am Samstag, 16. Februar 2013 um 21:16

Durchgehende Zustimmung

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Honorararztwesen in Deutschland: Eine gefährliche Entwicklung
aus Dtsch Arztebl 2013; 110(7) vom Freitag, 15. Februar 2013
Die Ausführungen des Kollegen Andres sind zu unterstreichen: Auch ich habe (leider) durchweg schlechte Erfahrungen mit Honorarkollegen gemacht: Meist sind sie unfreundlich (bis unverschämt), unmotiviert (schlimmstenfalls arbeitsverweigernd) und zu einem nicht unerheblichen Anteil mäßig kompetent. Der Gedanke der "Rosinenpickerei" drängt sich auf! Die Gefahren die Herr Andres sieht sind m. E. real und versorgungsgefährdend.
am Sonntag, 17. Februar 2013 um 09:20

Einladung zum Gastvortrag

Sehr geehrter Herr Dr. Andres,
hiermit möchte ich Sie zu unserem diesjährigen Symposium zum Thema Honorarärzte im Deutschen Gesundheitswesen vom 6.9. bis 8.9. in Berlin Dahlem einladen. Ich würde mich über Ihre Beteiligung im Rahmen eines kritischen Vortrags zum Thema sehr freuen! Ich darf Ihnen hiermit persönlich einen ausreichenden Raum für eine ordentliche und ausführliche Diskussion zusichern, die hier im DÄB allerdings jeden Rahmen sprengen würde.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Nicolai Schäfer, Bundesverband der Honorarärzte (BV-H e.V.)
am Sonntag, 17. Februar 2013 um 10:27

Zu offensichtlich

Meine eigenen Erfahrungen mit Honorarärzten sind das genaue Gegenteil: Mit Honorarärzten erreiche ich Kollegen,
die noch nicht völlig desinteressiert, abgearbeitet und desillusioniert vom Krankenhausalltag Dienst nach Vorschrift machen.
Denn da kommen zeitlich flexible, fast immer überdurchschnittlich gut ausgebildete und engagierte Mitarbeiter.
Klar sind die selbstbewusst und genau scheint dass stört den Kollegen Andres zu stören.
Klar verdienen die pro Stunde mehr, wenn sie denn gebucht werden (der Lohnabstand zwischen den Honorarärzten und dem Kollegen Andres wird aber schon noch groß genug sein).
Der Kommentar zeigt doch nur, dass einigen leitenden Ärzten in Deutschland gedanklich die Felle wegschwimmen, denn ihre ständischen Privilegien kommen unter die Räder. Darum geht es.
Die Personalpolitik des deutschen Krankenhauses, vor allem aber die innerärztlichen Strukturen sind auf dem Nivau der fünfziger Jahre.
Die Herausforderungen sind aber die von 2013. Honorarärzte geben zumindest eine Antwort auf diese Herausforderungen.
Deshalb: Es wird kein back to the roots geben, so offensichtlich hier Lobbyarbeit für die Restauration des allen Lesern sattsam bekannten deutschen Krankenhauses betrieben wird.
am Sonntag, 17. Februar 2013 um 10:51

Gefühlte Qualität?

Die vom Autor gewonnenen Erkenntnisse machen nicht den Eindruck, als seien sie von höherer Evidenz als die des von ihm selbst kritisierten Instruments Umfrage.
Qualitativ bewegt sich der Honorararzt wohl eher im gleichen Bereich wie die im Angestelltenverhältniss tätigen Kollegen. Warum sollte es anders sein? Weil nur die Totalausfälle in die Freiberuflichkeit wechseln? Unwahrscheinlich.
Wo wir schon bei Qualität sind: schön zu erleben, dass der Honorararzt das Ende der qualitätsorientierten Medizin sein soll (Hr. Schüttler), aber die Kollegen aus dem Rest der Welt, bar jeder Sprach- und Sachkenntnis, offenbar als die Rettung der deutschen Krankenhauswesens gefeiert werden.
Das Herr Andres als Chefarzt natürlich der Ansicht ist, die Hieracheien seien flach und die Chefs von heute alle total knorke versteht sich von selbst. Daher kann er auch kein Verständnis dafür aufbringen, das Menschen der Befehlsgewalt seinesgleichen entfliehen möchten.
Die Angesprochenen Stundenlöhne sind schon recht hoch gegriffen, ich habe leider noch nie einen solchen aushandeln können. Unabhängig davon ist die finanzielle Belastung, die ein Söldner darstellt, überschaubar:
1) mangels Lohnnebenkosten, Urlaub, Krankheit und Fortbildung sind Söldner auf's Jahr gerechnet auch nicht wesentlich teuerer als eine Oberarztstelle
2) Da die unbesetzten Stellen nicht 1-zu-1 mit Freiberuflern besetzt werden spart ein Krankenhaus ja schon einige Assistentengehälter ein, wovon ein Söldner prima zu finanzieren ist.
3) Vor nicht allzu langer Zeit waren die Kliniken noch bereit den Chefärzten exorbitant hohe Gehälter zu bezahlen. Das hat sich geändert, aber auch damals war der Aufschrei der Empörung, daran würde das Gesundheitssystem zerbrechen und die Beiträge der Versicherten verschwendet, nicht zu hören. Schon gar nicht von den Chefärzten, nebenbei bemerkt.

Aber wenn wir schon bei "aus meiner Erfahrungs"-Geschichten sind:
Oft genug bin ich (ein Honoraranästhesist) der letzte im OP, oft genug bin ich derjenige für die aufwendigen OP's, was vielleicht auch daran liegen mag, dass ich nicht selten auch der einzige Facharzt weit und breit bin und die so kollegialen Herren Chefärzte die aktive Tätigkeit im OP an echten Patienten als unter Ihrer Würde betrachten.

Zum Thema "Qualitätszertifikat"
Auch die Mitarbeiter von Herrn Andres müssen ein Qualitätszertifikat beibringen, auch wenn er es vielleicht nicht so empfindet: sie müssen (als Fachärzte) ihre Fortbildungspunkte sammeln und nach fünf Jahren ein Fortbildungszertifikat erwerben, ein polizeiliches Führungszeugnis beibringen, eine Arbeitserlaubnis, Sprachzertifikat, Approbation etc. vorweisen können. Im wesentlichen sind das auch die Inhalte des angedachten Qualitätszertifikats des Berufsverbandes, wobei es schon eine ziemliche Unverschämtheit ist zu postulieren, das, wer seine Qualifikation nachzuweisen gewillt ist, scheinbar ein Problem mit derselben habe. Sonst könnten wir ja auch die ärztliche Prüfung abschaffen und einfach davon ausgehen, dass alle sowieso ganz schwer auf Scheibe sind, jedenfalls wenn sie im Angestelltenverhältnis zu arbeiten gedenken.

In einem Punkt muss ich Herrn Andres jedoch recht geben:
Honorarärzte weisen keine oder wenig Identifikation mit dem Arbeitgeber auf.
Allerdings haben wir dadurch, dass wir uns weniger mit dem Erlös der Klinik beschäftigen müssen, wieder mehr Zeit uns für die Patienten zu interessieren.

Zum Kommentar von Dr. Beierlein:
"Meist sind sie unfreundlich (bis unverschämt), unmotiviert (schlimmstenfalls arbeitsverweigernd) und zu einem nicht unerheblichen Anteil mäßig kompetent."
Genau, und die meisten sind auch hässlich, riechen schlecht und schlagen ihre Kinder.

Herr Andres: ich habe im Mai noch Zeit, sprechen sie mich an, ich helfe gerne.

am Sonntag, 17. Februar 2013 um 12:05

Honorarärzte: eine gute Alternative zur Festangestellung oder Niederlassung

Mit der Meinung vom Chefarzt Dr. Meisers bin ich nicht einverstanden. Es ist schade, dass er nur negative Erfahrungen mit Honorarärzten gemacht hat. Es gibt sehr viele andere Erfahrungen der deutschen Krankenhäuser, die über mehrere Monate und in Einzelfällen Jahren die Honorarärzte beschäftigen. Es ist natürliche eine Notsituation für das Haus aber wenn es an Qualität bei solcher Ärzte gemangelt hätte, hätten die Krankenhäuser es über mehrere Jahren nicht gemacht. Normalerweise, wenn ein Honorararzt über eine ernsthafte Vermittlungsagentur an das Krankenhaus vermittelt wird (was natürlich einbichsen mehr kostet) wird auf das Qualität des Arztes streng geachtet, bei mangelnder Qualität oder einer negativen Rückmeldung des vorherigen Auftrag- bzw. Arbeitsgebers wird der Arzt/in nicht weiter vermittelt. An der Stelle sind die Regeln bei den guten Agenturen hart.
Nun allgemein zu pauschalisieren und zu sagen, alle Honorarärzte haben ganz schlechte Qualität finde ich schlicht weg falsch. Es gibt natürlich einige negative Ausnahmen aber meistens mit denen ich während meiner Tätigkeit als Ärztevermittler konfrontiert war, waren sehr gute, kreative Personlichkeiten, qualitativ gut ausgebildetete Ärzte und flexible Kollegen, die ich erleben durfte. Wenn ich mit denen gesprochen und gefragt habe, was für Grund sie hatten als Honorararzt tätig zu sein viele haben (natürlich neben dem Wunsch besser verdienen zu können, was allgemein menschlich verständlich ist) gesagt, dass sie unabhängig sein wollten, eigene Zeit selbst planen können, die Familie und den Beruf flexibel verbinden können, frei von den Krankenhauszwängen zu sein. Sind das nicht gute Bewegungsgründe und eine gute Alternative zu einem Festangestellten Arzt oder einer Niederlassung?
An der Stelle des Autors würde ich mich fragen, warum suchen viele festansgestellte Ärzte eine Alternativmöglichkeit? Das Geld spielt dabei natürlich eine große Rolle. Aber es ist nicht nur das Geld, sondern auch die Weiterbildungsmöglcihkeit, Intergration in ein neues Team, Lernen, wie es in den anderen Häusern läuft.
Häufig höre ich von vielen Honorarärzten, dass sie sich auf Dauer nicht binden wollen und möchten sich flexibel fühlen. Es sagt aber nicht über deren mangelnde Fachqualität, sondern mehr über ihren eigenen Wunsch nach einer relativer Freiheit.
Aus meiner Sicht ist ein Honorararzt zu sein eine "dritte" gute Alternative zu den seit Jahren bekannten und bestehenden in Deutschland zwei anderen Modellen wie eine Festanstellung oder eine Niederlassung. Ich finde ist es gut entsprechend eigener Persönlichkeit frei entscheiden zu dürfen, was man machen möchte. Wenn man eine Sicherheit neben seinem zu Hause mit niedrigerem Gehalt sucht, ist eine Festanstellung sicherlich eine gute Variante, wenn man aber jung, kreativ gut ausgebildet, risikobereit, örtlich flexibel ist, könnte man diesem Arzt eine Honorararzttätigkeit empfehlen. Ich bin überzeugt, dass es gut ist, dass heuzutage mehr Alternativmodellen im Bereich Medizin existieren.
Und ich finde, dass solche künstliche Versuche diesen Weg den Ärzten zu unterbinden schädlich.

Vladimir Krassilschikov
BDAerzte/Ärztevermittlungsagentur

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