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Avatar #104249
am Donnerstag, 20. Juni 2013 um 22:27

Den Herrn Tenhagen von Finanztest...

Kommentar zur Nachricht
„Pflege-Bahr“ laut PKV-Verband stark nachgefragt
vom Donnerstag, 20. Juni 2013
...kann man sowieso in vielen Dingen nicht so ganz ernst nehmen. Der ist halt Politikwissenschaftler und hat eher ideologische als sachliche Gründe, Finanzprodukte zu loben oder abzuwerten. Er war früher ja sogar bei der taz...

Und es doch gut, dass es bei den privaten Kran­ken­ver­siche­rungen endlich mal was gibt, was nicht überteuert ist und wo man nicht aus Gesundheitsgründen abgelehnt werden kann.

Viele Grüße
S.
Avatar #115425
am Freitag, 21. Juni 2013 um 12:38

Weder "Fisch noch Fleisch"

Bereits vor dem Beitrag von Herrn Tenhagen habe ich mich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und ich muß ihm leider Recht geben. Eine private (nicht geförderte) Pflegetagegeldversicherung ist leider bei Niereninsuffiezienz nicht mehr möglich. In der Werbung der PKV für solche Versicherungen wird nicht einmal darauf hingewiesen, daß eine Gesundheitsprüfung gefordert wird, das erfährt man erst, wenn das Antragsformular geschickt wird und ob man sich verseichern kann, erst nach Rücksendung des Antrages, bzw. ich habe gleich telefonisch nachgefragt. Dann war diese Sache erledigt.

Bei "Pflegebahr" kann man zwar nicht abgewiesen werden, hat aber eine fünfjährige Wartezeit und muß obendrein im Pflegefall die Beiträge noch weiterzahlen.

Diejenigen, die es nötig haben sich abzusichern, müßten auch einen hohen Tagesgesldsatz wählen und können dies aber aufgrund ihrer finanziellen Lage nicht zahlen. Andere mit genügend Einkommen brauchen sich nicht so hoch abzusichern und kommen auch noch in den Genuß niedrigerer Beiträge. Die monatlichen 5 Euro Zuschuß sind weniger als der "Tropfen auf den heißen Stein."

Wenn laut PKV eine hohe Nachfrage besteht, heiß das auch noch lange nicht, daß auch ausreichend Verträge abgeschlossen werden. Das ganze klingt nach starker "Selbstbeweihräucherung" der PKV.

Die Begriffe "Selbstverantworung/Eigenverantwortung" sind mindestens in diesem Zusammenhang eine Farce. Der einzelne kann nicht wissen, ob es für ihn sinnvoll ist oder nicht, bzw. kann es nicht "stemmen" wenn es soweit kommt. Die Versicherungen haben es dabei leichter. Sie können es nach dem "Gesetz der großen Zahl" berechnen, die für den einzelnen keinerlei Bedeutung hat.

In der Ärztezeitung wird dieses Thema auch kritischer behandelt, als hier im Ärzteblatt. Dort habe ich leider keine Berechtigung für Kommentare, da ich ein "medizinischer Laie" bin. Ich kann aber dem Kommentar dort von Hr. Dr. Schätzler voll zustimmen.

Im übrigen habe icht mir schon in den 70-iger Jahren über dieses Thema Gedanken gemacht, weil eine Arbeitskollegin für die Pflege ihrer Mutter verwantwortlich war. Ich bin damals zu dem Entschluß gekommen, es müßte eine Pflichtversicherung geben, die einen solchen Fall voll abdeckt, weil niemand so recht daran denken will. Wenn dann unter dem Strich vom Gehalt zu wenig übrigbleibt, kann man - vielleicht - über die Lebens- bzw. Familienplanung noch steuern. Von mir aus zahle ich auch für die, dies eigenlich nicht nötig hätten noch mit.

Das gleiche gilt übrigens auch für die Rente (Riester). Bei der Einführung hat mir ein Generalvertreter einer Versicherung auch "zugeflüstert", dass diejenigen, die es nötig hätten, sich das nicht leisten können.

Zu sagen, ich brauche den Staat nicht, empfinde ich als falschen Stolz, der evtl. sogar dazu führt, ihn im Alter erst recht zu brauchen. Schließlich ist jeder (ehrliche) auch für den Staat da, und der kann dann auch erwarten, dass der Staat für ihn da ist.Und von wegen "Vollkasko"-Mentalität, das sagen meistens diejenigen, die ihre Luxuswagen "VK" versichert haben.
Avatar #667558
am Freitag, 21. Juni 2013 um 20:04

Vergleichsmaßstab fehlt

Wieviele Verträge wären denn ohne den Pflegebahr abgeschlossen worden? Das wäre doch einmal interessant zu wissen. Wahrscheinlich fast genauso viel. Ein Zuschuss von 5 Euro ist aus meiner Sicht auch eher lächerlich. Hier http://www.pflegeversicherung-heute.de/pflegeversicherung-test/ sieht man noch einmal, dass ungeförderte Varianten im Test sogar teilweise besser abschneiden. Die Riester Rente hat vorgemacht, was der Pflege-Bahr weiterführt.
Avatar #106067
am Samstag, 22. Juni 2013 um 12:10

"Du bist das Pflaster für meine Pflege"

Gerade mal 1 % der Befragten will in den kommenden zwölf Monaten eine private Pflegezusatzversicherung (Pflege-Bahr) abschließen. Eine "Schöne, neue private Pflegewelt" haben sich da die Versicherungswirtschaft und unsere Schwarz-Gelbe Regierungskoalition zusammen gezimmert. Nur, um dem FDP-Wahlergebnis bei der Bundestagswahl im September 2013 aufhelfen zu wollen.

Der „große Erfolg“, von dem der Vorsitzende des Verbandes der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV), Reinhold Schulte (Signal-Iduna), beim staatlich geförderten „Pflege-Bahr“ spricht, bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Angesichts von gut 80 Millionen Bundesbürgern gerade 150.000 Neuverträgen schönreden zu wollen, zeugt von illusionärer Verkennung und unsinnigen Durchhalteparolen im Versicherungsgewerbe, das wegen der Europäischen Niedrigzinspolitik eh' schon auf dem Zahnfleisch geht. Vgl.
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/w_specials/special-versicherungen/?sid=840975

Eine trügerische Illusion: Fünf Euro monatlich/60 Euro jährlich Staatszuschuss wären angesichts der aktuellen G e s e t z l i c h e n Pflegeversicherung in Abhängigkeit von Pflegestufe I-III mit monatlichen Höchstsätzen als geldwerte Leistungen von 450 EUR Stufe 1 / 1.100 EUR Stufe 2 / 1.550 EUR Stufe 3 bei D i r e k t zahlung ein "Tropfen auf den heißen Stein". Aber diese 5 Euro wandern auch noch umständlich als Zuschuss in eine z u s ä t z l i c h e private Pflegezusatzversicherung und finanzieren damit nur zum Teil Kontrahierungszwang und Verwaltungskosten der Versicherungskonzerne, b e v o r irgendeine Versicherungsleistung fließt. Und da die Pflegestufe III nur bei "sozialverträglichem Frühableben" gewährt wird, schließt sich der Kreis.

Der Versicherungsfall darf und soll möglichst nie eintreten, damit sich die Versicherungswirtschaft, neben Hotelgewerbe und Banken Lieblingsklientel der kleinen FDP, gesund stoßen kann. Und die privaten Zusatzpolicen, die jetzt schon ab 60 Euro pro Monat aufwärts beginnen, werden in den nächste Jahren noch massiv steigen. Trostpflaster für die Pflege!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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