am Mittwoch, 5. Dezember 2012 um 13:58

von Mäusen und Menschen ... klingt bekannt! *)

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Down-Syndrom: Lithium bessert kognitive Leistung im Tiermodell
vom Dienstag, 4. Dezember 2012

Menschen mit Down-Syndrom unterscheiden sich 47:46 von "normalchromosomigen" Menschen. Immerhin sind das etwa 2%.

Mäuse haben überhaupt nur 40 Chromosomen, eine Trisomie 21 gibt es demzufolge nicht. Die Ts65Dn-Maus ist auch keine echte Trisomiemaus, sondern sie weist lediglich ein zusätzliches Chromosom-16-Bruchstück auf. Eine solche Retorten-Maus als Down-Syndrom-Modell zu bezeichnen, ist allenfalls ein Wunschgedanke, ein vielleicht verzweifelter Versuch, Parallelen sehen zu wollen. Die genetischen Unterschiede liegen zuim menschen bei 20 %.

Aufgrund der genetischen Unterschiede weichen Menschen von Mäusen in so vielen Details ab, daß seriöse Wissenschaftler längst Mäuseexperimente als obsolet bezeichnen. Beispielsweise übt sich das auf die Cytochrome aus, mit denen der Körper gegen Vergiftungen vorgeht. Die Cytochrom-Differenzen sind der Grund, warum Ratten und Mäuse sich sehr sicher mit Cumarinen (Warfarin) vergiften lassen, welche Menschen relativ gut vertragen. Hingegen reagieren Menschen auf Metalle wie Lithium, Thallium oder auf Arsen heftiger als Nager, weshalb man die Rattengifte auf Metallbasis allmählich ausgesondert hat.

Wie jetzt gentechnisch veränderte (Ts65Dn-Mäuse werden durch Cäsiumbestrahlung "erzeugt") Mäuse auf Lithium reagieren, und wie Menschen mit Down-Syndrom das tun, kann nicht wirklich interessieren. Aber aus der einen Künstlichkeit eine Option für einen ganz anders gelagerten Defekt zu konstruieren, offensichtlich nur, um den Lithiummarkt zu vergrößern, ist fremd und befremdlich.

Ebenso wie der Satz, Lithium würde die "kognitive Leistung" im Tiermodell bessern.

Kognitiv kommt bekanntlich von cognoscere, erkennen, erfahren. Psychologisch gesehen ist Kognition ein Prozeß, der sich mit Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünschen und Absichten befaßt. Hier zu sagen, man habe es womöglich auch nur mit einem Modell zu tun, ist Himbug. Menschen mit Down-Syndrom verfügen definitiv über Kognition, Mäuse, wage ich zu sagen, nicht.

Dr.Karlheinz Bayer

*) "of mice and men" ist ein lesenswerter Roman Steinbecks aus der Zeit der amerikanischen Wirtschaftskrise

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