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Avatar #87252
am Montag, 6. August 2012 um 17:26

Debatte droht zu entgleiten!

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Bahr: Wir wollen keine Ärzte zu Sterbehelfern machen
vom Montag, 6. August 2012
Mit Verlaub: Die aktuelle Diskussion geht am Kern des Problems geflissentlich vorbei und es ist beschämend, wie sich einige Gegner der Liberalisierung der Sterbehilfe in der Öffentlichkeit äußern.

Die vorgetragenen Argumente sind sattsam bekannt und werden gebetsmühlenartig wiederholt, ohne hierbei die zwischenzeitliche Debatte zur Kenntnis zu nehmen.

Mit Verlaub: Namhafte Experten votieren für eine Liberalisierung (nicht zuletzt auch der Nationale Ethikrat) und ich persönlich halte es schlicht für unverrschämt, als gäbe es diese und andere Stellungnahmen zur Problematik der (ärztlichen) Suizidbeihilfe nicht.

Ungeheuerlich ist die "Schlussfolgerung" von der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung. Keinesfalls ist es beabsichtigt, schwersterkrankte Menschen dazu zu drängen, ihrem Leben vorzeitig ein Ende zu bereiten. Dies zu behaupten, grenzt an Demagogie und offenbart eine ethische und moralische Überzeugungstäterschaft, die auf das Schärfste zu verurteilen ist.

Abermals mit Verlaub: Bei solchen Äußerungen verschlägt es schon einem die Sprache und es bleibt zu hoffen, dass der parlamentarische Gesetzgeber das rechte Augenmaß besitzt, seinen grundrechtlichen Schutzverpflichtungen auch gegenüber den sterbewilligen und bereiten schwersterkrankten Menschen nachzukommen und nicht den gefährlichen Sonntagsreden einiger Moralapostel erliegt!
Avatar #103970
am Montag, 6. August 2012 um 22:23

Wir wollen keine Ärzte zu Sterbehelfern machen

Für mich als Arzt kommt die Sterbehilfe nie in Frage. Viel besser wäre es, wenn der Gesetzgeber die Btm Gesetze etwas liberaler und großzügiger gestalten würde. Man muß sich doch mal überlegen wieviel niedergelassene Kollegen überhaupt Btm - Rezepte haben, dann weiß man wie die Schmerztherapie im Finalstadium ist.
Avatar #87252
am Dienstag, 7. August 2012 um 05:42

"Für mich als Arzt kommt die Sterbehilfe nie in Frage."

Dem wird keiner widersprechen wollen, ist es doch eine individuelle Gewissensentscheidung, die auch der Schwersterkrankte respektieren wird. Das Selbstbestimmungsrecht der Patienten führt nicht zur Fremdbestimmung der Ärzteschaft und insofern erscheint es mir sachgerecht, im Diskurs auch darauf hinzuweisen, dass es Ärzte gibt, die sich nie vorstellen können, an einem Schwangerschaftsabbruch mitzuwirken. Auch hier wird Leben getötet und von daher war es konsequent, eine ausgewogene Regelung im ärztlichen Berufsrecht aufzunehmen, wonach ein Arzt nicht zur Vornahme eines Schwangerschaftsabbruchs gezwungen werden kann. Hier wird das Recht der individuellen Gewissensentscheidung des Arztes respektiert und ich persönlich würde es nachhaltig begrüßen, wenn eine gleichlautende Regelung für die ärztliche Mitwirkung bei einem frei verantwortlichen Suizid eines schwersterkrankten und sterbenden Menschen auf den Weg gebracht werden würde.
U.a. die Ethikkommission der Ärztekammer Bremen hat eine solche Regelung in Erwägung gezogen, gleichsam aber den Gedanken hieran wieder verworfen. Der Ethikkommission ist es allerdings nicht gelungen, überzeugende Argumente dafür vorzutragen, warum eine analoge Regelung nicht in Betracht zu ziehen ist.

Insgesamt sollte die Debatte etwas unerkrampfter geführt werden. Das Beharren auf Fundamentalpositionen verhindert eine ethisch ausgewogene und vor allem dem Grundgesetz entsprechende Lösung eines Grundsatzkonflikts, bei dem ein allgemeiner Konsens nicht zu erwarten ansteht, vielleicht auch gar nicht erforderlich ist.
Mehr Toleranz ist einzufordern und vor allem der rechtsethische Sachverstand im Umgang mit bedeutsamen Grundrechte.

Hiervon allerdings scheint mir insbesondere die BÄK weit entfernt zu sein, denn die restriktive Regelung im ärztlichen Berufsrecht nimmt weder auf die Interessen der Ärzte noch auf die der schwersterkrankten und sterbenden Patienten gebührend Rücksicht, obgleich doch ansonsten immer an die ethische und moralische Integrität der Ärzteschaft appelliert wird und überdies gerade das ärztliche Gewissen ganz zentral im Berufsrecht verortet ist. Warum dies nicht auch mit Blick auf die Sterbebegleitung gilt, bleibt mir persönlich ein Rätsel.
Avatar #104249
am Dienstag, 7. August 2012 um 14:17

Das ist richtig.

Es wäre vieles gewonnen, wenn die Btm-Gesetze etwas weniger bürokratisch und freier gestaltet würden. Es können bisweilen banale Hindernisse sein, die Patienten in Schmerzen und Verzweiflung und damit womöglich in den Todeswunsch treiben. Die Forderungen nach einer besseren Versorgung von Schwerstkranken und Sterbenden sind vorbehaltlos zu unterstützen.

Und es ist bei diesem Thema auch völlig falsch, den bekannten und in vielen Lebensbereichen sicher erfolgreichen und oft vobildlichen holländischen "Pragmatismus" auch hier anzuwenden. Denn ein Thema wie Sterbhilfe darf keinesfalls mit Worten wie "Sparzwang" oder "gesellschaftlichem Druck" in Verbindung gebracht werden können. Trotzdem kommen einem natürlich immer wieder solche Gedanken...

Schlimm kann es auch sein, wenn Schwerstkranke aufgrund einer gängigen gesellschaftlichen Praxis wie in Holland ("mobile Sterbeteams") das Gefühl bekommen, ihrem Umfeld nicht mehr "zur Last fallen" zu wollen.

Schon um dem einen Riegel vorzuschieben, sollte Sterbehilfe nicht gestattet sein oder so weit wie möglich eingedämmt werden.

Viele Grüße
S.
Avatar #110206
am Dienstag, 7. August 2012 um 14:25

Natürlich werde ich beim Sterben helfen!

Wo leben wir denn?
Es gibt ein Strafrecht, das sich hier doch tatsächlich eindeutig genug äußert.
Und dann gibt es eine Nicht-Konsens-Haltung der Bundesärztekammer, die genauso eindeutig Abstand nimmt von der deutschen Rechtsprechung.

Natürlich gehört es zu meinen Aufgaben, einem Sterbenden die Hilfe angedeihen zu lassen, die er braucht. Diese Aufgabe lasse ich mir doch nicht von einer Bundesärztekammer nehmen, die sich auf pseudoethische Absichten stützt.

Ich empfinmde es als schützend, daß ich Sterbehilfe nicht als Privatmann, sondern beruflich betreiben kann. Auch rein formal betrachtet betreibe ich ja auch kein Gewerbe. Also verstoße ich weder gegen die Absicht, aus der Sterbehilfe kein Gewerbe zu machen, noch verstoße ich gegen das Strafrecht, daß die Beihilfe zum Suizid nicht verfolgt.

Ich lasse mich daher nicht verwirren oder einschüchtern.
Ich bin kein Pharisäer, sondern praktischer Arzt - im Gegensatz zu Herrn Montgomery, muß ich leider feststellen.
Alle Achtung übrugens vor Herrn Daniel Bahr!
Und möge er weiter ein liberales Rückgrat behalten!

Dr.Karlheinz Bayer,
Bad Peterstal

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