Kommentare Print

Kommentare Print

Alle Kommentare zu Print-Artikeln

Avatar #2546
am Donnerstag, 9. April 2015 um 17:58

Viele Irrtümer…

Kommentar zum Print-Artikel
Öko­nomi­sierung im Gesundheitswesen: Betriebswirtschaftlicher Erfolg als Unternehmensziel
aus Dtsch Arztebl 2015; 112(9) vom Freitag, 27. Februar 2015
In dem Artikel „Betriebswirtschaftlicher Erfolg als Unternehmensziel“ von Herrn Dr. Dohmen und Herrn Fiedler gibt es viele Irrtümer. Einige möchte ich richtig stellen.

In erster Linie dienen DRG-Systeme nicht als Instrument der Qualitätssicherung, sondern als Instrumente für Transparenz und Steuerung.
Die Einführung des DRG-Systems in Deutschland sollte nicht die Kosten der stationären Behandlung senken. So etwas wäre auch nur in Teilbereichen möglich. Ziele der Einführung waren die Erhöhung von Transparenz, eine höhere Leistungsgerechtigkeit und eine Umverteilung von Ressourcen.
Ursache von Steigerungsraten bei durchschnittlichen stationären Behandlungskosten ist in der Regel bei Einführung von DRG Systemen die Verlagerung von „preiswerten“ stationären Fällen in den ambulanten Sektor. Dadurch steigen die durchschnittlichen stationären Behandlungskosten.
Als Kenngrößen bei Fallpauschalen spielen Diagnosen und Prozeduren eine untergeordnete Rolle. Wichtige Kenngrößen sind Relativgewichte und Verweildauern.
Während des Kranken­haus­auf­enthaltes diagnostizierte Erkrankungen wirken sich für das Krankenhaus wirtschaftlich keineswegs immer günstiger aus. Es ist zwar richtig, dass erlösrelevante Nebendiagnosen den Erlös erhöhen können. Gleichzeitig steigen aber häufig die Kosten für die Behandlung überproportional. Erst bei erreichen entsprechender Grenzwerte gibt es Erlössprünge, die zur Kostendeckung führen können. Grundsätzlich kommt es nicht auf die Anzahl der diagnostizierten Erkrankungen an, sondern darauf, ob die diagnostizierten Erkrankungen eine Erlösrelevanz haben.
Der OPS- Katalog ist nicht die Liste aller Maßnahmen, die in einer Beschreibung der Fallpauschale abgebildet sind. Der OPS- Katalog ist die amtliche Klassifikation zum Verschlüsseln von Operationen, Prozeduren und allgemein medizinischen Maßnahmen im stationären Bereich und beim ambulanten Operieren. Prozeduren aus dem OPS- Katalog können die Gruppierung in eine Fallpauschale beeinflussen.
Bei der Kalkulation einer Fallpauschale werden Personalkosten berücksichtigt. Sinn und Zweck einer Fallpauschale ist es aber nicht bei Abrechnung einer Fallpauschale die für die Kalkulation verwendeten Anteile wie die Personalkosten innerbetrieblich wieder einzelnen Bereichen zuzuordnen. Dies widerspräche dem Sinn einer Fallpauschale.
Patienten müssen bei Abrechnung mit dem DRG-System keineswegs so kurz wie möglich behandelt werden. Betriebswirtschaftlich liegt das Optimum der Behandlung in der Regel zwischen der unteren Grenzverweildauer und mittleren Verweildauer der Fallpauschale.
Koderassistenten sind in der Regel dafür zuständig das medizinische Leistungsgeschehen in eine DRG-Kodierung zu überführen. Für die richtige und vollständige Dokumentation der im Artikel als „erlös- bzw. abrechnungsrelevanten Tätigkeiten“ bezeichneten medizinischen Prozeduren sind die ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich.
Auch die Stellen im Medizincontrolling sind in der Kalkulation der Fallpauschalen berücksichtigt und müssen nicht auf Kosten von Pflegekräften, ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder auf Kosten von Verwaltungsstellen finanziert werden.

Die Kritik an der Ökonomisierung im Gesundheitswesen dürfte mehr Wirkung entfalten, wenn wir Ärzte Hintergründe, Fakten und Mechanismen besser verstehen und Gesundheitspolitikern auf Augenhöhe als Diskussionspartner zur Verfügung stehen.

Dr. Sascha Baller
Rohrbacher Straße 92/1
69115 Heidelberg
www.drg24.de

Letzte Beiträge zu diesem Thema

Zusatzinfos