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Avatar #79783
am Dienstag, 19. Juli 2016 um 21:24

Die AOKen

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AOK-Institut kritisiert Ärzteverteilung in Deutschland
vom Dienstag, 19. Juli 2016
sollten nicht jammern - haben sie doch die finanzielle Austrocknung der Hausärzte durch poltische Interventionen maßgeblich zu verantworten. Die Facharztschwemme gäbe es nicht, hätte nicht die AOK ihren Versicherten immer den unmittelbaren Zugang zum Facharzt als "soziale Emanzipation" der armen Pflichtversicherten mit den privilegierten Privatpatienten verkauft...
So fehlen überall die Hausärzte, und die Fachärzte produzieren unter der Last der unselektiert einströmenden Patienten immense Kosten.
Liebe AOKen - wer bestellt, soll gefälligst auch bezahlen und nicht herumjammern, man hätte sich die bestellte Runde Schampus für alle nicht so teuer vorgestellt...
Avatar #691359
am Dienstag, 19. Juli 2016 um 22:49

Warum keine staatlichen Arztpraxen?

Wenn die Krankenkassen so sehr über den Mangel an Hausärzten in unterversorgten Regionen jammern, stellt sich automatisch die Frage, warum werden dann dort nicht einfach Allgemeinarztpraxen unter kommunaler Trägerschaft eröffnet?

Aus meiner Sicht ist die Antwort einfach. Für die gleiche Versorgungsleistung sind staatliche Arztpraxen einfach teurer. Der selbstständige niedergelassene Arzt befindet sich vom Augenblick der Niederlassung in einer Reihe von Abhängigkeiten: Der Praxiskredit macht ihn für viele Jahre abhängig von der GKV, weder kann er streiken noch kann er einfach wegziehen. Auch hat er die volle Personalverantwortung und alle Vorhaltekosten, er muss also für alle seine Entscheidungen als Unternehmer geradestehen. Die einzige freie Wahl (und auch die soll offensichtlich beschnitten werden) ist die Wahl des Ortes der Niederlassung. Danach ist der Niedergelassene Arzt auf Jahrzehnte allen Grausamkeiten seitens der GKV und des Gesetzgebers hilflos ausgeliefert, wenn man bösartig wäre, könnte man dies als besondere Form der Leibeigenschaft bezeichnen.

Der Deal für den Kassenarzt sah über viele Jahrzehnte so aus: ein sicheres Einkommen im Tausch gegen die Entscheidungsfreiheit. Über viele Jahre war der Kassenarztsitz ein goldener Käfig, nur ist dieser Käfig mittlerweile rostig geworden, und wenn sich jemand für diesen Käfig auf Jahrzehnte verschuldet, dann sucht er sich ein Exemplar mit möglichst wenig Rost.

Was passiert nun, wenn der Allgemeinmediziner nicht Inhaber der Praxis ist, sondern nur angestellt? Erstens wird er ein angemessenes Facharztgehalt einfordern und bekommen. Zweitens hat er feste Arbeitszeiten. In privater Niederlassung sind unbezahlte Überstunden Privatsache, ein angestellter Arzt wird sich dies nur begrenzt gefallen lassen. Und sollte jemand auf die Idee kommen, ihm das Gehalt zu kürzen oder mit zusätzlicher Bürokratie zu drangsalieren, dann kann er kündigen und sich eine neue Arbeit suchen, schliesslich ist er nicht an die Scholle gebunden. Das finanzielle Risiko für Personal und Vorhaltekosten hat dann der Träger, z.B. die Kommune.

Das wir bisher kein staatliches Gesundheitssystem in Deutschland haben liegt also daran, dass ein staatliches System entweder weniger Leistung für das gleiche Geld bringt oder bei gleicher Leistung mehr Kosten produzieren wird. Deshalb werden Kassen, KV und Kommunen auch zukünftig lieber jammern als selbst die Verantwortung zu übernehmen.
Avatar #697854
am Mittwoch, 20. Juli 2016 um 08:55

Staphylococcus rex, Sie haben recht

Das reale Beispiel der Staatsmedizin war die DDR
und die große Überraschung bei der Wiedervereinigung auch (nicht nur) für westdeutsche AOK´s war, dass es dort nicht zu wenig, sondern "zu viel" Personal gab.
So viel wollten die dann doch nicht bezahlen.
Avatar #109757
am Mittwoch, 20. Juli 2016 um 09:52

recht so (Über/Unterversorgung)

Über/Unterversorgung geht Hand in Hand mit dem Trend der Gesellschaft zur Urbanisierung (bzw. Suburbisierung) und ist vor allem ein Problem der Strukturschwachen Gegenden, die in kommenden Jahren auch weiter an Bewohnern verlieren werden. Die Frage "und wo soll mein Partner dann arbeiten" stellt sich in diesen Regionen häufig.
Nebenher muss ich ehrlich gestehen: Es geht mir langsam wirklich - von allen Seiten her - auf den Zeiger, dass sowohl Versicherer und KVen als auch niedergelassene Hausärzte seit Jahren in den Pot der Attraktivität und des Ansehens der Allgemeinmediziner spucken, und weiter jammern es gäbe langsam zu wenige. Auch hier gilt das, manchen wohl intellektuell grob überfordernde, Prinzip von Ursache und Wirkung.
Avatar #560064
am Mittwoch, 20. Juli 2016 um 13:01

Selbst Schuld-AOK

Ein ehemaliger Spitzenfunktionär, Herr Knieps, bei der AOK, später Berater bei der ehemaligen BMG Schmidt hat auf einer Veranstaltung 2008 in Potsdam und Berlin, in dessen Rahmen eines dere ersten größeren MVZ vorgestellt wurde sinngemäß zu der Frage "Er wisse ja wohl schon, wenn man zentriere, dieses i. Sinne des Wortes eine Ausdünnung in der Fläche bedeuten würde, ob das im Sinne des BMG sei?", Er sagte, ja dass sei schließlich gewollt. Auf die Nachfrage, dass eine Region, wie z.B. der mittlere Odenwald damit nur noch eine Versorgung am Rande (Bergstraße) oder in großen Städten hätte, ob das damit bewusst eingeplant würde, wurde mit JA! geantwortet.
Also Ihr Heuchler und Lügner - Ihr wollt dieses System, so wie es langsam aber sicher in Fahrt kommt. Alles zentriert, nicht wohnortnah, jedenfalls nicht zu den jetzigen Bedingungen.
Pfui Spinne, sich dann so klagend zu äußern, wenn ein ehemaliger Chefstrage der AOK daran nicht ganz unschuldig ist und die Entwicklung angestossen hat.

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