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Avatar #2546
am Dienstag, 18. August 2015 um 07:17

Polemik und Unverständnis

Kommentar zur Nachricht
„Die Indikation als Kernstück der ärztlichen Identität“
vom Montag, 17. August 2015
Wieder mal werden DRGs, Krankenhausfinanzierung und Ökonomie in einen Topf geworfen und polemisch aufbereitet. Das DRG-System bringt in erster Linie Transparenz. Durch Transparenz können Ressourcen von überflüssigen zu sinnvollen Bereichen gelenkt werden. Das ist ökonomisch sinnvoll. Das ist aber vor allem auch ethisch richtig, um ausreichend Geld für die Behandlung von Patienten zu haben, wo es wirklich gebraucht wird. Also alles nur Polemik…

Dr. med. Sascha Baller
M.Sc. Healthcare Management, Facharzt für Anästhesiologie
Hochschuldozent, Gutachter für Sozialgerichtsverfahren
Rohrbacher Straße 92/1 | 69115 Heidelberg
E-Mail | Homepage: baller@drg24.de | www.drg24.de
Avatar #87958
am Dienstag, 18. August 2015 um 09:19

Ein guter Mensch...

...ist nicht immer auch ein guter Ratgeber. Viele sind betrübt und betroffen darüber, dass Geld im Gesundheitswesen doch eine Rolle spielt. Aber: Es schlagen in unserer Brust doch zwei Herzen, das des (potenziellen) Patienten, der sich High-Tech UND Komfort UND einfühlsame Gespräche wünscht, aber auch das des Beitragszahlers, der sein Geld sinnvoll und sparsam eingesetzt sehen will. Auch für letzteres müssen wir Ärzte die Verantwortung übernehmen, wenn wir in der Debatte ernst genommen werden wollen. Prof. Maio scheint sich dessen nicht bewusst zu sein, denn außer dem populären DRG-Bashing, was aber am eigentlichen Problem vorbeigeht, zeigt er keine Lösungsansätze auf. Dabei ist die Indikationsqualität seit Jahren ein wichtiger Baustein der ärztlichen Qualitätssicherung, dies muss weiter ausgebaut und transparent gemacht werden.

Mit den DRGs hat das, wie Kollege Baller schon schrieb, nicht viel zu tun. Die sind lediglich ein Instrument, um das vorhandene Geld möglichst aufwandsgerecht zu verteilen. Wie viel Geld insgesamt zur Verfügung steht, ob steigende Personalkosten adäquat finanziert werden, ob die Krankenhäuser die Folgen der Demografie allein bewältigen müssen, ob sich Qualität lohnt und mit welchen Mitteln der Bedarf gemessen und die Versorgungsdichte gesteuert wird, wird nicht beim InEK entschieden.
Avatar #109757
am Dienstag, 18. August 2015 um 15:28

re: "überflüssig zu sinnvoll"

Lieber Herr Baller,
Ihre Sicht auf die DRG-Landschaft ("Das ist aber vor allem auch ethisch richtig, um ausreichend Geld für die Behandlung von Patienten zu haben, wo es wirklich gebraucht wird.") erlebe ich leider sehr anders.
Vielleicht ist es in Heidelberg anders, ich erlebe es hier im Norden jedoch ständig, dass DRG- bzw. gewinngesteuert, die Akutversorgung der breiten Patientenschaft im Krankenhaus zunehmend schlechter wird. Es werden Kapazitäten in den Notaufnahmen abgebaut, Ressourcen in Fächern mit konservativem Fokus reduziert und in elektiv-Fächer mit höhen Erlösen investiert.
Gerade erst erlebt, 2 pulmologische Stationen geschlossen ("nicht rentabel"), und der Orthopädie in den Bereichen Wirbelsäulenchirurgie (rein elektiv), Endoprothetik (rein elektiv) zugeschlagen. Die Rendite in der Pulmo lag "im einstelligen Prozentbereich", die elektivfächer werden - zumindest bei uns - mit 20% veranschlagt.
Mag eine Eigenheit im privatwirtschaftlich dominierten Hamburg sein... ich persönlich erlebe das aber als eine wirklich grauenhafte Entwicklung.
Avatar #644877
am Dienstag, 18. August 2015 um 17:03
geändert am 18.08.2015 17:08:04

...

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Avatar #79783
am Dienstag, 18. August 2015 um 22:37

Lieber Kollege Baller,

Wenn ich ihre Signatur richtig lese, haben Sie sich vor geraumer Zeit aus der kurativen Medizin verabschiedet und schweben in den höheren Sphären des allwissenden hauptamtlichen Gutachters, weit entfernt vom Alltag mit seinen lästigen Zwängen...
Ich gehöre als Hausarzt zu den Ärzten am anderen Ende, die die Folgen der DRGs ausbaden dürfen - in der Nachbarschaft eines auf 15% Umsatzrendite getrimmten Helios-Krankenhauses. Frühentlassungen, miserable pflegerische Versorgung, Ärzte mit unzureichenden Deutschkenntnissen, Missbrauch der Ambulanz zum Generieren stationärer Fälle...
Natürlich ist Medizin ohne Ökonomie nicht möglich, aber doch nicht die Medizin als Sklavin der Ökonomie - umgekehrt wäre es richtig!

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