DÄ plusForenKommentare NewsÜberheblichkeit und Selbstherrlichkeit bestimmter Ärzte???

Kommentare News

Kommentare News

Alle Kommentare zu Online-News

Avatar #104572
am Samstag, 16. Mai 2015 um 07:48
geändert am 16.05.2015 08:14:57

Diagnose und Therapie ist urärztliche Aufgabe oder "der Witz des Tages"?

Kommentar zur Nachricht
Diagnose und Therapie ist urärztliche Aufgabe
vom Freitag, 15. Mai 2015
Das ist alles schön und gut, wenn

1. es genug Ärzte geben würde.
2. Ärzte Krankheiten, wie z.B. die ADHS akzeptieren und auch behandeln würden.
3. auch Therapeutenkammern/-Vorsitzende wie auch die KVen Fortbildungen für Ärzte und z.B. Therapeuten forcieren statt abzuschmettern.

Und genau bei 3. führt es weiter in den Teufelskreis hinein.
Forcierung der Fortbildungen würde bedeuten, dass von den KVen z.B. die ADHS "akzeptiert" werden würde. Statt, wie bisher in einigen Regionen üblich, Ärzte zu verunsicheren, dafür zu "sorgen", dass Ärzte trotz vorliegendem Befund die notwendigen Medikamente nicht verschreiben, Ärzte dafür nicht honoriert werden. Resultierend aus der "Akzeptanz" der KVen etc. würde für die KVen wiederum bedeuten, dass die Ärzte etc. entsprechend honoriert werden.

Viele Ärzte sind jetzt schon völlig überlaufen. Termine, die notwendig wären, wie z.B. einer ADHS bedürfen einer ellenlangen Wartezeit. Wenn die Betroffenen dann endlich einen Termin haben, mit viele Glück diagnostiziert sind, statt direkt mit AD über Jahre (!) hinweg "behandelt" zu werden - auch wenn manchmal notwendig - und dann keine Termine und fachliche Anlaufstellen da sind, wo sie aufgeklärt und behandelt werden. Wartelisten mit einer Wartezeit von bis zu 2 Jahren, sofern es überhaupt Wartelisten gibt und mancher Arzt nicht von vornherein sagt, dass er/sie keine neuen Patienten mehr aufnimmt.

Das dies z.B. bei der ADHS-Behandlung tatsächlich an der absolut miesen Bezahlung hängt steht außer Frage. Woraus dann auch die geringe Zeit für die Patienten resultiert. Ärzte, die sich damit auseinandersetzen und auch fachlich fundiert darauf eingehen, aus dem eigenen Portemonaie drauf legen, sofern sie nicht andere "Kniffe" anwenden, damit die Leistung bezahlt wird.

Ich denke, es soll den Menschen geholfen werden. Warum auch nicht in diesem Bereich?!

Warum stellen sich die Ärzte nicht auf die Hinterbeine um vernünftig bezahlt zu werden, mit dem Hintergrund die Patienten richtig behandeln zu können?! Statt die ADHS womöglich zu negieren, Patienten/Betroffene zu verunsichern, im Regen stehen zu lassen und sich Ärzte womöglich "wundern", wenn diejenigen wieder auf der Matte stehen mit anderen Begleiterkrankungen. Trotz hinreichender Studienlage.

Es kann nicht sein, dass Betroffene sich zum "Experten" machen müssen oder Hilfestellungen und Wissensvermittlung, Wissen, welches von Ärzteseite zu erfolgen hat, über die Selbsthilfe bekommen. Selbsthilfe, welche rar gesät ist und auch hier ein Schwund, aufgrund zeitlicher Not, zu verzeichnen ist.

Es heißt Hilfe zur Selbsthilfe. Sprich Erfahrungsaustausch, Hilfestellungen in Form von "was hat dir geholfen (Strategien, Umgang mit einem Selbst wie auch mit den Betroffenen und Umfeld/Schule etc), könnte es auch etwas für mich sein".
Viele haben gar nicht die Möglichkeit sich das nötige fachlich fundierte Wissen anzueignen, da es auch mittlerweile zu viele „Fachleute“ gibt, die zB. die ADHS zum Geschäft gemacht haben.

Ideen, Beschlüsse sind gut. Aber wo und wann ist die Umsetzung?
Wann gibt es mehr Ärzte?
Wann werden zum Studieren nicht nur der NC herangezogen, sondern z.B. auch der EQ und die soziale Kompetenz mit einbezogen? Damit es auch Ärzte gibt, die nicht nur "Fachidioten" (mal überspitzt gesagt) sind, sondern denen ihr Job auch Spaß macht, sie mit den Patienten menschlicher (einfühlsamer) umgehen und auch gewillt sind sich neuen Themen zu widmen und in Betracht zu ziehen. Betrifft nicht nur die medizinischen, sondern alle sozialen Studiengänge.
Würden zur Zulassung zum Studieren vorgenannte Punkte mit einbezogen werden, statt nur auf den NC zu schauen, würden mindestens 50% der aktuell in den medizinischen und sozialen Studiengängen zugelassenen Studierenden keine Zulassung erhalten.

Die Leidtragenden sind dabei die Patienten/Betroffenen.

Es wäre gut, wenn sich hier mehr tun würde.
Grundsätzlich ist der Titel und der Hintergrund richtig und notwendig, da es leider immer mehr "Fachleute" gibt, die sich etwas auf die Fahne schreiben und im Endeffekt keine Ahnung haben, oder nur den Betroffenen/Patienten das Geld mit irgendwelchen "(Heils)Versprechen" aus der Tasche ziehen. Sich an den Betroffenen/Patienten bereichern. Woher sollen die Patienten wissen, was richtig oder falsch ist? Denn sie vertrauen logischerweise, sonst würden sie nicht zu bestimmten Anlaufstellen, auch aus der Not heraus, hingehen.

Insgesamt müssen unter der "Gesundheitspolitik" die Betroffenen/Patienten leiden. Betroffene /Patienten, welche Hilfe, auch in Form von Aufklärung erwarten, weil sie auch nötig ist.

Bei z.B. Krebs wird jeder Patient, wie auch die Angehörigen, entsprechend aufgeklärt, Entstehung, die Folgen, Für und Wider der notwendigen Medikamenten und Therapien - auch psychotherapeutisch - , weitere Anschlussbehandlungen, zu achten auf .... usw. Warum nicht auch bei der ADHS?!
Avatar #99598
am Samstag, 16. Mai 2015 um 22:32

Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit bestimmter Ärzte???

Darf ich in Erinnerung rufen, dass es nichtärztliche Psychotherapeuten gibt?
-- diese Kollegen diagnostizieren auch!

Darf ich in Erinnerung rufen, dass es Heilpraktiker (egal welcher Spezialisierung oder Nicht-Spezialisierung) gibt?
-- Prüfungsschwerpunkt ist bei ihnen immer, dass eine einwandfreie Diagnsotik beherrscht wird. (Deshalb auch die hohen Durchfallquoten bei den Prüfungen.)

Darf ich in Erinnerung rufen, dass Physiotherapeuten mit Zulassung als Heilpraktiker gibt, die also zusätzliche umfangreiche Qualifikatioen erworben haben?
-- auch diese dürfen Diagnostizieren!

Angesichts der an allen Ecken und Enden bestehenden Unterversorgung im Gesundheitswesen und dem zugleich politisch vorherrschenden Kaputt-Sparwahnsinn, der das Gesundheitswesen weiter in den Ruin treibt, wäre es an der Zeit, dass auch bei den Ärzten mit Standesdünkeln die Einsicht reift, dass man gemeinsam mehr erreicht, statt die eigenen Pfründe mit dubiosen Argumenten aggressiv zu sichern!

Die gleiche Arroganz, Überheblichekeit und Selbstherrlichkeit erlebe ich als Heilpraktiker der Psychotherapie bei erschreckend vielen approbierten Kollegen, wenn ich sie um Zusammenarbeit bitte, z.B. wenn kurzfristige ambulante Psychotherapie erforderlich wäre, aber kein Therapieplatz erreichbar ist, der Patient aber zur Selbstzahlung bereit wäre, ihm aber das volle Privathonorar eines approbierten Kollegen nicht möglich wäre (das kommt ziemlich oft vor und auch, dass manchen Kollegen ohne Kassenzulassung eine Therapie im Kostenerstattungsverfahren wegen des bürokratischen Aufwands unakzeptabel erscheint).

Teile und herrsche ist das Motto der Herrschenden, denen es nur Recht sein kann, wenn sich die Leistungserbringer im „Gesundheitsmarkt” gegenseitig angreifen statt gegen die Machenschaften der Obrigkeit gemeinsam vorzugehen.

Tja, manche begreifen die Zusammenhänge trotz (oder gerade wegen?) des Studiums nicht! Und das ist schade.

Clemens M. Hürten (Heilpraktiker der Psychotherapie)
Lebenslust jetzt! - Praxis für Beratung und Psychotherapie
Avatar #99598
am Samstag, 16. Mai 2015 um 22:41

...kleine Ergänzung zu meinem Beitrag und Frage

Äußern sich da vielleicht die gleichen Herrschaften, die bei Verhandlungen über die Verteilung der Honorare regelmäßig dazu beitragen, dass ihre nichtärztlichen Kollegen (Psychotherapeuten) ständig krass benachteiligt werden, sodass für sie selbst ein immer größeres Stück vom Kuchen abfällt?
Avatar #612077
am Sonntag, 17. Mai 2015 um 11:33

Glücklich bin ich über diesen pauschalisierenden Beschluß auch nicht.

Ich bin nicht auf dem Wege zum Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, so daß ich aus den vielen verordnungsfähigen Heilmitteln immer das richtige für den einzelnen Patienten herausfinden könnte. Insofern ist hier auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten gefragt, und sicherlich wäre die Möglichkeit sinnvoll, eine Art von "Blanko"-Verordnung für eine bestimmte Erkrankung ausstellen zu dürfen, so daß der Physiotherapeut dann das am besten geeignete Behandlungsverfahren heraussuchen kann (genauso haben wir es lange Zeit im Krankenhaus bei unseren stationären Patienten gemacht). Es sollte trotz allem eine ärztliche Verordnung zur besseren Koordination geben, und ja, auch ich stehe dazu, daß in anderen im Beschluß angesprochenen Bereichen, der Arzt "den Hut aufhaben sollte", gerade auch aus dem Grund der Verantwortlichkeit und aus Haftungsfragen (zumal ich mir nicht vorstellen kann, daß "Schwester Agnes" eines Tages vor Gericht als Hauptverantwortliche den Kopf hinhalten mag, wenn etwas schiefgelaufen ist).
Aber natürlich kann jeder Mensch, dem lauthalsen Beschluß des Ärztetages zum trotz, auf private Rechnung Krankengymnastik durchführen lassen, die dann aber von der GKV nicht bezahlt werden wird.
Und hier sehe ich das eigentliche Problem: Der Ärztetag beschäftigt sich mit einem Thema, das vor allem die niedergelassenen Kassenärzte angeht - und leistet erfreuliche Schützenhilfe zur Verteidigung der Fleischtöpfe, auch als Budgets bekannt.

Aber: Den Auslassungen von Clemens-X kann ich dennoch nicht zustimmen! Den Heilpraktiker letztlich über die Hintertür in das GKV-System einzuschleusen, ist wahrlich luzide. Fragen über Fragen, so z.B: warum es in anderen Ländern gar keine vergleichbaren Berufe gibt, aber auch herzliches Gelächter über den Versuch einer Legitimation über die Heilpraktikerprüfung: Wenn sich jeder mit Hauptschulabluß und einwandfreiem Führungszeugnis ohne weitere normierte Ausbildung zur Prüfung anmelden kann, u n d dann noch die therapeutischen Verfahren von A wie Aura Soma bis Z wie Zuckerkügelchen weder wissenschaftlichen Kriterien genügen, noch wirklich definiert ist, wann welches zum Einsatz kommen soll, dann bleibt als "hartes", gerichtsfestes Kriterieum für Prüfungsfragen neben den rechtlichen Grundlagen eben nur die Diagnostik. Meiner Meinung nach ein kümmerliches Surrogat. Und die hohen Durchfallquoten - hach ja, ich habe mir mal die Mühe gemacht, MC-Musterfragen zu lösen, und siehe da: Für einen Arzt sind sie halt nicht schwer. Aber wenn jemand ohne wirkliche Kenntnisse versucht sie anzugehen, könnte das ganze wohl in einem Desaster enden.
Nota bene: Auch ich kenne vernünftige, gut ausgebildete Heilpraktiker, und ich werde das auch Clemens-X nicht absprechen. Aber auf dass grobe ganze greift seine Argumentation nicht.
Avatar #691359
am Montag, 18. Mai 2015 um 00:59

Wozu ist der Arzt da?

Bei der Diskussion um die Delegierbarkeit ärztlicher Leistungen könnte man folgendes postulieren: Viele Beschwerden bessern sich spontan aufgrund der Selbstheilungskräfte des Körpers. Ein weiterer Teil der Beschwerden kann durch Suggestivkräfte gebessert werden. Das heißt, bei über 50% der Arzt-Patienten Kontakte ist es völlig egal was der Arzt tut, solange er nicht aktiv schadet, wird es dem Patienten besser gehen. Wenn dann noch etwas Kräuterkunde dazu kommt, hat man genau das, was Medizinmänner die ganze Menschheitsgeschichte getan haben. Und genau dieses Prinzip machen sich die Heilpraktiker heute zunutze und haben sicher auch ihre Erfolge damit.

Das Problem an diesem Konzept ist der Anteil an den Patienten, denen damit nicht geholfen wird und denen vielleicht auch noch die Zeit davon läuft. Heutzutage gibt es nicht den Arzt, der alles kann (wenn das jemand von sich behauptet, dann würde ich einen riesigen Bogen um die betreffende Person machen), sondern es gibt viele Fachrichtungen, und der Zweck der ärztlichen Tätigkeit besteht darin, sich innerhalb der Grenzen des eigenen Fachgebiets zu bewegen und der Sinn der Ausbildung besteht darin diese Grenzen zu erkennen. Darin besteht auch der Sinn des Aufrufs zur Kooperation im o.g. Artikel.

Deshalb ist die ganze Diskussion hier völlig überflüssig, selbstverständlich dürfen Physiotherapeuten und Psychotherapeuten diagnostizieren und therapieren, selbstverständlich können sie bestimmte Dinge besser als der Hausarzt, aber ihnen fehlt ein Großteil des medizinische Fachwissens, und bisher sind sie nur verpflichtet als Ausführende in ihrem Fachbereich zu arbeiten. Die Delegierung von Diagnostik und Therapie würde bedeuten, dass der Arzt seine Lotsenfunktion abgibt. Spätestens dann, wenn sich der Behandlungserfolg nicht einstellt und die Angelegenheit vor dem Richter landet, gilt der „Facharztstandard“. Und der kann nun einmal nur durch ein mehrjähriges Studium und mehrjährige fachspezifische Weiterbildung erworben werden. Und solange es keinen Direktzugang gibt, muß der überweisende Arzt als Lotse für die Steuerung bzw. Überweisung des Patienten gerade stehen.

Bei der ganzen Diskussion um die „Fleischtöpfe“ der KV möchte ich aber auch vor den Risiken und Nebenwirkungen warnen: das ist ein hochreglementiertes Minenfeld: Budgetierung, Berufshaftpflicht, Weiterbildungsnachweise, Dokumentationspflichten etc. Wer auf eine Gleichbehandlung mit Ärzten hofft, sollte sich auch mit diesen Fragen auseinandersetzen.

Letzte Beiträge zu diesem Thema

Zusatzinfos