


Die Kommentare doc.nemo und mediko sind ein beredtes Zeugnis dafür, wie notwendig der Ethikrat ist.

Es ist nur überheblich, wenn Ärzte meinen, man solle alle außer Ärzten von der Diskussion ausschließen. Möglicherweise sollte man im Gegenteil uns Ärzte als Befangene als erste ausschließen.

Zu meiner Person, ich bin seit mehr als 30 Jahren Arzt und beinahe ebenso lange Notarzt. Als Notarzt war ich bisher acht mal eingebunden in die Frage einer Organspende. Zweimal kam es zur Spende und sechsmal nicht. In jedem einzelnen Fall ist von den Angehörigen die Frage gestellt worden, ob der Verletzte tatsächlich tot sei, und jedesmal habe ich wahrheitsgemäß mit nein geantwortet. Nein, aber er wird nach menschlichem Ermessen nie wieder leben können, so wie wir das verstehen, aber, solange er noch lebe könne man seine Organe sinnvoll nutzen für Menschen, die dringend auf Spenderorgane warten.

Die Abwendung von der Hirntodkonstruktion würde keinen Einbruch in der Spendebereitschaft bedeuten, eher das Gegenteil wäre der Fall.

Ich bin außerdem seit mehr als zehn Jahren Delegierter der baden-württembergischen Ärztekammer. Außerdem war ich 18 Jahre lang Ältester in einer Gemeinde der evangelischen Kirche.

Meine ablehnende Haltung gegenüber der Hirntodregelung ist ebenso deutlich wie meine Zustimmung zur Organspende, und beides hat sich entwickelt aus der Arbeit als Arzt, der Arbeit als Berufspolitiker und der Arbeit als Kirchenvertreter.
Keine Verwerfungern geben sich aus den drei Feldern bezüglich meinem Ja zum Ethikrat. Ein deutliches Nein gegenüber dem, was sich in den doc.nemo- und mediko-Äußerungen widerspiegelt.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
Avatar #1976
am Freitag, 23. März 2012 um 16:40

Hirntod - totes Hirn? toter Leib ?

Oh sancta simpilzitas !!
oder
quo usque tandem ? !
Lasst Euch doch alle Ihr Hirntoten bei lebendigem Leibe alle jene Organe ausweiden, die gerade benötigt werden, bei frontal aufgetrenntem Leib, das Sternum mit der Säge und so . . . um die großen Retter der Mitmenschen-Leben zu sein und dabei er-leben, wie es ist am Hirn tot zu sein, aber am Leib noch zu leben !!! Dann können alle Hirntoten Lebensretter endlich - allerdings zum endgültigen Schluss auch noch er-leben,
wie weh es tut bei totem Hirn und lebendigem Leib Schmerzen zu fühlen und
wie es ist, wenn der lebende Leib dann endgültig ent-seelt wird durch die Hände eines/einer KollegIn, die dann den endgültigen Tod dem Leib verpasst und das "untote" Hirn vom Leben "erlöst" . . . ..

Die ganze Diskussion ist nur deshalb erst (er)möglich(t) worden, weil wir den Bezug zu unserem Selbst verloren haben. "Schöne neue Welt", in der die belebende Energie = Seele, weil sie ein renaissance-vernarrter Wissen-"Schafftler" nicht hat wiegen können (ver-messen, wie er war) nichts mehr gilt. Oh sic takuisses, Du Seelen-Nihilist (vom Schöpfenden Gott ganz zu schweigen!) - diskutiere nur weiter und beschimpfe jene, die der Seele und dem Leben MEHR BEDEUTUNG geben, als einem toten Hirn !
Alle Beteiligten werden ES erleben - es geht nur um die Qualität dabei (und die wird gar zu oft mit Quantität verwechselt - eben, weil das Hirn bei Lebzeiten bei zu Vielen (KollegInnen) schon tot ist . .
Ohne "sorry",
aber herzlichst, kollegial
und herzhaft,

Dr. Richard Barabasch

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