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Avatar #99598
am Montag, 21. Januar 2013 um 19:41

Nicht wegen der angeblichen Rechtsrisiken…

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Viele Ärzte verzichten wegen Rechtsrisiken auf eigene Website
vom Montag, 21. Januar 2013
Dass so viele Ärzte keine eigene Website haben, wundert mich nicht. Aber dass die Ursache in der Sorge vor Abmahnungen oder anderen Problemen liegen soll, halte ich für unglaubwürdig.

Ich betreibe neben meiner Beratungspraxis auch eine kleine Werbeagentur, spezialisiert auf Heilberufe. Daher kenne ich die ablehnenden Argumente der Ärzteschaft, egal ob sie mir von Ärzten genannt wurden oder ob ich sie selbst schlussfolgern konnte:

1.) Die „Kunden” / Patienten kommen doch von allein. Ein Blick in die Gelben Seiten oder das Telefonbuch reicht.

2.) Das Empfehlungsmarketing von Patienten in deren Bekanntenkreis reicht völlig aus.

3.) Eine eigene Website macht nur Arbeit und will dauernd technisch und inhaltlich gepflegt werden, ohne dass sie nachweisbar zusätzliche Patienten bringt.

4.) Die Praxis ist auch ohne Website schon mehr als ausgelastet. Zusätzliche Nachfrage von Patienten müsste abgewiesen werden.

5.) Was sollte man als Arzt denn überhaupt auf der eigenen Website mitteilen? Das liest doch eh keiner!

6.) Sich zusätzlich zur Arbeit in der Praxis und der damit zusammenhängenden Verwaltungsbürokratie auch noch die Arbeit mit einer Website aufzuhalsen, das ist unerwünscht.

Ignoriert wird aber meist:
dass gerade Privatpatienten dazu neigen, sich zuvor übers Internet zu informieren.

dass Ärzte- und Klinik-Bewertungsseiten immer mehr Bedeutung bekommen und es daher besser ist, aktiv zu kommunizieren und die Inhalte zu beeinflussen, als passiv zu bleiben und andere die Inhalte allein bestimmen zu lassen.

dass ein Teil der ärztlichen Beratung über die eigene Website erbracht werden kann und so die Sprechzeiten je Patient verringert werden können.

dass auch ein Arzt mit seinen Leistungen um so attraktiver wahrgenommen wird, je mehr er sich auf ein (bis maximal drei) Fachgebiete spezialisiert und diese auf der Website entsprechend darstellt.

dass das Heilmittelwerbegesetz seit Oktober 2012 etwas entschärft worden ist, sodass die Abmahngefahr deutlich geringer geworden ist, die Werbemöglichkeiten zugenommen haben.

dass die in den Praxisräumen oft als aufdringlich empfundene Werbung für IGEL-Leistungen mehr auf die Website verlagert werden kann und so eine seriösere Wirkung erreicht wird.

Ich finde es schade, wegen der verpassten Umsätze — sowohl auf Seiten der Ärzte / Heilberufe, aber auch auf meiner Seite. :-)

Clemens M. Hürten — Lebenslust jetzt! — Rottweil
Avatar #645735
am Montag, 21. Januar 2013 um 21:21

Risiko ist nicht zu vernachlässigen

Man sollte Nutzen und Risiko gegenüber stellen. Allein eine Unachtsamkeit bei der Website bringt eine Abmahnung von 1000 Euro aufwärts ein. Wenn erfahrungsgemäß keine Patienten über das Internet kommen, ist die Website überwiegend ein potentielles Risiko und bringt keine Einnahmen. Der Arzt hat ein doppeltes Risiko, durch Abmahnanwälte und die Ärztekammer, die schnell mal einen Verstoß gegen die Berufsordnung erkennen will und ein Verfahren einleitet, was auch richtig Geld kostet.

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