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Avatar #99598
am Donnerstag, 23. Juli 2015 um 18:57

Patientenwohl contra Bequemlichkeit und Umsetzbarkeit?

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KBV fordert Änderungen am geplanten Medikationsplan
vom Donnerstag, 23. Juli 2015
Es dürfte angesichts der komplexität heutiger Medoikamente doch klar sein, dass bereits bei der gleichzeitigen Einnahme von drei Medikamenten, die oftmals jedes wiederum mehrere Wirkstoffe in Kombination enthalten, leicht zu Nebenwirkungen kommen kann, die auf die Interaktion der Medikamente im Organismus zurück zu führen sind.
Dass das schützenswerte Patientenwohl hinten an stehen soll, bloß weil die PVS-Programmiere angeblich die Medikationspläne nicht so schnell in die Software einpflegen können oder weil der Aufwand in den Arztpraxne zu hoch würde, ist doch ein lächerliches Argument!
Mit der gleichen dämlichen Begründung könnte man auch sagen, dass der Aufwand in der Krankenhaushygiene und die Umsetzung der schon lange geltenden Hygieneregeln zu viel Aufwand bedeute und dehalb Hygiene hinten an stehen müsse.
Aber haben wir diese Situation in den Krankenhäusern nicht schon längst? Können sich die Pflegekräfte überhaupt noch Zeit nehmen, Sterillium einzumassieren und 30 Sekunden einwirken zu lassen? Ich war im hiesigen Krankenhaus und das am wenigsten benutzte Utensil war der Strillium-Spender!

Ein Lösungsansatz betr. Medikationsplan wäre vielleicht, dass man Medikamente, von denen bekannt ist, dass Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten besonders leicht auftreten (wie z.B. bei allen Psychopharmaka), grundsätzlich auf einen Medikationsplan setzen muss. Der kann dann wie ein Kassenbon beim Arzt routinemäßig ausgedruckt werden.
Außerdem: Ist es in der Arztpraxis nicht viel aufwändiger, erst mal nachzuschauen, wie viele Medikamente der Patient gerade gleichzeitig einnimmt (und auch nachzufragen, welche OTC-Mittel er sich zusätzlich beschafft und einnimmt - das wird ebenfalls meist vergessen!), um danach zu entscheiden, ob der Patient einen Medikationsplan erhält? Einfacher wäre es doch, wenn der Medikationsplan als Standard immer ausgedruckt wird.

Dass ein Gesetz nach seiner in Kraftsetzung eine Zeit benötigt, bis es umgesetzt werden kann, weil z.B. die nötoige Infrastruktur erst geschaffen werden muss, das ist die einzige „Entschuldigung”, die ich hier gelten lassen kann.

Clemens M. Hürten
Heilpraktiker der Psychotherapie - Rottweil
Avatar #79783
am Donnerstag, 23. Juli 2015 um 23:19

Da krieg ich aber was zu hören

wenn ich einen Patienten für quasi "zu blöd" halte, läppische drei Pillen pro Tag richtig einzunehmen und ihm das auch noch schriftlich gebe!
Viel schwieriger ist es für die Patienten, dass sie alle drei Monate in der Apotheke Pillen mit anderem Namen und anderem Aussehen (Größe, Farbe) erhalten, möglicherweise sogar andere Präparate als verordnet und auf dem Plan ausgedruckt!
Aber die Krankenkassen sparen dadurch Geld, also wird diese Gefährdung ignoriert und stattdessen die Ärzte genötigt, massenhaft Papier und Toner für den Ausdruck unrichtiger Medikationspläne zu verschwenden, die niemand braucht!
Avatar #112256
am Freitag, 24. Juli 2015 um 12:29

Medikationsplan

Aus Sicht der Akut- und Notfallmediziner ist die Mengenbegrenzung in jeglicher Form im Notfall kontraproduktiv und gefährlich.
Gerinnungshemmer, Zytostatika, Psychopharmaka u.a. haben aufgrund ihrer Komplikationsmerkmale ein Alleinstellungsrecht und müssen unabhängig von einer Mengengrenze genannt und gespeichert werden.
Avatar #621181
am Freitag, 24. Juli 2015 um 23:22

Schockierend

Mich schockiert, dass ein solcher Plan nicht für alle Kollegen und eine Selbstverständlichkeit ist. Wir scheinen im Großraum Hannover einfach sehr gute Allgemeinmediziner zu haben, die leben, was Frau Feldmann zu verhindern versucht...
Avatar #691359
am Samstag, 25. Juli 2015 um 23:11

Die Tontafeln der Sumerer kann man heute noch lesen,

bei einem Medikationsplan sind die Anforderungen an die Haltbarkeit zwar geringer, aber man sollte trotzdem nachfragen, was dieses Projekt im e-Health-Gesetz zu suchen hat. Gerade die Patienten, die am meisten auf einen Medikationsplan angewiesen sind, leben in einer analogen Welt und haben Berührungsängste mit moderner Technik. Diesem Umstand trägt das Projekt Rechnung:
http://www.akdae.de/AMTS/Medikationsplan/docs/Medikationsplan_aktualisiert.pdf

Ein Medikationsplan ist also wesentlich mehr als ein tabellarischer Ausdruck der aktuellen Medikamente, es ist streng genommen eine streng definierte Datenbank, die auf dem Papier sowohl als Tabelle als auch als 2D-Barcode ausgedruckt wird. Erstellt werden kann so ein Plan von Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken, durch den 2D-Barcode kann er elektronisch eingelesen werden, wenn z.B. in der Apotheke wegen der Rabattvereinbarungen der Kassen Präparate ausgetauscht werden (Aktualisierung) oder wenn beim Hausarzt die Medikationspläne von weiteren Fachärzten zusammengeführt werden (Konsolidierung). Die o.g. Projektbeschreibung gibt Antworten zum Thema Datensicherheit (wegen der dezentralen Speicherung ausschließlich bei den Beteiligten im System ist das kein Problem), außerdem kann bei einem Papierdokument der Besitzer des Papiers entscheiden, wem er es zeigt. Auch die Belange der Notärzte wurden berücksichtigt, in der Projektbeschreibung wird empfohlen den Plan zweimal auszudrucken, einmal für zu Hause in der Langform, und einmal den Kopfbereich mit dem 2D-Barcode zusammengefaltet für die Brieftasche für Notfälle.

Die Fragen, die in der Projektbeschreibung offen bleiben, das ist die organisatorische Umsetzung. Von den über 70 Seiten des pdf-Dokuments ist mehr als die Hälfte den technischen Details gewidmet. Dementsprechend dürfte es für eine Softwarefirma doch einigen Aufwand bedeuten, ich bin kein IT-Experte, aber ich würde den Aufwand auf etwa 2 Personenmonate Programmierarbeit und insgesamt etwa 20 000 € Kosten schätzen. Die Hauptnutznießer sind die Krankenkassen, die durch einen Medikationsplan die Kollateralschäden ihrer Rabattverträge abmildern, nach dem Verursacherprinzip sollten zumindest die Marktführer bei den Arztsystemen die o.g. Summe direkt von den Kassen außerhalb des KV-Budgets bekommen. Auch steht die Frage, ob die Apotheker die Aktualisierung des Medikationsplanes vergütet bekommen, wenn sie die Kassen beim Kostensparen unterstützen. Das Erstellen eines Medikationsplans ist aus meiner Sicht Bestandteil der normalen ärztlichen Tätigkeit, die Konsolidierung dagegen und die Prüfung der Medikation der ärztlichen Kollegen auf Wechselwirkungen sollte nach Möglichkeit mit einer eigenen EBM-Nummer vergütet werden.

Wenn Hard- und Software mitspielen, würde ich mich meinem Vorredner anschließen und den Medikationsplan für alle empfehlen, einerseits weil alte Leute bei einem Medikamentenwechsel auch schon bei drei Präparaten verwirrt werden können, und andererseits auch die Zahl an fünf Medikamenten nur ein Surrogatmarker für die Komplexizität der Wechselwirkungen ist, bei bestimmten Wirkstoffen (Gerinnungshemmer) können sich auch schon eher unerwünschte Interaktionen ergeben.

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