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am Mittwoch, 20. Juni 2012 um 11:46

Mal wieder zu wenig und nicht tiefgehend genug nachgedacht?

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Alkoholabusus und soziale Isolation: Grund statt Folge
vom Dienstag, 19. Juni 2012
Schon wieder so eine Studie, bei der ich das ungute Gefühl von Publizismus und Nabelschau habe, anstatt von echtem Tiefgang:

Hat jemand bei Planung der Studie daran gedacht, dass der auffällige Alkoholkonsum ja ebenfalls eine Ursache haben muss? Dem auffälligen Alkoholkonsum gehen doch mit Sicherheit Erlebnisse des Betroffenen voraus, die zum diesem Trinkverhalten geführt haben.
Im einfachsten Fall ist es Modell-Lernen am Verhalten der ebenfalls auffällig Alkohol konsumierenden Bezugspersonen. Wenn dies ausscheidet, sehe ich aus dem Alltag meiner Praxis und Erfahrungen im Bekanntenkreis, dass auffälliger Alkoholkonsum fast immer eine dysfunktionale Bewältigungsstrategie darstellt.
Diese Bewältigungsstrategien beziehen sich meist entweder auf mangelnde Konfliktlösungskompetenzen oder auf mangelnde Befriedigung eigener emotionaler Grundbedürfnisse.

Die Studie wäre meines Erachtens nur dann wirklich etwas wert, wenn diese Ansätze zuvor berücksichtigt und skaliert erfasst worden wären. Denn fast zwangsläufig müsste das Ergebnis dann lauten:

Ursache für den Alkoholkonsum und auch für beginnende soziale Isolation sind die dysfunktionalen Bewältigungsstrategien des Betroffenen. Selbst der Alkoholkonsum stellt bereits eine weitere Stufe bzw. Variante dysfunktionaler Bewältigungsstrategien dar! Und all diese Strategien und Verhaltensweisen führen als Kollusionskreis immer schneller in die Ausgrenzung und Isolation und meist darüber hinaus in die Depression.
Solange in einer Therapie die Ursachen für die zu unterst liegende, meist in früher Kindheit begonnene Bewältigungsstrategie nicht aufgearbeitet worden ist, lässt sich die Abwärtsspirale nicht nachhaltig wirksam durchbrechen!

Ich führe die relativ hohen Rückfallquoten von Suchtkranken (Sucht = dysfunktionale Bewältigungsstrategie) und von Depressions-Betroffenen eben darauf zurück, dass in unserem nur auf Profit und Sparen angelegten, kaputten Gesundheitssystem sich nur wenige engagierte Therapeuten die Zeit nehmen, einen Betroffenen sowohl tiefenpsychologisch als auch verhaltenstherapeutisch bei der Auflösung dieser Muster zu begleiten, z.B. in Form der Schematherapie. Es kostet zu viel Zeit, zu viele Gutachten für die Krankenkasse zur Therapiebewilligung usw. Und die Betroffenen fördern dies auch noch, weil sie aus Angst um ihren Arbeitsplatz möglichst schnell wieder gesund werden wollen. Die schnelle Pille der Pharma-Industrie steht bereit: Quick & Dirty-Therapie nenne ich das!

Leider sehe ich, wie die in der Studie und ihren fast schlagzeilenhaft plakativen Ergebnissen auch die allgemein und international zunehmende Oberflächlichkeit sichtbar wird: Quick 'n Dirty eben!

Clemens M. Hürten - gesSo - Rottweil

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