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Avatar #539999
am Dienstag, 1. Mai 2012 um 07:56

Wer soll eine Innovation bezahlen?

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Eklat um neues Diabetesmedikament – Trajenta nicht in Deutschland
vom Freitag, 27. April 2012
Gesundheit ist keinen Euro wert. Das Packerl Zigaretten darf dagegen über 5,- € kosten.
Avatar #115425
am Mittwoch, 2. Mai 2012 um 19:08

Eklat um neues Diabetesmedikament - Trajenta nicht in Deutschland

Nicht nur die Bilanz von Böhringer leidet - auch viele multimorbide Patienten!

Patienten, wie ich, die durch Multiinfarkte eine Herzschwäche haben (NYHA III), eine Niereninsuffizienz Stufe III und zu allem Überfluss Sulfonamide nicht vertragen, hätten mit Linagliptin vielleicht das Mittel der Wahl gehabt. Es ist sachlich vollkommen falsch, einen Vergleich mit Metformin herzustellen (Nierenausscheidung vs. Darmausscheidung). Insulin? Kann man in diesem Stadium nehmen, wenn man lebensmüde ist. Eine Unterzuckerung kann den Tod oder Pflegefall aufgrund der Herzschwäche bedeuten. Als Alternative habe ich Pioglitazon. Gibt bei einem unbehandelten HbA1c-Wert von 7 einen therapeutisch gewünschten Wert von 6. Mit Ernährung und Verhalten leider nicht mehr zu erreichen, Zellen altern natürlicherweise.

Die Krankenkasse hat mir die Erstattung nach Widerspruch unter diesen Umständen zugesagt. Besonders geschockt hatte mich die Begründung des G-BA, dass eine Unterzuckerung zwar einen patientenrelevanten Endpunkt darstellt, dies sei jedoch für die Entscheidung, Pioglitazon nicht mehr durch die GKV zu erstatten, sekundär. Die Patienten werden doch entsprechend geschult. Als ob nie ein Fehler bei der Dosierung passieren könnte! In diesem Moment überlegte ich mir eine Strafanzeige gegen den neutralen Vorsitzenden des G-BA, Herrn Dr. jur. Reiner Hess zu stellen. Aufgrund dessen, dass Pioglitazon jedoch in die Arzneimittelrichtlinie Anlage III aufgenommen wurde, gab es jedoch einen Ausweg.

Weniger erfreulich für Patienten ist, dass dies bei Festbetragsmedikamenten nicht der Fall ist. So war es bei Atorvastatin. Zwar war die Festbetragsfestlegung durch das BSG formaljuristisch nicht zu beanstanden, aber das Arbeitspapier des IQWiG von 2004, das dieser Entscheidung fachlich zugrunde lag, war meines Erachtens manipuliert. Es wurde die gleiche, bzw ähnliche Wirksamkeit zugrunde gelegt wie z.B. für Simvastatin, obwohl Atorvastatin 2 - 3-mal so wirksam ist, wie die Vergleichsmedikamente. Die Nebenwirkungen wurden jedoch nach der jeweiligen Höchstdosis von 80 mg verglichen. In dieser Höchstdosis war natürlich die Abbruchrate wegen unerwünschter Nebenwirkungen höher. Ich persönlich kann den therapeutisch erfordlichene HDL-Wert nur mit 40 mg Sortis erreichen und nicht mit der Höchstdosis von 80 mg Simvastatin.

Bezüglich Sortis habe ich mit dem "Patiententelefon" des G-BA (Frau Dr. Schwarzmann) gesprochen und ihr meine Erfahrungen mitgeteilt. Sie meinte, die Wirkung wäre wahrscheinlich nur bei mir so hoch. Den Hinweis, dass jeder Arzt und Patient das weis, konterte sie mit dem Hinweis, das 70 Mio. Versicherte doch nicht dafür zahlen können, nur weil es für eine relativ kleine Gruppe notwendig, bzw. von Vorteil sei. Wo bleibt da die Solidarität des Systems? Ich war schon immer persönlich bereit etwas mehr an KV-Beiträgen zu zahlen, selbst wenn es nur einem einzigen nutzt, als die selbst zu brauchen. Die Pharmafirmen ordentlich an die "Kandarre" zu nehmen, sei Sache der Politik und nicht des G-BA. Letztendlich geht es nur ums Geld. Am "Wettbewerb" im Gesundheitswesen ist der Patient sowieso außen vor. Diesen Begriff kann ich in diesem Zusammenhang nicht leiden, weil das in diesem Bereich gar nicht möglich ist. Bei den Pharmaunternehmen herrscht natürlicherweise ein Oligopol, da es sich kein Unternehmen leisten kann in allen Forschungsbereichen mitzumischen.

Ich frage mich allen Ernstes, wo der Sachverstand des IQWig und insbesondere des G-BA bleibt. Handelt es sich bei den Entscheidungen tatsächlich um Unwissenheit oder gar Absicht. Letzteres möchte ich allerdings nicht unterstellen, denn das würde schon an Menschenverachtung grenzen.

freundliche Grüß
Herz1952

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