DÄ plusForenKommentare NewsRe: Unwissenschaftliche Frage

Kommentare News

Kommentare News

Alle Kommentare zu Online-News

Avatar #109758
am Dienstag, 3. März 2015 um 11:52

Ein morsches Konstrukt bricht zusammen

Zitat: „Es hat in den letzten Jahrzehnten nicht an Versuchen gemangelt, eine organische Genese zu belegen.“
1. Widmet man sich dem Problem ME/CFS mit einer dynamischen Netzwerkanalyse von Genom, Proteom und Metabolom unter Beachtung der Fähigkeiten von Erregern und anderer Umweltfaktoren, dann gestalten sich die Versuche durchaus erfolgreich – auch hinsichtlich Therapieoptionen.
Es ist allerdings in der Natur der Sache begründet, dass hierfür die Sichtweise der Personalized Medicine erforderlich ist, denn aufgrund heterogener pathologischer Vorgänge mündet die grob homogene Sichtweise der Evidence-based Medicine regelmäßig in einer Sackgasse. (Die Frage lautet bildhaft: Axt (EbM) oder Laserskalpell (PM)?) Ergebnisse einschlägiger, seriöser Studien sind zwar häufig richtig, öffnen den Kritikern allerdings mangels ausreichend großer Zahlen Tür und Tor für (unberechtigte) Zweifel. Auch wenn gerne das Gegenteil suggeriert wird, ist die vordergründige Forderung der EbM nach großen Zahlen zwangsläufig die Ursache für eine Senkung des wissenschaftlichen Anspruchsniveaus auf dem Forschungsfeld ME/CFS sowie vieler anderer chronischer Erkrankungen, nicht umgekehrt.

2. Noch viel interessanter als der Beweis der organischen Genese sind in diesem Kontext jedoch die gescheiterten Versuche, ME/CFS unter somatoforme Störungen zu subsumieren. Der größte Skandal in Deutschland ist wohl das Positionspapier der Ärztekammer Nordrhein (Diagnostik und Therapie des chronischen Erschöpfungssyndroms (CFS) und verwandter Erkrankungen). Im letzten Jahr wurde das Unheil stiftende Papier aufgrund einer erdrückend eindeutigen Replik endlich zurückgezogen - nach 14 Jahren. Das Papier strotzte nur so vor wissenschaftlichen Fehlern. Die Literaturauswahl war höchst selektiv, um nicht zu sagen ergebnisorientiert, und es wurden darüber hinaus Literaturquellen angegeben, die beim genauen Hinsehen sogar diametral zu den aufgestellten Behauptungen standen. Der gesamte Vorgang der Rücknahme bis zum heutigen Stand, inkl. der besagten Replik, ist nachzulesen unter: http://www.patientenlobby.net/recht/patientenlobby-fordert-die-ruecknahme-des-positionspapiers-cfs-der-aerztekammer-nordrhein/

Zitat: „Die ersten Reaktionen anderer Experten fielen verhalten aus. Peter White von der Queen Mary University of London…”
Es ist sehr vermessen, ausgerechnet Peter White zu zitieren. Ähnlich den Autoren des Positionspapiers der ÄkNo hat er sich als höchst unseriös erwiesen. Ich erinnere z.B. an die legendären PACE-Trials, die im Auftrag der Britischen Regierung von White, Wessely und Sharpe verfasst wurden und die Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) und gesteigertem körperlichem Training (GET) bei CFS belegen sollten. Abgesehen davon, dass sich diese Therapieversuche bei CFS-Kranken längst als Körperverletzung erwiesen haben, musste White gegenüber Prof. Malcom Hooper schlussendlich eingestehen, dass die PACE-Trials überhaupt kein CFS zum Gegenstand hatten. Hooper deckte den Schwindel der Londoner Psychiatergruppe in einer 422-seitigen Kritik auf. http://www.meactionuk.org.uk/magical-medicine.pdf

Zitat: „Bei der XMLV-Affäre sah sich eine Forscherin (Judy Anne Mikovits) dem Vorwurf der Datenmanipulation ausgesetzt, die sogar eine Verhaftung zur Folge hatte. Das Verfahren gegen die Forscherin wurde später aber wieder eingestellt.“
Was bezweckt das DÄ mit dem nochmaligen Aufwärmen einer Anschuldigung, die sich als unhaltbar erwies?
Avatar #696720
am Dienstag, 3. März 2015 um 16:48

Psychiater Experten für eine physische Erkrankung?

Es stellt sich mir die Frage, warum gerade Peter White als "Experte" hier genannt wird. Er ist ein Verfechter der These, dass es sich bei ME um eine rein psychische Erkrankung handelt. Würde er zugeben, dass dem nicht so ist, würde er an dem Ast sägen, auf dem er sitzt.

Auffälligkeiten im Immunsystem sind schon lange bekannt, nur finden sie keinerlei Beachtung. Warum nicht? Der Durchschnittsmediziner kann mit ME überhaupt nichts anfangen, wird auch die Diagnose deshalb nie stellen.

Sollte er, zum Übel des Patienten, dann auch noch in die "Leitlinie Müdigkeit" schauen, wird dem Patient auch noch die so dringend nötige immunologische Laboruntersuchung verweigert

Zitat aus der LL: "Nicht ausreichend begründet − außer bei spezifischen Hinweisen in Anamnese und Befund − sind folgende in diesem Kontext oft vorgeschla- genen Untersuchungen: Blutdruckmessung, Serumeisen/Ferritin (nur indi- ziert bei Nachweis einer Anämie), immunologische Untersuchungen, ab- dominelle Ultraschalluntersuchung. Je mehr Laboruntersuchungen veran- lasst werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine Abweichung von der Norm aus rein statistischen Gründen, ohne dass eine diagnosti- sche Relevanz gegeben wäre."

Interessante These, "je mehr Laboruntersuchungen macht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, für eine Abweichung von der Norm" - und deshalb sollte der Arzt doch bitte ganz davon absehen, es sei nicht hinreichend begründet.

Dann wundert sich die Ärzteschaft, warum schwerkranke ME Patienten sich vehement dagegen wehren, in die Psycho-Schublade gesteckt zu werden. Man verweigert ihnen Laboruntersuchungen, mit dem Hinweis, es könnte sich eine Abweichung der Norm ergeben. Das haben nun einmal Laboruntersuchungen so an sich, dass man gerade danach sucht!

Wie man an dieser Studie sieht, findet man sogar eindeutige Belege.
Avatar #90037
am Dienstag, 3. März 2015 um 19:47

Unwissenschaftliche Frage

Ich habe den Eindruck, den verschiedenen Autoren, Foristen und auch Patienten ist es unglaublich wichtig, eine organische Erkrankung zu haben, zu definieren. Ist eine psychosomatische Störung/Erkrankung etwas "Schlimmes", ein Versagen?
Avatar #114590
am Dienstag, 3. März 2015 um 23:03

Re: Unwissenschaftliche Frage

Wenn ein psychosomatischer Erklärungsansatz und die entsprechenden Therapien nichts ausrichten können, was hier der Fall ist, ist eine solche Einordnung zumindest nicht hilfreich. Die Patienten wollen ja nur, was alle Patienten wollen: nämlich so schnell wie möglich wieder gesund werden. Wenn ein Erklärungsmodell dazu nichts beitragen kann dann muss es das falsche sein und dennoch daran festzuhalten kann logischerweise nicht im Interesse der Patienten sein.
Avatar #79783
am Mittwoch, 4. März 2015 um 23:44
geändert am 04.03.2015 23:46:08

Esoterik...

Klar sind alle diese Menschen irgendwie "krank", die wahlweise "radiosensibel" sind, chemievergiftet, auf geheimnisvolle Weise von Gebäuden bedroht, von Elektrosmog gequält, durch Erdstrahlen immungeschwächt, allergisch gegen fast alles laut Elektroakupunkturdiagnose oder Kinesiologische Untersuchung- Heilung versprechen dann Kupfermatten im Bett, Alufolienanzüge, "informiertes Wasser", Bioresonanz, Osteopathie, Hopi-Ohrkerzen (wie kamen die armen Indianer nur in diesen albernen Ruf?)
Merke:
Vermuten, es ist Bier im Kühlschrank, Kühlschrank aufmachen und nachsehen - das ist Wissenschaft
Behaupten, es ist Bier im Kühlschrank, ohne nachzusehen - das ist Glaube
Den Kühlschrank aufmachen, sehen er ist leer, in wieder zumachen und behaupten: Irgendwie ist doch Bier im Külschrank - das ist Esoterik

Ich habe da die ideale Lösung: Das sind alles "spirituelle Krankheiten", damit bin ich als Arzt oder Psycholohe nicht mehr zuständig - ab zum Schamanen oder zum Exorzisten

Letzte Beiträge zu diesem Thema

Zusatzinfos