am Samstag, 2. März 2013 um 13:22

Nachrichten aus dem Tollhaus?

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KBV-Vertreter­versammlung: EBM-Reform geht weiter
vom Freitag, 1. März 2013
Zunächst habe ich mal ganz unter uns gedacht, wenn am 1.3.2013 eine ebenso grundlegende wie grottenschlecht vorbereitete EBM-Reform in einer KBV-VV beschlossen werden soll, die ganze vier Monate später, zum 1.7.2013, in Kraft tritt, würden selbst ungelernte Augenärzte als Parteivorsitzende erbleichen.

Facharzt-lastig eine Reform des Hausarzt-EBM und g l e i c h z e i t i g die Einführung einer fachärztlichen Grundpauschale zu forcieren, bedeutet doch nur "rechte Tasche - linke Tasche". Insbesondere, wenn gleichzeitig die desaströse Anpassung des Orientierungspunktwertes mit +0,9% den Inflationsausgleich, die allgemeine Kostensteigerung bzw. Morbiditäts- und Demografie-Risikofaktoren realisieren sollte?

Der Gipfel Realität verleugnender Irrationalität ist allerdings der Dreierpack-Tarif der KBV-Spitze!
• Wahltarif I: Hausärzte/-innen würden mit den Brosamen eines Regelleistungsvolumens (RLV) pauschal abgestraft und budgetiert, während die Damen und Herren Fachärzte ohne Überweisung dicke Einzelfallabrechnungen produzieren und die Patienten trotz vorab eingezahlter GKV-Beiträge ein weiteres Mal Facharztrechnungen bezahlen dürften.
• Wahltarif II: Das billige Sachleistungsprinzip gilt grundsätzlich nur für Hausärzte (vulgo "Barfußmediziner", "Treppenterrier"). Für Fachärzte gilt dagegen im rechtsfreien Raum auf jeden Fall die lukrative Kostenerstattung. Mit Einzelleistungsvergütung, versteht sich!
• Wahltarif III: Freie Hausarzt- und Facharztwahl nach "flatrate"-Manier und "all-you-can-eat"-Prinzip. Diese Perversion des Sachleistungsprinzips, von KBV und SpiBu (Spitzenverband Bund der GKV-Kassen) eingebrockt und derzeit praktiziert, müssten Versicherte mit einem Sozialgesetzbuch-widrigen, teuren Zusatzbeitrag bezahlen?

Als EBM-Reformtheater performt eine Schar von Laienschauspielern dilettierend den Shakespeare'schen Sommernachtstraum: Oberon der Elfenkönig, alias Dr. med. Andreas Köhler, befiehlt seinem Hofnarren Puck alles, was bisher an Einheitlichen Bewertungsmaßstäben eingestielt wurde, wegen Fehlerhaftigkeit und Betriebsblindheit wieder rückgängig zu machen. Die von der Vertragsärzteschaft geleistete, Krankheit abbildende Kodiertiefe nach ICD-10-GM, der daraus folgende Morbiditätsorientierte Risiko­struk­tur­aus­gleich (Morbi-RSA) und DMP- bzw. integrierte Versorgungs-(IV)-Boni bleiben weitgehend unberücksichtigt. Denn sie fließen weiterhin zu 90 Prozent in GKV-Kassen und Gesundheitfonds und gehen n i c h t an die tatsächlichen Leistungserbringer. Und wo bleibt eigentlich Titania, die Elfenkönigin, alias Regina Feldmann? Vgl.
"Gemischten KBV-Chor - Ein EBM-Sommernachtstraum"
http://www.springermedizin.de/ein-ebm-sommernachtstraum/4020970.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
am Montag, 4. März 2013 um 14:26

Tripple-U-BM statt EBM?

Hat die KBV jetzt die Befragung der Niedergelassenen, hat sie die 80.000 Fragebögen gelesen ... oder wie es scheint doch nicht?!
Viele, wohl die meisten der Allgemeinärzte wünschen sich doch schon lange eine Einzelleistungsvergütung.. Was hier aber geschieht ist faktisch eine Verprivatarztung der Fachärzte bei gleichzeitigem Einzementieren der Budgets für uns Allgemeinärzte.

Man muß sich fragen, ob "Wahl"Tarif so gemeint, wie es in dem unbedeutenden Satz zum Ausdruck kommt, die KBV lege "rechtzeitig zur Bundestagswahl" ein Positionspapier vor? Für wen macht die KBV da Wahlkampf? Für uns Allgemeinärzte jedenfalls eher nicht.

Diese Ver­tre­ter­ver­samm­lung scheint zu wollen, daß aus dem EBM eine Art Tripple-U-BM wird, ein "uneinheitlich-ungerechter-und-ungeeigneter-Bewertungsmaßstab".
Sind das noch Ärzte in der KBV?

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal

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