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Avatar #113347
am Montag, 12. März 2012 um 12:08

Wie Begeisterung entstehen kann

Kommentar zum Print-Artikel
Prävention: Selbstheilungskräfte aktivieren
aus Dtsch Arztebl 2012; 109(9) vom Freitag, 2. März 2012
Sehr geehrte Damen und Herren,

der Artikel von Herrn Prof. Dr. rer. nat. Gerald Hüther hat mir gut gefallen. Mit seiner Einstellung stimme ich überein: „Jede Heilung ist immer und grundsätzlich Selbstheilung. Die ärztliche Kunst besteht darin, diesen Prozess der Selbstheilung zu unterstützen. Auf körperlicher Ebene ebenso wie auf psychischer Ebene.“ Auch die von ihm beschriebenen Erkenntnisse der neurobiologischen Forschung, dass Begeisterung hilfreich ist, Verhalten, Einstellungen und Haltungen zu verändern, kann ich gut nachvollziehen.

Allerdings bleibt im Text die Frage, wie sich ein Mensch für seine Gesunderhaltung begeistern kann, unbeantwortet. Aus meiner Sicht sind Menschen dann mit Begeisterung und Engagement bei der Sache, wenn dadurch bestimmte, ihnen wichtige Bedürfnisse erfüllt werden. So wird ein Mensch zur Erhaltung seiner Gesundheit mit Begeisterung beitragen, wenn er sich mit den Strategien (z. B. regelmäßige sportliche Betätigung), die er zur Erhaltung seiner Gesundheit einsetzt, gleichzeitig auch andere Bedürfnisse, wie Spaß, , Gemeinschaft, Bewegung oder Kontakt zur Natur erfüllen kann. Werden diese Bedürfnisse erfüllt, so erzeugt diese innere Befriedigung angenehme Gefühle. Und diese angenehmen Gefühle wiederum könnten Begeisterung entstehen lassen, so dass der Mensch seine Strategien zur Gesunderhaltung dauerhaft benutzen wird.

Wenn ein Mensch im bestehenden Gesundheitssystem gute Erfahrungen gemacht hat und sich deswegen an der Vorstellung begeistert, „von jemandem wieder gesund gemacht werden zu können“, spricht es nach meiner Auffassung dafür, dass in unserem derzeitigen Gesundheitssystem wichtige Bedürfnisse des Menschen wie Gesundheit bzw. Heilung, Fürsorge oder Unterstützung auch erfüllt werden.

Herr Prof. Hüther kommt zu dem Ergebnis, dass es „die subjektiven Bewertungen einer Behandlung durch den Patienten“ sind, „die darüber entscheiden, wie gut es ihm gelingt, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren“. So kann nach meiner Erfahrung beispielsweise ein einfühlsames, informierendes Gespräch des Arztes mit seinem Patienten zum positiven Erleben des Kranken beitragen. Denn auf diese Weise kann der Patient mehr Verständnis für seine Krankheit entwickeln und den Eindruck bekommen, „den Heilungsprozess selbst auch aktiv unterstützen zu können“. Mit seinem eigenen Beitragen kann der Patient sich zusätzlich noch andere wichtige Bedürfnisse erfüllen wie Selbstbestimmung (Autonomie), Selbstwirksamkeit und Sinn – und sein Vertrauen in die eigenen Selbstheilungskräfte kann wachsen.

Ich halte eine wertschätzende und einfühlsame Kommunikation im Umgang mit dem Patienten, die ihn als Mensch mit Gefühlen und Bedürfnissen erfasst, für wertvoller als das von Prof. Hüther vorgeschlagene Arzt-Patienten-Gespräch, in dem es darum geht herauszufinden, „welche Erfahrungen der jeweilige Patient gemacht hat und welche Vorstellungen und Überzeugungen, welche Haltungen und inneren Einstellungen aufgrund dieser Erfahrungen entstanden sind“. Patienten, die als Mensch wahrgenommen werden und denen mit Wertschätzung begegnet wird, beteiligen sich deutlich aktiver am eigenen Gesundungsprozess als Patienten, die verunsichert, verängstigt und uninformiert sind.

Durch internationale klinische Studien zur Bedeutung der Empathiefähigkeit im Gesundheitswesen konnte belegt werden, dass die Bereitschaft des Patienten zur Beteiligung an der Therapie, die therapeutische Wirksamkeit und die Patientenzufriedenheit ansteigen, wenn das medizinische Personal dem Patienten mit Empathie begegnet. Nachgewiesen ist außerdem, dass Empathiefähigkeit die Arbeitszufriedenheit des medizinischen Personals erhöht und die Konfliktkosten im Klinik- oder Praxisumfeld senkt. (Literatur bei Heydebreck, K.: Das Arzt-Patienten-Gespräch im Kontext von Patientenkompetenz, Patientensouveränität und Patientenzufriedenheit. https://www.medicaltex.de/download/presse/Masterarbeit_Kathrin_Heydebreck.pdf)

Aus meiner Sicht wäre daher ein regelmäßiges Empathie-Training für die Beschäftigten im Gesundheitswesen, z. B. auf Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, ein wertvoller Beitrag zur Unterstützung der Selbstheilungskräfte des Patienten. Mit empathischer Kommunikation im Klinik- und Praxisalltag könnte es gelingen, „Menschen dafür zu begeistern, mehr als bisher für ihre Gesundheit tun zu wollen. Dann ließen sich auch im Fall einer Erkrankung die Selbstheilungskräfte der Patienten deutlich effektiver und nachhaltiger reaktivieren als bisher.“ Und damit wäre die Chance gegeben, unser Gesundheitswesen von Kosten zu entlasten und es mit mehr Menschlichkeit zu bereichern.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Gerhard Lorenz
Ebersteinstr. 24
76287 Rheinstetten
Avatar #113003
am Montag, 9. April 2012 um 02:04

Biblische Grundlage

Die Verantwortung für die eigene Gesundheit selbst zu übernehmen, ist bereits aus der Bibel bekannt:
Wißt ihr denn nicht, dass euer Körper der Tempel des heiligen Geistes ist?
Macht Gott also Ehre durch die Art, wie ihr mit eurem Körper umgeht!
1.Korinther 6,19.20

Mehr als auf alles andere achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben.
Sprichwörter 4,23

Quäl dich nicht selbst mit nutzlosem Grübeln! ... sprich dir Mut zu...
Jesus Sirach 30,21-23

Der Schwache spreche:Ich bin stark!
Joel 4,10

Mit guten Segenswünschen
Claus F. Dieterle

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