am Mittwoch, 19. Februar 2014 um 22:09

DSO rätselhaftes Kreuzworträtsel?

Kommentar zur Nachricht
DSO: Hirntoddiagnostik zu Unrecht unter Generalverdacht
vom Mittwoch, 19. Februar 2014
Wenn der Interimsvorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Dr. jur. Rainer Hess, behauptet, in keinem Fall habe es eine Organentnahme bei Lebenden gegeben und dem Vorwurf entgegentrat, die Hirntoddiagnostik sei hierzulande in begründeten Einzelfällen fehlerhaft, mit "Ich weise den Generalverdacht über falsche Todesfeststellungen mit Nachdruck zurück", entschuldigt ihn vielleicht, dass er (* 6. 11. 1940) nunmehr im 74. Lebensjahr stehend, über keine Befähigung zur Ausübung der Heilkunde verfügt. Aber letzten Endes weist er nur noch reflexhaft alle Unterstellungen und Verdachtsmomente zurück, während die Organspende-Bereitschaft immer dramatischer zurückgeht. Denn es ist und bleibt gerichtsnotorisch und aktenkundig, dass es in der Transplantations-Medizin an einigen wenigen Behandlungszentren in Deutschland drunter und drüber gegangen ist. Und dagegen könnte nur eine V o r w ä r t s- und keine Rückwärts-Verteidigung etwas ausrichten.

• Wenn es jedoch nach Angaben der privatwirtschaftlichen, mit 44 Millionen Euro jährlich alimentierten DSO selbst in 2 Fällen aktenkundig "zu einer Organentnahme nach formal fehlerhafter Hirntoddiagnostik" gekommen sei, darf man auch als juristischer Laie fragen, wie es dann mit der möglicherweise i n h a l t l i c h fehlerhaften Hirntoddiagnostik bestellt ist?
• Wie es zur Entnahme von lebensfrischen Organen kommen kann, wenn die Hirntod-Feststellung "obligatorisch vor der Leichenspende" ist?
• Wie es zu der neuen Begrifflichkeit der "Leichenspende" kommt, wenn bei Organtransplantationen und in der gesamten Transplantationsmedizin immer wieder betont wird, dass diese im G r e n z b e r e i c h zwischen Leben und Tod agiert?
• Warum, so makaber es klingt, vitale bzw. vitalisierte Organe von "Leichenspendern" im NAW/RTW mit Blaulicht transportiert werden und nicht in schwarzen Fahrzeugen mit Milchglasscheiben?
• Wenn bei Säuglingen und Kleinkindern bzw. differenziert bei Erwachsenen auch nur einmal "die Untersuchungszeiten nicht korrekt eingehalten worden" sind, welche "Flüchtigkeitsfehler" werden dann noch ans Tageslicht kommen?
• Wenn einmal eines der vier Hirntodprotokolle gefehlt haben soll, wie oft soll das denn noch passieren?
• Wenn die Prüfung des Atemstillstands, der Lichtstarre beider Pupillen und weitere neurologisch definierte Befundkriterien verpflichtend sind (Ziffer 2. ff. der BÄK-Richtlinie von 1997), warum musste dann im Sommer 2012 betont werden, dass "die Überprüfung des Atemantriebs zum Nachweis aller Ausfallsbefunde des Gehirns unerlässlich" sei?
• Wenn eine interne DSO-Studie 2006 publiziert wurde, wonach das regionale DSO-Team für Niedersachsen (Region Nord) in 21 von rund 50 Fällen die Hirntoddiagnostik nicht sicher reproduzieren konnte [Dtsch Arztebl 2006; 103(19): A-1270], warum hat die DSO bis heute nicht konsequent reagiert?
• Wenn die BÄK-Richtlinie (Bundesärztekammer) zur Hirntod-Diagnostik von 1997 stammt [Dtsch Arztebl 1997; 94(19): A-1296 / B-1103 / C-1031], also nunmehr 17 Jahre alt ist, und derzeit überarbeitet wird, wieso hat BÄK-Chef Prof. h. c. (HH) und Kollege Frank-Ulrich Montgomery sich nicht unmittelbar nach den bekannt gewordenen Transplantationsskandalen um Aktualisierung bemüht?
• Ist der DSO denn nicht bekannt, dass international bereits ein „Non Heart Beating Donor“-Organspenderkonzept diskutiert wird?

Damit ich nicht missverstanden werde: Ich bin f ü r die Weiterentwicklung der Transplantationsmedizin in Wissenschaft, Forschung und Krankenversorgung, genauso wie für Kritikfähigkeit, Transparenz, Verantwortung, Öffentlichkeit und Kontrolle! Aber nach den aufgedeckten Skandalen, Manipulationen und hier vorliegenden Ungereimtheiten bin ich in meinem Glauben an die Medizin und an den möglichen medizinischen Fortschritt im Sinne der Verbesserung der "conditio humana" nachhaltig erschüttert und enttäuscht. Das m u s s jetzt endlich besser werden!
Und wann werden die hohen Herrschaften bei der DSO i n h a l t l i c h darüber nachdenken wollen, wie optimale bio-psycho-soziale Rahmenbedingungen für a l l e diejenigen geschaffen werden können, die in Intensivpflege, im OP und ärztlichen Dienst, in der Technik/Logistik bei Explantation, Transplantation und Implantation einerseits den endgültigen Sterbeprozess bei hirntoten Organspendern aufhalten, andererseits bei Organempfängern unter dem Druck enger Zeitfenster, drohendem Transplantatversagen und möglichen intraoperativen Komplikationen medizinische Maximalversorgung in der Transplantationschirurgie sicherstellen sollen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

vgl. auf Schätzlers Schafott: "Transplantation - Organ(isations)-Versagen!"
http://www.springermedizin.de/organisations-versagen/4963928.html
am Donnerstag, 20. Februar 2014 um 13:20

Rainer Hess ist offenbar zu unkritisch für seinen Job


Mein lieber Joli, hier geht es nicht darum ob für eine medizinische BEHANDLUNG Risiken und Nebenwirkungen auftreten können. Hier geht es um eine Todesfeststellung, nach der einer so genannten Leiche Organe entnommen werden können. Jeder halbwegs taugliche Jurist haut jeden Arzt in die Pfanne, wenn jede x-beliebige Leichenschau fehlerhaft und nicht zutr5effend einen Tod feststellt. Fehler seien nicht huindertprozentig vermeidbar? Okay! Dann läßt man die Hirndiagnostik lieber, bevor man sich auf eine Fehlerquote von 100-x einläßt.
Herrn Hess kann man nur nahelegen, zusammenmit der DSO in den Ruhestand zu gehen, weder der Mann, noch die Stiftung sind noch tragbar!
Es ist unerträglich und zynisch, was da steht.

Dr.Karlheinz Bayer

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