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Avatar #653267
am Sonntag, 26. Januar 2014 um 13:05

MDK: Leben in der Illusion

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Dr. med. Sabine Schellert, Medizinischer Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) Nordrhein: Aus dem OP zum Medizinischen Dienst
aus Dtsch Arztebl 2014; 111(1-2) vom Montag, 6. Januar 2014
Die Kollegin Schellert beschreibt das Bild welches der MDK gerne von sich selbst verbreitet sehen möchte. Allerdings ist die vom MDK gelebte Realität, mit der die angestellten Kollegen und die selbstständigen Niedergelassenen tagtäglich konfrontiert werden eine gänzlich andere.
Der MDK wird von der jeweiligen Krankenkasse beauftragt dem behandelnden Arzt eine ärztliche Meinung entgegenzusetzen um der Krankenkasse Geld zu sparen. Ob dies in einer Änderung einer DRG, einer Verweigerung einer ambulanten Leistung oder ähnlichem besteht ist dabei erst einmal nebensächlich.
Besonders entlarvend wirkt hier die Bemerkung der Kollegin Schellert „Aber ich fand das auch plausibel, dass da mal jemand schaut, wie sich ein Fall entwickelt“, denn im stationären wird ja gerade ex post geprüft und entschieden, wenn man die Entwicklung eines "Falles" (in der Regel sind es Patienten und somit menschliche Wesen) nicht mehr beeinflussen kann und nur noch um eine Reduktion des Erlöses verhandelt wird.
Im ambulanten Bereich drängen die Kassen auf eine Vermeidung der 7. Woche und schreiben ab der 4. Woche die Patienten an. Hierbei wird pauschal behauptet, die Kasse habe sich mit dem behandelnden Arzt und dem MDK zusammengesetzt, um den besten Weg zur Erlangung einer schnellstmöglichen Arbeitsfähigkeit zu bestimmen. In enger zeitlicher Abstimmung flattert dem behandelnden Arzt das Ersuchen um ausführliche Auskunft (meist vage am Formular 52) inkl. der vollständigen Übersendung der Krankenunterlagen, zwecks Weiterleitung an den MDK über die Kasse ins Haus, gerne auch per Fax. In den wenigen Fällen, die mir persönlich gekannt wurden, in denen der MDK tatsächlich mit einer Beurteilung beauftragt wurde, erfolgte diese nach Aktenlage des behandelnden Arztes. Der "Mehrwert" war erwartbar gering.
In wie fern eine Promotion als Einstellungsvoraussetzung zur Kompetenz des MDK beiträgt bleibt das Geheimnis der Kollegin Schellert.
Auch ihre kritische Bemerkung in Sachen "Spaßbremse" kann man nicht unkommentiert lassen. Der Dreiklang ist uralt: die Kassen verweigern die Bewilligung der Leistung im notwendigen Ausmass mittels Budget, der MDK bescheinigt der Kasse, nach Aktenlage die Rechtmässigkeit der Verweigerung der über das übliche Mass hinausgehenden Leistungen und der Arzt muss das dem Patienten gegenüber vertreten.
"Es sei nicht im Interesse der Versicherten, wenn immer alles bezahlt werde."
Hier stimme ich uneingeschränkt zu. Allerdings sehe ich das Einsparpotential sicher in einem anderen Bereich als die Kollegin Schellert. Mehr Einsparungen in der Verwaltung von GKV, KV und MDK= mehr Leistung für die Patienten ohne höhere Kosten.
Avatar #2546
am Montag, 27. Januar 2014 um 08:27

Die Finanzierung des MDK ist das Problem!

Ein Grundproblem des MDK ist die finanzielle Abhängigkeit von den Kran­ken­ver­siche­rungen. Neutralität und Unabhängigkeit ist doch praktisch nicht möglich, wenn der eigene Arbeitsplatz von den Kran­ken­ver­siche­rungen bezahlt wird. Krankenkassen werden heutzutage wie Wirtschaftsunternehmen geführt, die an ihrem Jahresergebnis gemessen werden. Die Interessenslage ist eindeutig: Wenn weniger Geld für Versicherte und Leistungserbringer ausgegeben wird, bleibt am Jahresende mehr Geld für ein positives Jahresergebnis übrig. Über das Verhältnis von Wertschöpfung und notwendigen Verwaltungsstrukturen bei Kran­ken­ver­siche­rungen/MDK und Patienten/Leistungserbringern sollten wir bei dieser Gelegenheit vielleicht auch mal grundsätzlich nachdenken.
Dr. Sascha Baller
Dr. Baller | Medizincontrolling
www.drg24.de

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