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Avatar #101447
am Samstag, 8. Februar 2014 um 13:33

OLG München - noch mehr als nur eine Tendenz

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Gerichtsgutachten: Oft wird die Tendenz vorgegeben
aus Dtsch Arztebl 2014; 111(6) vom Freitag, 7. Februar 2014
Im Urteil 25 U 2548/12 qualifiziert das Gericht mittels vorgeschobenem "Leitsatz" eine medizinische Leitlinie und deren Fachgesellschaft nicht nur für das vorliegende Urteil ab, sondern für "gutachterliche Beurteilung" allgemein. Zudem bezeichnete das Gericht Handlungsempfehlungen als Leitlinien, die formaljuristisch gar keine Leitlinien sind. Die Deutsche Versicherungsakademie (DVA) nahm dies sogleich zum Anlass, um neue Hürden bei Leistungsfragen der privaten Unfallversicherung zu diskutieren; zu wessen Nachteil, kann sich jeder denken.
Avatar #678513
am Sonntag, 9. Februar 2014 um 21:07

Nicht nur Gerichte geben vor ...

Als langjährig tätiger Gutachter muss ich leider feststellen, dass der Beitrag bzw. die zugrundeliegende Studie ein unzutreffendes Bild der eigentlichen Problematik wiedergibt: Es sind am wenigsten von Gerichten/Richtern vorgegebene 'Tendenzen' welche einen Gutachter beeinflussen, In der Realität handelt es sich um kompliziertes Netzwerk von Fachpersonen, welchen es gegeben ist, den Einsatz/Beauftragung eines bestimmten Sachverständigen zu steuern, zu begünstigen oder zu verhindern.Zuerst sind hier die Jugendämter und die Verfahrensbeistande zu nennen, welche als Verfahrensbeteiligte den Richter stark beeinflussen können und indirekt den Sachverständigen: Wenn einer z.B, nach Fremdunterbringung eines Kindes durch ein Jugendamt mehrfach Erziehungsfähigkeit für gegeben ansieht, wird das Jugendamt dafür sorgen bzw. Vorschläge machen, dass diese Sachverständige nicht mehr berufen wird. Oder ein Verfahrensbeistand, der z.B. überzeugt ist, dass ein Vater schuld daran sei, dass ein Kind ihn nicht mehr besuchen möchte, der Sachverständige jedoch zum Schluss kommt, das Kind sei von der Mutter beeinflusst, wird dafür sorgen dass der Sachverständige es schwer hat in ähnlichen Fällen Aufträge zu erhalten. 'Gesteuert' werden die 'Falschgutachten' viel mehr als durch einen Richter noch durch populäre ideologische Vorurteile, z.B. feministischer Art, wenn z.B. falsche Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs vorgebracht werden. Mir liegen zahlreiche solcher (aussagepsychologischer !) Falschgutachten renommierter Kollegen vor, die Falaschanschuildigungen im Raume stehen lassen mit dem Hinweis, eine Erfahrungsgrundlage könne 'nicht ausgeschlossen werden'.
Der Beitrag war sicher wichtig um die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, die empirische Basis beleuchtet allerdings nur eine kleine Facette .
Avatar #678536
am Montag, 10. Februar 2014 um 09:29

Beruhigendes Ergebnis

Die Überschrift geht in die falsche Richtung. Richtig ist: selten wird eine Tendenz signalisiert. Drei Viertel der befragten Psychiater sagen, es habe nie ein Tendenzsignal gegeben, ein Viertel spricht von "selten" oder von Einzelfällen. - Man fragt sich allerdings, ob Gutachter im luftleeren Raum arbeiten sollen. Wir haben es auf allen Ebenen mit Menschen zu tun, die miteinander kommunizieren. Offen oder unterschwellig werden Botschaften transportiert. Man nur hoffen, dass Gutachter sich ihr eigenes Bild machen. Das war bei Mollath der Fall. Gutachter nutzten ihren Interpretationsspielraum und Gerichte bzw. Richter ihren Entscheidungsspielraum. "Gerechtigkeit oder Tod", lautet das Motto von Mollath. In gewisser Weise "wollte" er in der Psychiatrie bleiben, denn seine Forderung nach einer bedingungslosen und vollständigen Rehabilitation konnte nicht erfüllt werden.
Avatar #109758
am Montag, 10. Februar 2014 um 17:47

@Mackenthun

Sie haben Recht: "Oft" ist verkehrt. Es müsste "Zu oft" heißen, denn jeder Fall ist einer zu viel.

Nicht immer sind es aber die Gerichte, die eine Tendenz vorgeben. Ärztekammern können das auch ganz prächtig, indem sie immer wieder die selben linientreuen Gutachter vorschlagen - auch ohne Ansehen offensichtlicher Befangenheit.

In dieses Bild passt bspw. der Fall des Mainzer Neurologen und Psychiaters Prof. W. N. Zum Glück ließ sich das LG Karlsruhe jedoch nicht täuschen. In einer Urteilsbegründung war unter der betreffenden Geschäftsnummer 7 0 481/97 folgende Passage zu lesen:

„Bedenken gegen die Verlässlichkeit der Einschätzung des Sachverständigen Professor Dr. N. ergeben sich zunächst daraus, dass er in seinem schriftlichen Gutachten vom 24. 06.1998 zumindest teilweise Maßstäbe an die medizinische Notwendigkeit der Heilbehandlung angelegt hat, welche nicht den Kriterien der Rechtsprechung entsprechen....“

Pikanterweise leitete Prof. N. für die Akademie für Ärztliche Fortbildung in Rheinland-Pfalz am 23./24. April 2012 ein Curriculum Medizinische Begutachtung (Grundlagen). Qualifikation scheint in dem bestehenden System eine zu vernachlässigende Komponente zu sein - tut nix (!) zur Sache.

Manches Curriculum sollte womöglich besser die Bezeichnung "Grundlagen für Mietmäuler" tragen.
Avatar #681045
am Freitag, 7. März 2014 um 11:46

Vorgaben für Gutachten

Nun bei uns in Österreich ist das ganz klar ! Die Vorgabe für das Gutachten ist immer das Gutachten der Pensionsversicherung ! Da die PVA auch die Gutachter höher als im Gesetz vorgegeben bezahlen darf (NEEEIIIIIIIN, das ist keine Korruption) weis jeder Gutachter was gewünscht ist und richtet sich danach! Andernfalls = adieu Millionen ! (ein Gutachter der bei den Richtern beliebt ist kann da schon Millionen verdienen!). Spielt er nicht mit, dann werden seine Rechnungen beeinsprucht...., bekommt er keine Aufträge.......!
Lesen Sie dazu: www.meinbezirk.at/gruppen/arbeits-und-sozialgericht-wiener-neustadt-826.html

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