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Avatar #115262
am Mittwoch, 13. Juni 2012 um 08:27

Fragwürdige Logik

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Pharmaindustrie kritisiert Nutzenbewertung
vom Dienstag, 12. Juni 2012
"In einer Situation, in der ich den angebotenen Rabatt nicht veröffentlichen muss und in der er nicht Grundlage für weltweite Preisreduzierungen ist, kann ich als Unternehmen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung einen höheren Rabatt anbieten, und dies käme durch geringere Ausgaben der Kassen unmittelbar den Versicherten zugute." Was bedeutet dieser Satz: Wenn ich die einen abzocke, kann ich den anderen gegenüber großzügig sein? Und woher weiß die GKV, dass sie nicht zu den Abgezockten gehört? Preistransparenz gehört zu den Grundbedingungen einer funktionierenden Marktwirtschaft. Der BPI hat offenbar ein Problem damit.
Avatar #115425
am Mittwoch, 13. Juni 2012 um 14:31

Wirtschaftlichkeit kommt vor Qalität bei IQWiG und G-BA

Zunächst kurz zur "Marktwirtschaft" im Gesundheitswesen. Diese kann es eigentlich nicht geben, denn auf der Nachfrageseite steht in der Regel der Kassenpatient, der über seinen Bedarf nicht frei bestimmen kann und auch keine Preistransparenz, geschweige denn über seinen persönlichen Nutzen eines Medikements frei entscheiden kann.

Beim "IQWiG" müsste das "Wi" vor dem "Q" stehen, anders kann ich mir einige "Argumente" - über die allerdings der G-BA entscheidet - als Patient und finzanziell Betroffener nicht verstehen. Was die Vergleichstherapie betrifft stimme ich dem BPI Vorsitzend voll zu. Das werden Äpfel mit Birnen verglichen, obwohl diese doch chemisch unterschiedlich sind und auch von von den Konsumenten unterschiedlich vertragen werden.
Persönlich war ich von zwei Entscheidungen betroffen, von einer davon sogar schockiert über die Argumentation. Die eine betraf den Vergleich von Atorvastatin mit Simvastatin. Obwohl Atorvastatin zwei bis dreimal stärker wirkt auf die Senkung des HDL-Cholesterins, wurde es vom IQWiG mit Simvastatin gleich gesetzt. Die Nebenwirkungen in der Höchstdosis waren bei Atorvastatin natürlich höher, da beide Medikamente in der Dosis von 80 mg zugelassen waren. Durch die Eingruppierung in eine Festbetragsgruppe war nicht einmal eine Erstattung im Einzelfall möglich.
Die zweite Entscheidung betraf Pioglitazon, das aus der Erstattungspflicht der GKV gestrichen wurde. Allerdings ist hier die Erstattung im Einzelfall möglich, die mir nach Widerspruch auch von der KK genehmigt wurde. Schockierend war die Argumentation des G-BA (Vorsitzender Dr. jur. Reinhard Hess) der den Hinweis auf eine mögliche Unterzuckerung - die bei Monotherapie mit Pioglitazon so gut wie ausgeschlossen ist - zwar als "patientenrelevanten Endpunkt" akzeptierte. Dies sei jedoch für die Entscheidung "sekundär", schließlich sind die Patienten für die Dosierungen geschult. Also bei mir hätte ein Fehler aufgrund von starker Herzinsuffizienz den Tod herbeiführen können - wahrscheinlich die "wirtschaftlichste Lösung".
Noch ein allgemeines Argument: Es ist nicht evidenzbasiert, dass eine relativ geringe Senkung von bestimmten Blutwerten auch den gewünschten Effekt hat. Da muß ich mich fragen, wieso die Ärzte das immer wieder "predigen", bzw. was hat denn übehaupt Sinn? Und wieso sollen die Werte bei bestimmten Krankheiten niedrig gehalten werden?
Ach so! Der Patient ist eigenverantwortlich und somit selbst schuld, wenn er in eine solche Situation kommt. Er kann ja "Diät" leben. Ich sehe ein, dass es bei einer Sache noch so einigermaßen geht. Aber bei zwei oder drei Faktoren grenzt das an die "Quadratur des Kreises". Und überhaupt besteht das Leben nur aus Gewohnheiten, die man/frau selbst bestimmen kann, oder???
Mein Internist hat mich jetzt auf Januvia 25 (trotz Niereninsuffizienz) eingestellt, um alle Risiken von Wassereinlagerungen zu vermeiden (durch Pioglitazon), die ich allerdings schon vorher hatte. Der Langzeitzuckerwert war mit 5,7 exzellent. Ich "freue" mich jetzt schon, wenn die Gliptine (Januvia=Sitagliptin) auf den Prüfstand kommen.
Die "Nachteile" von manchen Medikamenten wurden in Kombitherapie getestet und mit Monotherpien verglichen, was das Ganze aus meiner Sicht unlogisch erscheinen lässt. Anscheinend ist nur wichtig, dass es juristisch einwandfrei ist. Sachlichkeit spielt anscheinend keine Rolle - sehr zum Nachteil von multimorbiden Patienten.
Avatar #98372
am Freitag, 15. Juni 2012 um 21:06

Eines wird durch eine Veröffentlichung ganz sicher klar:

Die Höhe der Verdienstmargen der Pharmaindustrie.

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