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Avatar #94723
am Donnerstag, 23. August 2012 um 02:16

Sebastian Guevara Kamm

Guten Abend, darf ich denn Kollege sagen?
Zunächst wäre es nett, wenn Sie sich nicht als Verfasser der Strafanzeige ausgeben. Hinsichtlich Ihrer Ausführungen, das "nur wenige" Mohelim die oral genitale Penisblutsaugung praktizieren, kann ich dies nicht verifizieren, sehe das aber im Rahmen des möglichen. Schließlich kam erst gestern ein Oberrabbiner und warb für Eingriffe ohne Betäubung. Zumindest möchte ich darauf hingewiesen sehen, dass hier nicht medizinische Künste im Vordergrund stehen. Verifizieren kann ich hingegen, dass der Eingriff in Deutschland ohne Approbation und Kontrolle durch die Ärztekammern erfolgt und durchgeführt wird. Zur aktuellen Studienlage:

Klinische Pädiatrie 2001 über 30% (Näher Stehr/Schuster/Dietz/Joppich, (Nr. 213), 50 (53) mwN.)

Neuere Studie, für Kinder aus einer großen amerikanischen Klinik (n=8.967) waren schwere Spätkomplikationen mit 7,4% für in der Ambulanz durchgeführte Operationen und 4,7% bei Stationär beschnittenen publiziert worden(1). Andere Studie aus USA n=329 lag bei 7,29% (2). Wohl bemerkt, durch Ärzte. Ansonsten liegen die Raten viel höher. Iran 20,4% (3) 52% Nigeria (4).
Ebenso bemerkenswert (n=373):
Abnahme des Onaniewohlempfindens bei 48%, Schwierigkeiten bei Onanie 63% der Probanden, 20% verschlechterung Sexualleben (5)

Aber das ist hier die falsche Stelle, um das zu debattieren.

Mein Vorschlag zur Kompromisslösung:
Dieser kann M.E. nur so aussehen, dass an dem Kind kein operativer Eingriff mehr vorgenommen wird, dass ist der Fall bei einer "nicht mehr als punktförmigen Eröffnung der äußeren Haut". Etwa durch Anritzen mit einer Nadel, ähnlich wie bei der Blutzuckerprüfung. Dabei handelt es sich zwar um eine Körperverletzung, aber ich könnte mir vorstellen, das eine solche -aufgrund ihrer abschätzbaren Risiken- gesetzlich geregelt werden könnte.
Guten Abend.

(1)Late complications of newborn circumcision: a common and avoidable problem.
Pieretti RV, Goldstein AM, Pieretti-Vanmarcke R.
Source Section of Pediatric Urology, Massachusetts General Hospital, Boston, USA.
(2)Clin Pediatr (Phila). 2006 Jan-Feb;45(1):49-54.
Incidence of meatal stenosis following neonatal circumcision in a primary care setting.Van Howe RS.Source Department of Pediatrics, Michigan State University College of Human Medicine, Marquette, Michigan, USA.
(3)Joudi M, Fathi M, Hiradfar M.Pediatric Surgery, Mashhad University of Medical Sciences, Mashhad, Iran.
(4) Complications of traditional male circumcision. Ahmed A, Mbibi NH, Dawam D, Kalayi GD.Department of Surgery, Ahmadu Bello University Teaching Hospital, Zaria, Nigeria.
(5)DaiSik Kim and Myung-Geol Pang
Avatar #108046
am Donnerstag, 23. August 2012 um 08:51

@ mkochen

Es geht hier nicht um eine medizinische Behandlung, die notwendig durchgeführt werden muss, wo es nur um die konkrete Art und Weise der Behandlung geht. In einem solchen Fall hätte Sie sicher Recht, dass die Studienlage dünn ist und nicht repräsentativ.
Hier geht es aber um eine religiös veranlasste Körperverletzung, für die keinerlei medizinische Notwendigkeit besteht. Die Babys oder Kinder sind vollkommen gesund (zumindes in Bezug auf die vorgenommene "Behandlung"). Die "Behandlung" hat auch keinen präventiven Zweck (wie z.B. eine Impfung), der den Eingriff rechtfertigen könnte. In diesem Fall ist es völlig unrelevant, ob die Fallzahl von Studien niedrig ist oder die absolute Anzahl bekannter Komplikationen gering ist. In diesem Fall ist jede einzelne Komplikation eine zu viel, da sie einem gesunden Kind zugefügt wird.
Avatar #94723
am Donnerstag, 23. August 2012 um 11:12

Studie ist doch Repräsentativ

Hallo, also eine Kohortenstudie die durch das US Institutional review board genehmigt wurde mit einer Fallzahl von n=8.967 über schwere spätfolgen neonataler Zirkumzision, wie sie unten aufgeführt ist, darf sich durchaus repräsentativ nennen.
An der Studie hat offensichtlich auch ein jüdischer Glaubensangehöriger teilgenommen
Avatar #99598
am Donnerstag, 23. August 2012 um 11:46

Ich danke dem Erstatter der Strafanzeige...

für seinen Mut, seine Aufrichtigkeit und sein Engagement! Ich habe mich sehr darüber gefreut! Und ich freue mich darüber, dass in Sachen Genitalverstümmelung bei Männern und männlichen Kindern endlich die Diskussion in die richtige Richtung läuft.
Immerhin war vor rund drei Wochen hier im Ärzteblatt noch zu lesen, dass der Eingriff der Beschneidung (=Gentialverstümmelung) „ein völlig harmloser Routineeingriff” sei, dass man viel Wind um nichts machen würde und dass man die ärztliche Haftung für Körperverlertzung aushebeln und zugleich sogar die Sozialkassen bescheißen könnte, wenn man einfach die Diagnose Phimose stellen würde!!!
Die jetzige Diskussion zeigt mir, dass (hoffentlich) endlich ein genereller Wandel der Ansichten erfolgt, indem sich auch Ärzte bewusst werden, was dort eigentlich tatsächlich geschieht, nämlich eine Genitalverstümmelung, wie sie bei Mädchen und Frauen (Gott-Sei-Dank) seit vielen Jahren endlich geächtet und in Europa verboten ist.
Als nächstes muss es darum gehen, diese Entwicklung eines geschärften Bewusstseins in die politische Ebene und die Legislative hinein zu tragen. Der Schritt einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft ist hierzu ein wichtiger Schritt.
Wie wir aber aus trauriger Erfahrung wissen, kann ein Staatsanwalt (fast) nach eigenem Gutdünken Verfahren einstellen, niederschlagen usw. Deshalb wäre es sehr förderlich, wenn solche Strafanzeigen bundesweit massenhaft gestellt würden!
Wie viel Arbeit noch gegen den Einfluss mächtigster Lobbyisten-Verbände geleistet werden muss, sieht man an der meiner Ansicht nach ekelhaft feigen Haltung von Westerwelle und an den wütend-machtvollen Reaktionen islamischer und jüdischer Spitzenverbände. Gerade letztere greifen mal wieder in die altbewährte Trickkiste und manipulieren deutsche Entscheidungsträger mit dem Hinweis auf angebliche Schuld aus brauner Vergangenheit, die auch heute noch verpflichte! Das ist zwar eine andere „Baustelle” als die hier anstehende Diskussion um ein angebliches „Recht” zur Durchführung von religiös gerechtfertigtem Gesetzesbruch durch Genitalverstümmelung. Aber die Unverschämtheit und Dreistigkeit, mit der von Seite der jüdischer Religionsgemeinschaft mit Hinweis auf „Schuld aus brauner Vergangenheit” immer wieder Vorteile, Sonderbehandlung und Sonderrechte eingefordert werden, die empört mich. Und es wird Zeit, dem endlich mit einem klaren NEIN zu begegnen!!!

Wir brauchen viel mehr mutige Ärzte, wie der Anzeige-Erstatter! Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Anzeige nicht die einzige in Deutschland bliebe, denn Unrecht muss als Unrecht benannt und verboten werden!

Clemens M. Hürten - Lebenslust jetzt! - Rottweil
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am Donnerstag, 23. August 2012 um 12:28

@mrdoc "Studie ist doch repräsentativ"

...abgesehen von der Frage der Repräsentativität einer Kohortenstudie (über die trefflich - aber nicht an dieser Stelle - diskutiert werden könnte): Sie haben behauptet "Die Meatusstenose ist eine gravierende Komplikation der neugeborenen Zirkumzision und wird mit über 30% in der Literatur beschrieben". Mein erster Kommentar bezog sich genau auf diese Aussage, die simpel falsch ist.

Ob ein Studienautor "offensichtlich jüdischer Glaubensangehöriger" ist, sollte in einer vornehmlich von wissenschaftlichen bzw. verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten bestimmten Debatte keine Rolle spielen. Oder wollen Sie Ihre Vermutung mit bestimmten "Rassemerkmalen" untermauern?

Vielleicht noch ein letzter Punkt: Seit dem Kölner Urteil fühlen sich hierzulande viele Menschen - keineswegs nur Ärzte, Wissenschaftler oder Juristen - berufen, Stellung zu beziehen. Dabei wird – meist mit empörtem Tonfall - das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit (ein auch von mir hochgehaltener Verfassungsgrundsatz) in den Mittelpunkt gestellt. Von vielfachen, anderen Verletzungen dieses Rechts von Kindern in unserem Alltag ist praktisch nie die Rede. Aber hier geht es ja um Muslime und Juden (sogar – oh Gott – um einen leibhaftigen Rabbiner), das ist ja doch etwas Anderes… Bei einer solchen Sauerei wie der rituellen Beschneidung wird man als anständiger Bürger ja geradezu gedrängt, die Gerichtsbarkeit (erneut) zu bemühen.

In den meisten unserer europäischen Nachbarstaaten wird die Abwägung verschiedener Grundrechte in Bezug auf die Beschneidung offenbar unproblematischer gesehen als hierzulande. Aber diese Nachbarn, das weiß man ja, haben vermutlich erhebliche Defizite in ihrem Rechtsempfinden...

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