am Donnerstag, 2. April 2015 um 20:43

Schon jetzt behandeln viele Heilmittelerbringer so, wie es für alle....



...Dienstleister, die auf Grund des SGB V bezahlt werden eigentlich Vorschrift ist. Zweckmäßig, ausreichend. Evident. Nur wirtschaftlich ist es schon lange nicht mehr.
Folge: alle wursteln sich so durch. Inwieweit das im Sinne der Patienten ist, bleibt die Frage.
Das Wirtschaftlichkeitsgebot könnte auch einmal anders herum betrachtet werden. Wer Leistung bringt, bekommt das auch angemessen bezahlt. Im Moment tun das lediglich die gesetzlichen Unfallkassen, mit deren Honoraren man die Existenz einer Freien Praxis sichern kann. Vom Kassensalär nicht mehr.
Unser Gesundheitswesen wird den Herausforderungen der Demografie schon jetzt nicht mehr gerecht. Überall gibt es Arbeitskräfte - und Nachwuchsmangel. Allerdings hat das System auch Profiteure. Der umsatzstärkste Markt in Deutschland ist das Gesundheitswesen. Allerdings kommt das nur Einigen zu Gute. Die Patienten gehören auf jeden Fall nicht dazu.
Das Problem ist so verfilzt und verfestigt, dass nur noch ein Runder Tisch helfen kann überhaupt nur praktikable Lösungsansätze zu entwickeln. Ob sie umgesetzt werden ist dann nicht zuletzt Sache der Patienten. Die auch Wähler sind. Und sich dringend besser organisieren sollten, um ihre Position zu verbessern.
Sonst bewegt sich nichts. Übergriffigkeit fördernde Verhältnisse verändert man sonst nie.

Angelika Oetken, Ergotherapeutin, Berlin-Köpenick, seit 30 Jahren im Gesundheitsunwesen aktiv, 20 davon als Selbstständige

P.S. Apropos: Berichte. Ob eine Behandlung wirksam ist oder nicht, lässt sich ganz leicht darstellen. Es reicht dazu ein DIN A4-Blatt mit einigen Angaben. Wichtig ist, dass ein klar überprüfbares Ziel formuliert wird. Und Patient und Behandler gemeinsam prüfen, ob es durch die Maßnahme erreicht wurde. Genau das ist aber in dem Land der Geräte- und Pharmamedizin anscheinend nicht erwünscht. Wie das wohl kommt?!?
am Freitag, 3. April 2015 um 10:01

der Heilmittelkatalog ist das Problem, nicht die Ärzte, nicht die Physiotherapeuten


Der derzeitige Heilmittelkatalog kann nur von physiotherapeutisch Unbeleckten und von Menschen verfaßt worden sein, die Sand in das Getriebe streuen wollten. Es kommt dazu, daß man diesen therapiefremden Katalog auch noch umzusetzen hat unter den Vorzeichen der Heilmittelbudgets.

Früher war alles besser!

Wie einfach war es, auf ein ganz normales Kassenrezept "10x Krankeneinzelgymnastik" zu schreiben, evtl. ergänzt mit Moor, Schlingentisch oder Massagen und eine diagnostische Erklärung (Coxarthrose) sowie ein Therapieziel (Vermeidung einer TEP, Erweiterung des Bewegungsumfangs) anzufügen.

Fertig. So einfach kann logisch sein.

Heute stehen weder die Behandlungsziele im Katalog noch die Mehrheit der Diagnosen. Eine "OP-Vermeidung" ist z.B. kein Ziel, obwohl es in der Praxis eines ist. Außerdem sind wir verdammt, die von den o.g. fachfremden Personen gewollten Kombinationen an Heilmitteln zu akzeptieren, oder es geht nicht, ein qualifiziertes Rezept zu schreiben.

Die Folge daraus kann nur sein, ein neues Rezepte-Konzept zu schaffen und daß die Budgets für Heilmittel endlich wegfallen. Liebe CDU-Fraktion, das wäre doch mal ein Antrag zum Nachdenken!
Die Folge kann aber nie und nimmer sein, daß verantwortliche Ärzte Blanko-Rezepte herausgeben sollen. Das wäre diskriminierend für die Ärzte und alles andere als hilfreich für die Physiotherapeuten.

Wenn eine Zeit der Blanko-Rezepte Wirklichkeit werden sollte, würde es in absehbarer Zeit keine Rezepte mehr geben. Es wäre dies genauso, als würde man den Apothekern ein Blanko-Rezept in die Hand geben, denn auch Apotheker sind Fachleute und wissen sehr wohl, was Arzneimittel sind und wozu man sie benutzen kann. Käme einer auf die Idee, das zu fordern?

Die echte Weisheit besteht darin, den in der Therapie beteiligten nicht weiter auf groteske Art und Weise Fesseln anzulegen und Schranken aufzubauen.
Es spricht auch nichts dagegen, zwei Therapievarianten anzustreben.
Die eine wäre eine Direktinanspruchnahme der Physiotherapeuten, die dann direkt mit den Kassen abrechnen.
Die andere wäre die Verwendung von Rezepten von Ärzten, die dann aber losgelöst von den Widersprüchen des Heilmittelkatalogs verorden dürften.

Man kann davon ausgehen, daß sich sehr rasch zeigen würde, daß der richtige Weg allein in der fairen und zweckdienlichen Arbeitsteilung zwischen Ärzten und Physiotherapeuten besteht.

Dr.Karlheinz Bayer - in dem konkreten Fall hinzufügend, Arzt mit den Gebietsbezeichnungen physikalische Therapie/Balneologie/medizinische Klimatologie und Manuelle Medizin/Chirotherapie
am Sonntag, 5. April 2015 um 15:59

Wahrhaft argumentieren

Werden die Kosten für diese Physiotherapieleistungen dann auch kalkuliert und budgetiert? Mein Eindruck ist, dass hier um den heißen Brei herumgeredet und eine klare Stellung vermieden wird. Es geht mehr darum, dass die Physiotherapeuten autark gemacht werden sollen. Aber dann muss auch kein Blankorezept ausgestellt werden.
am Dienstag, 7. April 2015 um 21:51

Wunderbar...

... wäre nur noch zu klären, wer die Wirtschaftlichkeitsprüfung der Physiotherapeuten machen soll. Wie bei den Ärzten ein "befreiendes Gesamthonorar" in Höhe des bisherigen Heilmittelbudgets, dann können sich die Physiotherapeuten um ihre Punkte balgen und sich mit den Patientenansprüchen auseinandersetzen. Besser geht s doch nicht...
am Mittwoch, 22. April 2015 um 10:40

"Wir wehren uns...!"

Wenn der Kammerpräsident schreibt, die Ärzte würden sich gegen ein Kompetenzbeschneidung durch die Heilmittelerbringer wehren, dann hinkt da der Anspruch der Realität hinterher! Denn bei allem Respekt vor der ärztlichen Tätigkeit: es ist doch nicht mehr so, dass der Arzt die Kompetenz im Bereich der Therapien hat, das Wissen um die Behandlungskonzepte zum Beispiel im Bereich der Physiotherapie ist so hochspeziell, dass sogar innerhalb der einzelnen Behandlungsfelder eine Spezialisierung notwendig ist; ein Logopäde kann sich kaum in allen Störungsbildern fit machen, die er behandeln können soll. Wie soll dann ein verordnender Arzt bitte beurteilen, wann, wie und welche Therapie Sinn macht, wenn er nie eine Therapie gesehen hat.
Die zitierte Aussage des Kammerpräsidenten drückt für mich eine Miesere aus: das Anerkennen anderer Kompetenzen in der Behandlung von erkrankten Menschen. Es würde meiner Meinung nach den Ärzten nicht schaden, sondern ihnen viele Behandlungsmöglichkeiten erleichtern- ...und günstiger machen!

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