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Avatar #106067
am Mittwoch, 19. November 2014 um 02:02

"Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube"?

Ich erinnere mich noch genau: Im vollbesetzten Wiener Konzerthaus mit knapp 2.000 Teilnehmern/-innen ein hochkarätig besetztes Podium auf einem Fortbildungskongress zum Thema Lipide und Ezetemibe. Einer konzentriert und streng dreinschauende Frau Prof. Dr. med. Elisabeth Steinhagen-Thiessen (Charité Berlin) stellte ich öffentlich die Frage, wie denn die randomisiert kontrollierte (RCT) Studienlage zu Ezetemib zu beurteilen sei? Ich hätte zwar viel über die LDL-senkende Wirkung gelernt, aber zu dieser wichtigen Frage hier in Wien wenig Überzeugendes gehört? Ich schloss meinen kritischen Beitrag zur umstrittenen Therapienotwendigkeit von Ezetemib mit dem Zitat: "Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube"? - Und hatte die Lacher auf meiner Seite, so dass Frau Kollegin Steinhagen-Thiessen ebenfalls ein breites Lächeln nicht unterdrücken konnte.

Sie verwies mich damals auf die noch zu erwartenden Ergebnisse laufender und zukünftiger Studien. Aber so richtig herausgerissen hat es die aktuell publizierte IMPROVE-IT-Studie m. E. nicht. Die primären Studienendpunkte als Kombination von kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt, erneuter Hospitalisierung wegen instabiler Angina, Revaskularisation und Schlaganfall konnten insgesamt durch Ezetimib signifikant nur um 6,4 Prozent im Vergleich zu Placebo gesenkt werden (32,7 Prozent versus 34,7, p=0,016). Allerdings ist der Unterschied zur Effizienz der relativ hohen Basismedikation von 40 mg Simvastatin tgl. mit 15 mg/dl im bereits niedrigen LDL-Zielbereich nicht sehr groß gewesen.

Ausgeprägter waren die Effekte bei der Reduktion der Inzidenz von Herzinfarkt und Schlaganfall. Die in der wissenschaftlichen Diskussion beschriebene "Number-needed-to-Treat" (NNT) von 50 behandelten Ezetemibe-Patienten, um ein Ereignis zu verhindern, musste relativiert werden: Bei 7 Jahren Studiendauer betrage die NNT dann 350, wurde angemerkt ["Kathiresan also argued that the NNT (number needed to treat) of 50 was “outstanding for a drug that basically has no side effects.” But Steven Nissen, a vocal critic of ezetimibe in the past, pointed out that the NNT occurred over seven years, so the yearly NNT was actually 350"] Quelle:
http://www.forbes.com/sites/larryhusten/2014/11/17/improve-it-meets-endpoint-and-demonstrates-real-but-modest-clinical-benefit-for-ezetimibe/

Es bleibt die Frage, ob man dann nicht gelegentlich auch 2 Eier tgl. essen kann?["An Egg a Day is O.K.?"] Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #115425
am Mittwoch, 19. November 2014 um 14:13

Wie war das damals mit Atorvastatin?

Diesem Medikament wurde bis heute kein Zusatznutzen gegenüber Simvastatin bescheinigt. Als ich meinen Facharzt fragte, was für mich besser sei - ohne die Zuzahlung zu berücksichtigen - sagte er, dass für mich eindeutig "Sortis" besser sei. Ich hatte und habe noch eine sehr eingeschränkte Auswurf-Fraktion wegen mehrerer ischämischen Vorfälle, die das Herz sozusagen "umfangreich" geschädigt haben. Als "EM-Rentner" auf unbestimmte Dauer habe ich den sauren "Finanzapfel" gebissen und jährlich ca. 280,-- zugezahlt.

Als ich bei GBA anrief und mit Frau Dr. Schwarz ("Patienten-Telefon") sprach und ihr mitteilte, das "Sortis" doch 2-3-mal so viel wirke, wie Simvastatin, meinte sie nur, dass das vielleicht nur bei mir so sei, war ich sehr erstaunt und meinte, dass die Patienten und Ärzte das auch wüssten. Darauf kam der Schock, als sie meinte, wir können doch 70 Mio. Kassenmitglieder nicht für einig wenige zahlen lassen. Hat diese Frau als Dr. med. nicht wenigstens 1 Stunde Mathe-Unterricht gehabt? Ist die Solidargemeinschaft aufgehoben?

Erst später kam ich dahinter, dass der Fehler schon beim IQWiG Arbeitspapier aufgetreten ist, das die Wirkung von Sortis und Simvastatin rechnerisch gleichgesetzt hat. Auch hat es geheißen, das es nicht belegt sei, dass eine größere Cholesterin-Senkung irgendwelche Vorteile hätte, evtl. bei sehr starker Herzleistungs-Einschränkung. Dann kam die Negativwerbung mit den Nebenwirkungen. Beide Medikamente waren in der Höchstdosierung von 80 mg zugelassen. Bei Sortis käme es bei dieser Dosierung jedoch zu deutlich mehr Nebenwirkungen mit Medikations-Abbrüchen. So macht man das also, wenn die Wirtschaftlichkeit vor Gesundheit geht.

Ich komme heute mit 40 mg Sortis wesentlich besserer Werte als mit 80 mg Simvastatin. Gesamt-Chol.: unterster Wert, LDL: deutlich unter 100. Sogar die Triglycerid-Werte sind im Normbereich.

Jetzt gibt es natürlich ein tatsächliches "Generika". Prof. Dr. Glaeske wollt mir bei einer kurzen Schriftwechsel Simvastatin als "Generika" "verkaufen". Außerdem gäbe es auch die "Out-Item" Regelung. Ich wollte aber nicht zuzahlen, das hatte ich allerdings vergessen mitzuteilen.

Einer klagenden Patientin wurden die gesamten Zuzahlungen erstattet. Heute kenne ich auch das "Nikolaus-Urteil" vom 6.12.2005,dass auch einem GKV-Patienten bei medizinischer Indikation zusteht, den Preis für ein Medikament erstattet zu bekommen, das aus der GKV-Versorgung herausgenommen wurde.

Hiermit appelliere ich an alle Ärztinnen und Ärzte, Ihre Patienten dahingehend zu unterstützen. Es genügt ein Antrag des Patienten an die KK und ein - möglichst ausführliches - Attest des Arztes.

So bekam ich die "Genehmigung" für Pioglitazon. Zwar erst im zweiten Anlauf, weil ich dann das Attest selbst vorgegeben habe, nachdem beim ersten mal das Attest nur 4 Bypässe auswies, ohne auf die Herzleistung einzugehen. Das werde ich auch noch dem Präsidenten der DDG mitteilen, weil die Diabetes-Mediziner/innen fürchten, sie könnten ihre Patienten nicht mehr optimal einstellen. Es gibt aber noch einen Haken, nämlich das "Budget". Wenn durch dieses der Arzt beeinflusst wird, könnte er eine Kassen-Rezept-Ausstellung für das genehmigte Medikament verweigern, wenn ihm das "Budget-Hämmerchen", dies zu verstehen gibt. Falls der Patient nicht darauf drängt oder hinweist, ist die Batterie der Mediziner zu schwach um Starthilfe zu leisten. Die meinte auch "Das Patiententelefon" des GBA, nur dass "es" einen gewissen abwertenden Ausdruck gebrauchte. Aber das sollten die Mediziner/innen nicht zu ernst nehmen.

@Dr. med. Schätzler,
Das "Ding" mit den Eiern habe ich mal ausprobiert als ich noch jung und sportlich war (heute bin ich leider nur noch "und"). Ein tägliches weichgekochtes Frühstücks-Ei konnte meinem Cholesterinspiegel nichts anhaben. Es stellte sich mittlerweile auch heraus, dass dieses "Ei-Chol." keinen Einfluss auf den Wert hat. Als ich dies einer Ernährungsberaterin sagte, fiel diese fast in Ohnmacht. Sie hätte mich am liebsten "aufgefressen", aber sie hatte wohl Angst, zu viel Cholesterin durch mein Bauchfett abzubekommen. Zwar produziert der Körper ca. 85 % des Cholesterin selbst, also dürfte das Essen keinen sehr großen Einfluss haben. Aber man weis ja nie, wie kompliziert das Zusammenleben von Genen, Eiweißen, Hormonen und sonstigen "Tierchen" in unseren Körpern ist. Deshalb gibt es vielleicht doch Unterschiede "bei den Eiern". Oh Wunder!??.

Herz1952

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